Das Projekt der „Schwarzmeer-Einheitsschiffe“ (SME) und ihr Bau auf der Schiffswerft Korneuburg im Zweiten Weltkrieg

Wilhelm M. Donko

In der Ausgabe ÖMZ 3/2018 wurde bereits über hochseegängige Frachtschiffe vom Typ KT berichtet, die ursprünglich zur Lösung des Nachschubproblems in Nordafrika konzipiert worden waren und teilweise an der Donau, in Ungarn (4 Schiffe) und in Österreich (7 Schiffe) gebaut wurden. Es ist auch unter Marineexperten kaum bekannt, dass dieses Serienbauprogramm der Kriegstransporter (KT), bei dem etwa 60 Bauaufträge vergeben und dabei ca. 40 Schiffe fertiggestellt wurden (der Großteil in Italien), nicht das letzte Bauprogramm für hochseegängige Frachtschiffe im Auftrag der Kriegsmarine im europäischen Südraum war. Das etwas später begonnene Schwarzmeer-Einheitsschiffe (SME)-Programm wurde parallel zum noch laufenden der Kriegstransporter gestartet und sollte dem Schwarzen Meer dringend benötigten Schiffsraum in Form von modernen Küstenmotorschiffen zuführen, die man reichlich großspurig „Schwarzmeer-Einheitsschiffe“ nannte. Die Bezeichnung deutet auf Massenproduktion hin, vergeben wurden aber lediglich zwölf Baunummern auf zwei Werften, die von ihrer Lage nicht unterschiedlicher hätten sein können: in Korneuburg in Niederösterreich und Elmshorn in Schleswig-Holstein. Gebaut wurden nur insgesamt acht Schiffe.

Das SME-Bauprogramm geht in seinen Wurzeln auf massive Nachschubprobleme der Heeresgruppe Süd in Russland Anfang 1942 zurück und wurde parallel zum laufenden KT-Bauprogramm gestartet. Vom Konzept her handelte es sich um moderne Küsten-Motorschiffe (Kümos), die auf Donauwerften gebaut werden sollten. Zudem sollten in Norddeutschland vorgefertigte Bauteile für ganze Schiffe in den Donauraum gebracht werden.

Schiffbaulich waren die SME im Vergleich zu den KT viel mehr als reine Handelsschiffe zu bewerten, die KT doch in viel höherem Ausmaß als „echte“ Kriegsschiffe.

Wenn man die gesamte Dimension der deutschen Marinerüstung in der zweiten Hälfte des Krieges als Maßstab nimmt und mit der amerikanischen vergleicht, stellt sich die Frage, ob die Entscheidungsträger auf deutscher Seite wirklich keine Ahnung über den Umfang der alliierten Ressourcen hatten oder ihn ganz bewusst ignorierten. Es ist jedenfalls schwer verständlich, dass intelligente Menschen es verantworten konnten, den militärischen Widerstand unter diesen Gesichtspunkten fortzusetzen. Für das Deutsche Reich war das Programm zum Bau der Schwarzmeer-Einheitsschiffe ein Misserfolg, da kein Schiff mehr rechtzeitig fertig wurde. Für die Werft in Korneuburg und (nach Kriegsende) in Budapest bestand ein Vorteil zumindest darin, dass diese beiden Binnenwerften nach dem Krieg aufgrund ihres Know-hows früh in den Bau von hochseegängigen Küstenmotorschiffen einsteigen konnten.