Zur Theorie der Militärlogistik

Andreas Alexa/Christian Schorn

Da Theorien das Fundament jeder wissenschaftlichen Forschung sind und Regeln für das Handeln vorgeben, ist es notwendig, anerkannte wissenschaftliche Theorien, auf die Anwendbarkeit der Militärlogistik zu analysieren und Ableitungen zu treffen. Neben der Militärstrategie, der Operation, der Taktik und der Allgemeinen militärischen Führung ist die militärische Logistik (= Militärlogistik) und der Streitkräfteunterhalt (= Bereitstellungslogistik), welche zusammengefasst als Logistik im Verteidigungsressort bezeichnet werden, ein wesentlicher Teilbereich der Wissenschaftsdisziplin Militärwissenschaft. Die Bereitstellungslogistik nimmt aufgrund der Zuordnung der materiellen und infrastrukturellen Unterstützung der Logistik im Verteidigungsressort eine leitende Funktion bei den beiden Entwicklungslinien Ausrüstung einschließlich Ausstattung und Infrastruktur ein. Das Kennzeichnende und somit Wesen der Militärlogistik ist die Gestaltung und ständige Optimierung logistischer Strukturen, Systeme und Prozesse durch ein militärisches Logistikmanagement, welche der streitkräfteinternen, -externen und -übergreifenden Leistungserstellung dienen. Somit plant, steuert und kontrolliert das militärische Logistikmanagement den effizienten und effektiven Einsatz logistischer Dienstleistungen (= logistische Prozesse), welche von logistischen Kräften realisiert werden, innerhalb eines logistischen Systems. Dies dient der Erfüllung aller logistischen Bedürfnisse von Streitkräften. Für die logistische Funktion der Materialbewirtschaftung bedeutet dies beispielsweise einen vorwärts und rückwärtsgerichteten Fluss von Transformationsobjekten (Versorgungsgüter), einschließlich der dafür notwendigen Informationen zwischen Knoten (logistischen Einrichtungen und Räumen) und Kanten (logistischen Verbindungslinien). Als wesentliche Wirkung der Militärlogistik kann die Herstellung und Erhaltung der Überlebensfähigkeit, der Einsatzfähigkeit und der Durchhaltefähigkeit von Streitkräften in Einsätzen bzw. die Sicherstellung eines effizienten Normdienstes angeführt werden. Anders ausgedrückt, ist der Zweck aller Maßnahmen der Militärlogistik die Vermeidung der logistischen Kulmination. Denn ist diese eingetreten, sinkt die Einsatz- und Leistungsbereitschaft der Streitkraft. Daraus resultiert aus wissenschaftlicher Perspektive für die Militärlogistik das Erkenntnisobjekt der Analyse und Interpretation von Logistikaufgaben der Führungs- und Durchführungsebene, welche den Fluss von Transformationsobjekten bzw. -subjekten, wie Versorgungsgüter, Energie oder Lebewesen, und den damit zusammenhängenden Geld- und Informationsfluss in logistischen Netzwerken durch logistische Kräfte bewirken. Dieses wird mit (militär)wissenschaftlichen Methoden untersucht, um Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsdisziplin zu erlangen. Die Militärlogistik ist, neben der Bereitstellungslogistik, ein wesentlicher Bestandteil der Teildisziplin militärische Logistik und Streitkräfteunterhalt der Militärwissenschaft. Da Theorien ein wesentliches Fundament jeglicher wissenschaftlichen Betätigung darstellen, ist eine Beschäftigung mit diesen für Wissenschaftler eine absolute Notwendigkeit. Es hat sich gezeigt, dass sich systemtheoretische, netzwerktheoretische und organisationstheoretische Grundlagen auf den Bereich der Militärlogistik transformieren lassen. Diese stellen damit eine solide wissenschaftstheoretische Basis dar, welche auch dem Grundsatz, dass die Theorie der Praxis vorgehen solle, folgt. Die Systemtheorie kann als Fundament bezeichnet werden, auf denen die weiteren angeführten Theorien aufbauen können. Ausgehend vom militärlogistischen System, welches eher abstrakt die Beziehungen zwischen den Systemelementen beschreibt, entsteht durch die Festlegung von teilnehmenden Elementen ein logistisches Netzwerk. Dieses wird wiederum erst durch eine dementsprechende Aufbau- bzw. Ablauforganisation realisiert.