Die Verteidigungsminister der Zweiten Republik - Serie

Manfried Rauchensteiner


Johann Franz Freihsler


Das Milieu, aus dem Johann Freihsler (1917-1981) kam, war ganz anders als das seiner Vorgänger als Verteidigungsminister. Sein Vater war Schlossergehilfe in Kunewald in der Nähe von Neutitschein (Kunin, Okres Nový Jičín) gewesen und zog nach Wien. 1917 kam der Sohn Johann zur Welt. Nach dem Krieg lebte die Familie in ärmlichen Verhältnissen. Johann bekam Stipendien und sollte Lehrer werden. Er kam 1932 an eine Lehrerbildungsanstalt in Wien und maturierte 1936 mit Auszeichnung. Freihsler meldete sich als Einjährig-Freiwilliger und kam zum Wiener Infanterieregiment Nr. 3. 1937 wechselte er an die Maria-Theresianische Militärakademie. Dort wurde er nach dem Anschluss Österreichs Ende August 1938 als Oberfähnrich ausgemustert. Nach einem Jahr als Ausbildner wurde er mit seinem Regiment im Polenfeldzug eingesetzt. Von Rumänien aus nahm Freihslers Division am Angriff auf die Sowjetunion teil. Sie erkämpfte den Übergang über den Dnjepr und nahm Anfang Oktober an der Schlacht am Asowschen Meer teil. Bei der Gelegenheit wurde Freihsler am rechten Bein verwundet. Freihsler wurde danach als Oberleutnant am 15. Mai 1942 in die Führungsabteilung des Oberkommandos der 11. Armee transferiert und machte die Kämpfe auf der Krim und die Einnahme Sewastopols im Juli 1942 mit. Anschließend verlegte die 11. Armee zur Heeresgruppe Nord und verstärkte den Belagerungsring um Leningrad. Schon nach vier Monaten wurde die Armee aber wieder in den südlichen Abschnitt der Ostfront verlegt und war nach der Einschließung der deutschen 6. Armee in Stalingrad am Aufbau einer neuen Abwehrfront beteiligt. Freihsler machte die Sommerschlacht in Russland (Operation „Zitadelle“) und den Rückzug der Heeresgruppe in der Ukraine mit, verblieb während der ganzen Zeit in der Führungsabteilung der 11. Armee bzw. der neuen Heeresgruppen. Bereits als Hauptmann wurde er mit März 1944 an die Kriegsakademie nach Berlin versetzt, um eine Generalstabsausbildung zu beginnen. Nach Kriegsende gelang ihm in langen Fußmärschen die Heimkehr nach Wien. Er fand im Innenministerium Beschäftigung in der Abteilung 12 K, die sich mit der Betreuung der Kriegsgefangenen und Heimkehrer befasste. Mitte 1955 wurde er in das Amt für Landesverteidigung überstellt und zur Mitarbeit bei der Aufstellung des Bundesheeres eingesetzt. Ab 1. Jänner 1956 wurde er Major dhmD. Von 1958 bis 1961 hatte er als Leiter der Organisationsabteilung im Bundesministerium für Landesverteidigung wesentlichen Anteil am Heeresaufbau. Nach den unter Bundesminister Karl Schleinzer vorgenommenen Umstellungen im Ressort musste er diesen Posten verlassen und wurde Leiter der Stabsabteilung des nunmehr in seinen Kompetenzen eingeschränkten Generaltruppeninspektors, General Erwin Fussenegger. Diesen Posten hatte er vom 1. August 1961 bis 19. Jänner 1966 inne und konnte sich in dieser Zeit die Anerkennung und das Vertrauen des Generals erwerben. Zu seinen wesentlichen Leistungen in dieser Zeit zählt die Vorbereitung der ersten Großmanöver des Bundesheeres im Herbst 1965 und die Organisation mehrerer großer Paraden auf der Wiener Ringstraße. Er leitete auch den Katastropheneinsatz bei den großen Überschwemmungen des Sommers 1965 in Kärnten. Am 1. Jänner 1966 wurde er Brigadier. Zu diesem Zeitpunkt wurde er von Bundesminister Georg Prader auch mit der Leitung der Gruppe Operation betraut. In dieser Funktion organisierte er den Einsatz des Bundesheeres während der 1968 durch den Einmarsch der Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei entstandenen Krise.

Am 21. April 1970 wurde er, der politisch der SPÖ nahestand, als Bundesminister für Landesverteidigung in das erste Kabinett von Bundeskanzler Bruno Kreisky berufen. Er war der erste sozialdemokratische Verteidigungsminister der Zweiten Republik. In seine Ministerschaft fiel die Umsetzung der Bundesheerreform, nach der der Wehrdienst von neun auf sechs Monate verkürzt wurde. Am 3. Februar 1971 legte er allerdings aus Gesundheitsgründen sein Ministeramt zurück und ging kurz darauf in Pension, die er noch zehn Jahre einigermaßen genießen konnte.