Streitkräfte als lernende Organisationen

Veränderung in den Streitkräften der USA und Großbritannien in den Jahren 1990 bis 2014 anhand der Vorschriften zur Aufstandsbewältigung

Christoph Göd

Dieser Artikel geht der Frage nach, wie Innovation in Streitkräften ermöglicht wird. Zu Beginn wird die Theorie des Organizational Learning vorgestellt. Danach wird diese Theorie konkret auf Streitkräfte übertragen. Den Kern des Artikels bildet eine Untersuchung der Veränderung der Denkschulen zur Aufstandsbewältigung in den Streitkräften der USA und des UK in den Jahren 1990 bis 2014. Hierbei wird analysiert welche Faktoren Veränderung ermöglicht und welche dies behindert haben. Ausgehend von diesen Faktoren werden allgemeine, sich nicht ausschließlich auf die Aufstandsbewältigung beziehende, Ableitungen für die Ermöglichung beziehungsweise Erleichterung von Innovation im ÖBH getroffen. Kriege und bewaffnete Konflikte bleiben ihrer Natur nach gleich, der Charakter ändert sich jedoch. Dies hat zur Folge, dass Streitkräfte sich diesem ändernden Charakter anpassen müssen, beziehungsweise eine Änderung antizipieren müssen, um ihre Aufträge erfolgreich erfüllen zu können. Die Geschichte zeigt, dass dies Streitkräften nur teilweise gelungen ist. Der Autor hat sich im Zuge seiner Militärwissenschaftlichen Arbeit am Generalstabslehrgang mit der Thematik der Veränderungsfähigkeit von Streitkräften befasst. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind Gegenstand dieses Artikels. Konkret wurde anhand der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland die Entwicklung der Denkschulen zur Aufstandsbewältigung im Zeitraum 1990 bis 2014 untersucht. Es sollte hierbei untersucht werden, was zu der Vernachlässigung der Beschäftigung mit der Thematik der Aufstandsbewältigung geführt hat und wie die untersuchten Staaten ihre Streitkräfte für die Erfordernisse der Aufstandsbewältigung, im untersuchten Zeitraum, adaptiert haben. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage, inwieweit und wie das System Streitkräfte Innovation zulässt.

Es zeigt sich, dass Veränderung in Streitkräften u.a. von innovativen Personen, meist Offizieren, ausgeht. Gleichzeitig wurde dargelegt, dass die Förderung dieser Personen abhängig von deren Vorgesetzten und der Kultur der jeweiligen Streitkraft ist. Das Erkennen innovativer Personen stellt eine wesentliche Führungsleistung von Vorgesetzten dar. Das Erkennen allein ermöglicht diesen Personen jedoch nicht ihre Ideen umzusetzen, beziehungsweise deren Umsetzung zu beeinflussen. Die Organisation Militär muss derart flexibel aufgebaut sein, dass sie es erlaubt, innovative Personen an den entsprechenden Stellen einzusetzen.

Das ÖBH muss über Vorschriften zu allen möglichen Einsatzszenarien verfügen. Die Ausbildung hat sich nach diesen zu richten. Die Erstellung von Vorschriften bindet eine Vielzahl von Ressourcen und ist zudem zeitintensiv. Um die rasche Verfügbarkeit von Vorschriften, sowie die Abdeckung aller notwendigen Themenbereiche sicherzustellen, ist es daher aus Sicht des Autors zweckmäßig, Vorschriften der NATO oder anderer Streitkräfte in einer adaptierten Form zu übernehmen, bis eine entsprechende österreichische Vorschrift verfügt ist.