Online-Seminar zur Wiener Strategiekonferenz 2020

Vorausblick zur Wiener Strategiekonferenz 2021

Laurenz Fürst/Richard Fischer

Vom 3. bis 4. November 2020 fand ein Online-Seminar zur Wiener Strategiekonferenz statt. Organisator dieses Online Seminars war die ÖMZ unter Federführung von Brigadier Wolfgang Peischel. Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie musste die Strategiekonferenz 2020 schweren Herzens abgesagt werden. Um jedoch die Freunde, Teilnehmer sowie Mitstreiter der letzten Jahre auf dem Laufenden zu halten sowie ein kräftiges Lebenszeichen zu senden, wurde Anfang November ein zweitägiges Online-Seminar abgehalten. Es war für jeden ersichtlich, dass dieses Online-Seminar - einerseits dem Online-Format und andererseits der Kürze geschuldet - die ursprüngliche Strategiekonferenz in keiner Art und Weise ersetzen kann. Das Thema des Online-Seminars lautete: „Entwicklungstendenzen strategischen Denkens (aus der jeweiligen wissenschaftlichen Fachsicht)“. Dieses konzise und intensive Online-Seminar war dem Austausch von Ideen und Gedanken in Bezugnahme auf die strategischen Implikationen der momentanen Krise sowie die daraus resultierenden Konsequenzen gewidmet. Im Vordergrund standen die Entwicklungstendenzen strategischen Denkens aus gesamtstrategischer Sicht. In diesem Zusammenhang wurde auf die Bedeutung der politikübergreifenden strategischen Beratungskompetenz im Kontext eines wahrnehmbaren Strategiedefizits hingewiesen. Eine Beratung dieser Art sollte von allen Ressorts, fachlich und wissenschaftlich fundiert, geleistet werden können. Das Modell dieser Beratung greift in die Elemente der Kaskade politischer Entscheidungsebenen, gesamtstaatlichen, entscheidungsvorbereitenden strategischen Denkens sowie operativer Umsetzung des strategischen Zwecks wie folgt ein:

- einerseits im Bereich „gesamtstaatlichen, entscheidungsvorbereitenden Denkens“ durch die „Beratungsdimension“,

- andererseits im Element „operative Umsetzung des strategischen Zwecks“ durch die „Einsatzführungswissenschaft“. Die beiden Fähigkeitsbündel „Beratungsdimension“ an der Schnittstelle zur politischen Ebene und „Einsatzführungswissenschaft“ zur operativen Umsetzung, stellen ein Alleinstellungsmerkmal des Militärs dar.

Ein Bezug zu Clausewitz wurde hergestellt und Zweck-Ziel-Mittel bzw. Mittel/Risiko-Vorgaben und Mittel-Risiko-Ermittlung auf das Modell projiziert. Des Weiteren wurden Fundstellen in Clausewitz dargelegt, welche sowohl die Beratungsdimension als auch die operative Umsetzung unterstützen. Was „Strategie“ betrifft, so muss differenziert werden zwischen der Strategie des Entscheidens (Entscheidung), welche der Politik zugeordnet wird, und der Strategie des Denkens (Vorbereiten, Beraten), die dem Militär und den Militärwissenschaften zugerechnet wird. In Bezugnahme auf Corona wurde darauf hingewiesen, dass gewisse Akteure solch eine Situation als Waffe nutzen könnten. Dies sollte für künftige Pandemien, aber auch im Kontext von Biowaffen berücksichtigt werden. Darüber hinaus gelingt es Diktaturen, durch extrem restriktive Maßnahmen, die Krise anscheinend effektiver zu meistern. In Bezug auf das Thema „Cyber“ wurden der Sicherstellung der „Cyber-Sicherheit“ durch robuste, offensive Maßnahmen des Staates, die Grundrechte der Bürger bzw. Datenschutz gegenübergestellt. (Wieviel Cyber-Sicherheit vs. wieviel Grundrechte?) Resilienz kann ohne ausreichende Strategiefähigkeit nicht erhalten werden.