Mahan oder Corbett: Das maritim-strategische Dilemma „Chinamerikas" im indo-pazifischen Raum

Nikolaus Scholik


Die Beurteilung der strategischen Entwicklungen von Großmächten ist heute von besonderer Komplexität geprägt und verlangt ein permanentes „Nachjustieren“, will und muss man technologischen Fortschritt, die aktuelle politische Situation und die jeweiligen und gesamten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen korrekt berücksichtigen. Im maritimen Bereich, der sich definitiv zum Schlüssel für eine Position in der globalen Mächteordnung gewandelt hat, stehen die beiden derzeitigen Supermächte - in allerdings verschiedener Rangordnung - vor bedeutenden Entscheidungen. Dazu kommt, dass sich das strategische „theater“,[1]) allgemeiner Ansicht nach nun der pazifische Raum, durch die politischen Entwicklungen in Nah-Mittelost und parallel im Bereich Nordwest-Pazifik (Nord und Süd), nicht mehr vom östlichen Indischen Ozean trennen lässt. Damit entsteht ein neuer Großraum, der geopolitisch, geostrategisch zusammenwächst; dies ist insbesondere bei allen maritim-strategischen Überlegungen zu berücksichtigen.

Die Bedeutung von Seemacht in kriegerischen Auseinandersetzungen - von Salamis (480 v. Chr.), Mylae (280 v. Chr.) zu Lepanto (3.10.1571), Trafalgar (21.10.1805) und letztlich Tsushima (27./28.5.1905) bis Midway (4.-7.6.1942) - zeigt die oft kriegsentscheidende Bedeutung der Beherrschung der See. Hier werden die beiden Haupttheoretiker strategischer und politischer Bedeutung von Seemacht, T. Mahan und J. Corbett, als maritim-strategische Richtungsweiser untersucht. Ohne bedeutende politische Theoretiker wie K. Waltz,[2]) J. Mearsheimer,[3]) R. Kagan[4]) und B. Posen, die sich spezifisch mit Seemacht beschäftigt haben, schmälern zu wollen, wird hier S. Huntington als moderner Vertreter mit seinen Erkenntnissen im maritimen Bereich zu einer Abrundung des Bildes der möglichen strategischen Entwicklung herangezogen.

Nach der historisch-theoretischen Konstellation werden die Haupt- und einige Nebenakteure hinsichtlich ihrer maritim-strategischen Gegebenheiten analysiert. Am Beispiel der derzeit gültigen Seestrategie der USA - ein vergleichbares chinesisches Dokument liegt zur Beurteilung nicht vor - wird die durchaus erkennbare Schwierigkeit bei der Umsetzung von strategisch wichtigen Eckpunkten auf die operative und materialmäßige Ebene dargestellt. Die chinesische Strategie wiederum lässt sich (wie natürlich auch die der USA) aus den geopolitischen und energiepolitischen Notwendigkeiten sowie dem Wunsch, die Dominanz der USA zur See zu verringern oder, schlechtestenfalls, zumindest nicht größer werden zu lassen, ableiten.

 

Alfred Thayer Mahan

Mahan hat seine erste, moderne Theorie des Kriegs zu See in den späten 1880er-Jahren vorgelegt. Zunächst primär nicht als strategisches, sondern historisches Werk gedacht, entwickelte er in „The Influence of Sea Power upon History“[5]) eine erste moderne Theorie über Seekriegführung und mehr noch allgemeingültige Prinzipien der Kontrolle der Ozeane und der Seewege sowie strategische Grundprinzipien der Seekriegführung.

 

Die sechs Hauptpunkte Mahans bezüglich der Beurteilung der Voraussetzungen für eine Seemacht lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- geographische Position,

- Landesphysik,

- territoriale Ausweitung,

- Bevölkerungszahl,

- Nationalcharakter,

- Regierungsart

Und wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, dann muss diese Nation - das maritime Instrument, eine Marine vorausgesetzt - in der Lage sein, Seewege/Handelswege zu kontrollieren und durch ihre Übermacht auf See wirtschaftliche und politische Dominanz sicherzustellen.

Es scheint kein Zufall der Geschichte zu sein, dass Mahans maritimer Beitrag zur Gesamtstrategie eines Staates fast zeitgleich mit der Entwicklung der Theorie der Geopolitik (Mackinder, Kjellen, Ratzel und Haushofer) und dem technologischen Wandel der Seefahrt vonstatten ging. Greifen doch die Elemente der politischen Theorie und jene Mahans über den geplanten und theoretisch ableitbaren Marineeinsatz wie Zahnräder ineinander:

 

Obige Grafik zeigt diese Interdependenz zwischen Gesamtstrategie und die darin eingebettete Rolle von Marineaktivitäten - zivil wie militärisch - klar auf. Taktisch-operativ bezeichnet Mahan „[das] Suchen und Ausüben eines Vorteils ab dem Beginn des Seegefechts“ als entscheidend. Als Seeoffizier wusste er über die enorme Wichtigkeit der Verteilung von taktischem Kommando (vor Ort) und strategischer Übersicht Bescheid und forderte deren Beachtung als „entscheidende Elemente“ der Seekriegführung. Aber er sieht auch Situationen, in denen Taktik und Strategie ineinandergreifen können: Wahl des Ortes und der Bedingungen eines Aufeinandertreffens sowie das letztlich oft notwendige „Korrigieren“ strategischer Fehler durch taktische Entscheidungen. Ungeachtet des seit Mahan enormen technisch-technologischen Fortschritts mit seinen elektronischen Möglichkeiten in den Bereichen Navigation, Geschwindigkeit, Waffentechnik und -wirkung sowie v.a. C3I[6]) sind folgende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Seestrategie zu erfüllen:

- die nationale maritime Ausrichtung,

- zu erwartende Haltung/Reaktion des Gegners,

- Beurteilung der maritimen Potenziale sowie das allgemeine Kräfteverhältnis,

- Verteilung des Kräfteeinsatzes,

- Festlegung der Kommandostruktur.

Mahan stellt die kausalen Zusammenhänge, die bei Landkriegen entscheidend sind (Raum-Bewegung-Feuer[kraft]) erstmals als Grundelemente einer maritimen Staatspolitik auf. Sein Grundsatz, dass der Einfluss politischer und militärischer Fähigkeiten von Nationen mit Seezugang auf ihre maritime Stärke vorrangig wäre, ist nach wie vor - und gerade für die diesbezügliche Beurteilung Chinas - hochaktuell.

 

Julian Corbett

Im Gegensatz zu Mahan beginnt Corbett erst in späteren Jahren (ab 1896), ohne zunächst relevante militärische Ausbildung oder Kenntnisse zu haben, sich mit maritimen Fragen zu beschäftigen. Von Herkunft und professioneller Bildung her liegt hier ein wesentlicher Unterschied zwischen Mahan und Corbett. Während Mahan wohl auch die maritime Strategie in die nationale Gesamtstrategie einbettet, liegt bei ihm die Priorität eindeutig auf der maritim-offensiven Komponente. Corbett hingegen sieht in der Marine ein Instrument der Gesamtstrategie, das mithilft, Kriege zu entscheiden - allerdings ohne die Dominanz der Interpretation Mahans von Seemacht. Die siegreiche, mit dem Ziel des Brechens der gegnerischen Flottenmacht verknüpfte Seeschlacht - bei Mahan Voraussetzung für den Gesamterfolg - hat bei Corbett eine untergeordnete strategische Bedeutung; während bei Mahan die Beherrschung der See eine absolute Notwendigkeit war, stellte Corbett temporäre (maritime) Präsenz und Stärke in den Vordergrund. Mahans offensiver Strategie stellte Corbett eine defensive entgegen - lokale Offensiven (zu Land!), die massive Projektion von Landstreitkräften und verschiedene Arten von Blockaden, um die Seewege offen zu halten. Corbetts Hauptthesen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Kontrolle der Seewege (SLOC),[7])

- Abwägen der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Komponenten mit den technologischen und materiellen für eine Kriegführung,

- Effizienz auf dem Schlachtfeld unter Bewahrung entscheidender Mittel,

- Primat der Politik im Kriege durch eine angepasste (Gesamt-)Strategie zum Schutz der nationalen Interessen.

 

China und die USA als Proponenten der maritimen strategischen Gedanken Corbetts und Mahans? Mahan folgend haben alle US-Präsidenten seit Mitte des 19. Jahrhunderts die amerikanische maritime Macht ausgeweitet und damit ein mächtiges nationales Instrument geschaffen. China hingegen hat erst mit dem Beginn der Deng-Ära (1979-1997), nachfolgend den politischen Entscheidungen zur wirtschaftlichen Öffnung, die Notwendigkeit einer entsprechenden militärischen Stärke internationaler Prägung, das heißt mit maritimen Fähigkeiten, richtig erkannt. Wiewohl man seitens der Volksrepublik China durchaus Mahan’sche Ziele erkennen kann, bleibt doch die Realität viel mehr den Empfehlungen Corbetts verhaftet - was in der Beurteilung noch herauszuarbeiten sein wird.

 

Samuel Huntington

Huntington, dessen Hauptwerk „The Clash of Civilizations“[8]) große Verbreitung fand, ist weit weniger für seine Arbeit im maritim-strategischen Bereich bekannt. Dennoch genießen seine Aufarbeitung der Geschichte der amerikanischen Marinestrategien und seine theoretischen Ansätze und Einteilungen in Fachkreisen hohen Stellenwert. Seine Darstellung der Phasen maritimer Strategien („National Policy and the Transoceanic Navy“, 1954) verbindet die geschichtlichen Ereignisse der entsprechenden Phasen mit der jeweils angepassten strategischen Ausrichtung; ein Ansatz, der ihn nach Mahan und vor Posen[9]) in die Reihe entscheidender amerikanischer Theoretiker stellt. Während Mahan den Zeitraum bis zur Wende zum 20. Jahrhundert dominiert, deckt Huntington die Zeiträume 1900 bis 2000 ab; ihm folgt B. Posen mit seinem Beitrag „Command of the Commons“,[10]) zusammen mit Mearsheimers „Offshore Balancers“[11]) die Fundamente heutiger maritimer Theorie. Diese drei Theoretiker haben die Entwicklung der bisher gültigen, neuen maritimen Strategie der USA, „A Cooperative Strategy for 21st Century Seapower“ (ACS21), über die noch berichtet wird, maßgeblich mitbeeinflusst.

Die Einteilung Huntingtons in die (aus maritimer Sicht) Oceanic und Transoceanic Era spiegelt die jeweilige Phase der Geschichte und der außenpolitischen Aktivitäten der USA wider, anknüpfend an die Continental Era (Mahan) und mündend in die Global Era (Posen). Diese Einteilungen zeigen auch die maritimen Interessen/die Präsenz der USA auf den Weltmeeren mit ihrer Navy auf: zunächst sehr kontinental, nach innen ausgerichtet, dann atlantisch, transatlantisch und letztlich - heute und in beurteilbarer Zukunft - auf alle Ozeane ausgedehnt, dem globalisierten Welthandel angepasst. Die Global Era beginnt mit dem Zerfall der Sowjetunion, der relativ kurzen Phase der hegemonialen Rolle der USA, v.a. im militärischen Bereich. Die seit 9/11 geänderten Sicherheitsbedingungen haben ebenso Eingang in die neue Seestrategie gefunden wie die ständig steigende, gegenseitige Abhängigkeit im internationalen Handel, bei allen Energie- und Umweltfragen und dem daraus resultierenden Zwang zu immer mehr Kooperation. Letztlich ist auch der Bereich der internationalen Sicherheit nicht mehr von einigen Großmächten alleine abhängig, und auch hier deutet einiges auf eine stärkere Annäherung in „Chinamerika“[12]) hin. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Wechsel in der operativen Struktur der USN:[13]) Während die Transoceanic Era auf drei fleet-hubs[14]) (Mittelmeer, Indischer Ozean, Pazifik) setzte/setzen musste, „begnügt“ sich die Global Era mit zwei (Indischer Ozean/Persischer Golf, Pazifik). Basierend auf diesen Grundlagen können nun die strategisch-operativen Gegebenheiten Chinamerikas untersucht werden.

 

Chinamerika - die Konstellation

Die Konstellationsanalyse, Indien als drittstärkste maritime Macht im indo-pazifischen Raum, Russland wegen seiner kontinentalen Bedeutung in Eurasien und die EU (als Vergleichsgröße, nicht als Akteur in der Region angeführt), beschränkt sich naturgemäß - neben grundsätzlich-allgemeinen Schlüsselgrößen - auf Parameter des Themenbereichs. Da Fergusons Bezeichnung der Gemeinsamkeit titelwirksam ist, darf ein Kurzvergleich der beiden Kontrahenten/Partner nicht fehlen.

Fergusons Analyse der gegenseitigen Abhängigkeit bezieht sich primär und fast ausschließlich auf die wirtschaftliche Ebene. Das kann weder verwundern noch die in anderen wichtigen Bereichen der internationalen Politik bestehenden Unterschiede als weniger bedeutsam oder unwichtig im Raum stehen lassen. Die gegenseitigen Wirtschaftsinteressen liegen auf der Hand: Amerika gibt Geld aus und China erwirtschaftet es. So banal dies klingen mag, so real ist die Abhängigkeit Chinas von der Aufnahme seiner Produkte und der Re-Investition der im Handelsbilanzüberschuss erzielten Dollarmilliarden durch das Aufkaufen von amerikanischen Schuldverschreibungen (bonds), ebenso wie sich die USA partiell über diese Kreditmöglichkeit finanzieren.[15]) Sollte der amerikanische Konsum signifikant zurückgehen, wäre damit das noch immer hohe Wachstum der chinesischen Wirtschaft (2001-2011 ca. 10,5% jährlich, im Fünfjahresplan 2011-2015 Sollwert 7,5%) stark gefährdet und von Einbrüchen bedroht. Die Kernfrage ist jedoch, ob die USA diese Schuldenanhäufung gegenüber einem nach wie vor ernsthaften politischen und globalen Wettbewerber jemals werden reduzieren können; diese spezifische Möglichkeit könnte zu einer Separation - also eher wieder zu „China“ und „Amerika“ - und somit bei divergierenden Ansichten und Interessen verstärkten Spannungen führen. Eine neue Bipolarität im Weltmodell wäre die konsequente Folge dieser Entwicklung.

In beiden Nationen sind kürzlich neue Führungen an die Spitze gekommen: Obama II in den USA und die Festlegung der Partei- und Staatsführung auf Xi Jinping (Parteivorsitzender und designierter Staatspräsident) in der Volksrepublik China. Eine Fortführung der relativen Entspannung scheint eher wahrscheinlich, allerdings können unvorhergesehene Folgen der Krise der EU (des Euro), ein weiterer wichtiger Exportmarkt für China und ein, wenngleich politisch/militärisch immer schwächer werdender Partner der USA, v.a. für deren technologische Exporte, die Situation weiter verschärfen.

Ähnlich undurchsichtig zeigt sich die Lage bei der Energieversorgung der beiden Nationen. Während die USA nach wie vor der unbestrittene Ölverbraucher Nummer eins sind (- 9,3 Mio. bbl[16])/Tag 2010), muss auch China täglich 5,3 Mio. bbl, Rohöl importieren. Die hier für China bestehenden Risiken und Notwendigkeiten (massive Zufuhr über See) machen ernsthafte Überlegungen hinsichtlich der Möglichkeiten des Schutzes der Seewege absolut notwendig - ungeachtet etwaiger positiver Entwicklungen in Richtung Chinamerika. Diese Lektion hat man (v.a. in China) nach dem Ausbruch des Krieges im Pazifik im Jänner 1941, der partiell auf das zum Teil reale und weiter angedrohte verstärkte Abschneiden der japanischen Energiezufuhren durch die Regierung Roosevelt zurückgeführt werden kann, wohl gelernt.

Betrachtet man schlussendlich die Militärbudgets im Vergleich (die chinesischen Zahlen werden von SIPRI[17]) mit dem sehr wichtigen Zusatz [ ] = estimate versehen), so erscheint das US-Budget gegenüber dem chinesischen als gigantisch; China übt sich allerdings nach wie vor in der alten Ostblockmentalität des „Versteckens“ von Militärausgaben in anderen Budgetposten, um deren wahre Höhe zu verschleiern. Sie liegen vermutlich als Mittelwert zwischen den offiziellen staatlichen Angaben und den Schätzungen der jährlichen US-Kongressberichte über China. In diesen Berichten betreiben wiederum die Spezialisten des Pentagon ein bewusstes Hochspielen chinesischer Fähigkeiten, um vom Kongress leichter neue Rüstungsmittel nach Hinweis auf die chinesischen Rüstungsanstrengungen genehmigt zu bekommen. Es müssen nun für beide Nationen die operativ-maritimen Fähigkeiten beurteilt werden, bevor hinsichtlich der Themenstellung Schlüsse gezogen werden können.

 

Die US-Navy (USN)

Die USA unterhalten seit dem massiven Auf- und Ausbau der US-Navy unter Marinestaatssekretär T. Roosevelt (1897)[18]) die derzeit und auf absehbare Zukunft hin mächtigste Marinestreitmacht weltweit: 3 Mio. Tonnen, mehr als 2.800 Marineflugzeuge und eine starke, voll luftbewegliche Marineinfanteriestreitkraft, das USMC (US-Marine Corps), das nicht den US-Landstreitkräften untersteht. Trotz diverser Umgliederungen, Neuorientierungen und Verminderungen bei der Anzahl der Kriegsschiffe (unter R. Reagan 600+, unter G. W. Bush 290), trotz diverser Sparprogramme, besonders im Rüstungsbereich, liegt die USN im Mittel der letzten Jahre knapp vor der Air Force an der Spitze der Verteidigungsausgaben. Die derzeit laufenden Rüstungsprogramme

- Wechsel der Trägerklasse von Nimitz zu Ford, beginnend ab 2007 mit der Gerald Ford (CVN[19])-78), begleitet von der neuen Zerstörer-Klasse DD(X);

- LCS-Klasse - littoral combat ships; die direkte Reaktion auf die teilweise Verlagerung der Kampfhandlungen von hoher See auf den Küstenbereich;

- Ersatz der U-Boote der Los Angeles-Klasse (SSN,[20]) Jagd-U-Boote) durch die neue Virginia-Klasse (30 Stück bis 2020, Einsatz bis Mitte 21. Jahrhundert)

sollen den hohen technologischen Standard der US-Navy bei den Kernelementen - Träger, Trägerschutz und atomare Abschreckung durch U-Boote - sicherstellen. Mit dem Goldwater-Nichols-Act von 1986 wurde der US-Navy eine direkte Kommandokette eingerichtet, die dem Präsidenten über den Verteidigungsminister den Zugriff auf die Unified Combattant Commands[21]) ermöglicht.

Kernstück der operativen Kräfte der USN ist die CSG (carrier strike group). Die Trägereinsatzgruppe, ein multifunktioneller Marineverband, besteht aus einem Flugzeugträger mit seinen Begleitschiffen. Die Aegis-Fähigkeit[22]) der Kampfschiffe muss besonders erwähnt werden - unabdingbare technische Voraussetzung, um die elektronische Kampfführung und Abwehr v.a. weit über dem Verband zu ermöglichen. Eine CSG besteht üblicherweise aus

- einem Träger der Nimitz- (später nunmehr Ford-) Klasse mit je einem CVW/CAW (carrier air wing),[23])

- zwei Lenkwaffenkreuzern der Ticonderoga-Klasse (CG),

- zwei bis drei Lenkwaffenzerstörern der Arleigh-Burke-Klasse (später DD(X)-Klasse),

- einer Fregatte zur U-Boot-Abwehr,

- zwei Jagd-U-Booten der Los Angeles- (später Virginia-) Klasse,

- einem logistischen Transportschiff.

Derzeit (seit 2009) sind zehn CVN der USN in den Schlüsselzonen Atlantik und Pazifik zugeteilt. Die folgende Grafik zeigt eine typische CSG/CVN-Dislozierung und damit die positionelle Situation der USN in einem bestimmten Zeitraum, bezogen auf die Flotteneinteilung unter Berücksichtigung der aktuellen Krisensituation - als Beispiel Zeitraum April-Juni 2010:

 

Die dazugehörigen Komponenten des US-Marine Corps werden nach dem MAGTF-Konzept (Marine Air-Ground Task Force), das die Bildung von task force(s) in drei Organisations- und Größenformen vorsieht, unterteilt:

- MEU: die Marine Expeditionary Unit als kleinster, unabhängig operierender Verband; kann auch Teileinheit eines größeren Verbandes sein. Modulare Zusammensetzung (am ehesten als verstärktes Bataillon mit Artillerie-, Pionier- oder gepanzerten Kräften);

- MEB: die Marine Expeditionary Brigade. Regimentsstark, mit entsprechenden Versorgungs- und Unterstützungsteilen;

- MEF: Eine Marine Expeditionary Force ist der größte Verband im MAGTF-Konzept in Divisionsstärke und hat neben adäquater Unterstützung schwerer Waffen auch ein Marine Air Wing angeschlossen.

Die USN soll damit in der Lage sein, den strategischen Anforderungen des Konzeptes „21st Century Seapower“ nach die sechs „strategischen Imperative“, also die strategischen Ziele der Doktrin, erfüllen zu können:

1. Begrenzung lokaler Konflikte durch die Dislozierung entscheidender maritimer Kräfte;

2. Verhindern und Abschrecken vor großen [Macht]Kriegen - also das strategische Ziel von deterrence. Diese Aufgabe ist zunehmend von den Luft- auf die Seestreitkräfte übergegangen;

3. wenn die USA sich im Krieg, bzw. in Kriegen befinden, diese(n) gewinnen;

4. zur Verteidigung der Heimat in der Tiefe beitragen;

5. Fördern und [nachhaltiges] Unterstützen kooperativer Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Partnern;

6. Vermeiden oder Eindämmen von lokalen Störungen, bevor diese Einfluss auf das internationale System gewinnen.

Dazu werden folgende Kernkompetenzen, also Mittel zur Zielerreichung, aufgelistet:

1. vorgelagerte Präsenz

2. Abschreckung

3. Kontrolle der See[wege]

4. Machtprojektion [d.h. Fähigkeit zu deren rascher Durchführung]

5. maritime Sicherheit

6. humanitäre Assistenz und Reaktionsfähigkeit auf Desaster[24])

Zuletzt werden die drei wichtigsten Umsetzungsprioritäten (Bereiche der besonderen Aufmerksamkeit der Oberbefehlshaber) angeführt:

1. Verbesserung Integration und Interoperabilität

2. vorwärtsorientierte maritime Bereichsaufmerksamkeit und erweiterte intelligence-, Überwachungs- und Aufklärungskapazitäten

3. angemessene Ausbildung von Seeleuten, Marines und Coast-Guardsmen für die zu erfüllenden Aufgaben.

Abschließend muss festgehalten werden, dass der „Cooperative Strategy for 21st Century Seapower“,[25]) also der strategischen Doktrin, noch ein entscheidendes Element fehlt: der materielle und personelle Umsetzungsplan. Dies würde eine neue oder zumindest angepasste Version des „naval operational concept“ sowie eine angepasste „naval strategy“ bedingen. Der Marineanalytiker G. Lubold merkte dazu ergänzend an, dass jede Strategie dann eine reine Alibidarstellung ist, wenn man nicht über die zur Umsetzung notwendigen Ressourcen verfügt.[26])

An dieser Stelle müssen zwei ständig in der Diskussion stehende Kernfragen/Probleme des amerikanischen maritimen Konzepts kurz erörtert und entsprechend gewichtet werden. Es gehört zum guten Ton - auch seriöser Politikwissenschaftler und sachkundiger Journalisten - das Kernelement der USN, den Flugzeugträger, für tot zu erklären und somit die amerikanische maritime Potenz im operativen Sinn infrage zu stellen. Die berühmte taktische Rakete oder der Marschflugkörper um 100.000 USD könnten relativ einfach einen modernen Träger um 6-10 Mrd. USD (Nimitz-Klasse - Ford-Klasse)[27]) versenken. Szenarien, Bücher und Essays werden veröffentlicht, die den Schwanengesang des CSG-Konzeptes singen und mit fiktiven Beispielen belegen.[28]) Die grundsätzliche Verletzlichkeit eines Trägers ist selbstverständlich gegeben - nicht nur durch die erwähnten Raketen, sondern v.a. auch durch U-Boote. Dieser Umstand ist der USN natürlich bekannt, und ein Flugzeugträger, der im Verband operiert, hat einen äußerst effizienten Schutzschirm mit einem Radius von ca. 150-200 Seemeilen,[29]) ist in der Luft von AWACS[30]) und den eigenen Trägerkampfflugzeugen geschützt und auch die Unterwasser-Abwehr folgt hohen technischen und operativen Standards.

Der zweite Punkt betrifft die asymmetrische Kriegführung, zu Lande ein sehr probates und gar nicht so modernes Mittel gegen einen materiell und personell überlegenen Gegner. Die Dinge sehen allerdings zur See etwas anders aus. Auf hoher See kann asymmetrische Kriegführung de facto ausgeschlossen werden; in küstennahen Bereichen und in Häfen ist sie selbstverständlich möglich, kann aber nur dann effektiv sein, wenn das Zielobjekt der militärischen Grundforderung des permanenten Selbstschutzes schlecht oder nicht entspricht. Hier wird gerne das Beispiel des Zerstörers U.S.S. Cole angeführt. Ein von Al Qaida reklamierter Angriff eines Schnellboots (Selbstmordattacke) auf den im Hafen von Aden liegenden Zerstörer (12.10.2000) riss ein Loch in die Außenwand, tötete 17 Seeleute und verwundete 39. Die Selbstschutz-Aktivitäten waren - gelinde gesagt - äußerst fragwürdig, da in einem Hafen des Jemen (!) eine Annäherung des Schnellbootes an den Zerstörer ganz einfach nicht verhindert wurde. Die USN hat nach diesem Zwischenfall die Regeln derartiger Aufenthalte für alle Navy-Einheiten geändert.

Es bedarf keiner vergleichenden Auflistung der maritimen Potenziale, um die eindeutige Aussage treffen zu können, dass derzeit und in naher und bis mittlerer Zukunft die USA über einen für keine anderen Staaten, selbst bei Bildung politisch-maritimer Allianzen, einholbaren Vorsprung verfügen.[31]) Und dies auf allen relevanten Ebenen: Struktur, Technologie, C3I, maritimes Know-how, operationelle Erfahrung, Tonnage, Projektionsfähigkeit, permanente Präsenz in den maritimen Schlüsselbereichen.

 

Die chinesische Marine (PLAN)[32])

Im Gegensatz zur den USA hat China mit seinen fast doppelt so großen Landgrenzen (22.117 km und 14.500 km Seegrenzen) und 14 Anrainerstaaten eine weit weniger günstige geopolitische Lage. Und trotz der auch partiell glorreichen maritimen Vergangenheit[33]) hat China erst in den frühen 1980er-Jahren ernsthaft begonnen, sich mit seinen maritimen Gegebenheiten und Erfordernissen auseinanderzusetzen. Die völlig unterschiedliche Ausgangslage zu den USA kann aber erst dann verstanden werden, wenn man die strategische Zielsetzung (Gesamtstrategie!), die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die technologischen Fähigkeiten und erkannte operative Zwänge in Hinblick auf die dazu notwendige Rolle von Marinestreitkräften untersucht. Die Ostchinesische und die Südchinesische See - der natürliche Operationsraum - sind das erste Hauptziel einer mindesterforderlichen maritimen Kraft; die koreanische Halbinsel, Japan, die Gebietsforderungen Chinas in der östlichen See (Senkaku-Inseln) und die in der Südchinesischen See (Spratly-Inseln) sowie die beiden vorgelagerten Inselketten,[34]) die zum Teil amerikanische Marinestützpunkte verbinden, stellen eine große strategische und noch größere operative Herausforderung dar. Die derzeitigen Kapazitäten der PLAN reichen gerade einmal aus, um den Raum bis zur ersten Inselkette einigermaßen operativ nutzen zu können. Die chinesische militärische Führung ist sich dieser Schwäche wohl bewusst, und es kann durchaus angenommen werden, dass dies auch auf die politische Führung zutrifft; chinesische Strategen definieren die beiden Inselketten als […] die erste und die zweite Verteidigungslinie im maritimen Bereich“, wobei die Frage um die Abwehr beziehungsweise das Verhindern eines Eingreifens der USN im Falle Taiwan im Vordergrund steht.

 

Dazu kommt als Folge des hohen Rohstoffbedarfs (Öl, Kohle) der Wunsch nach Kontrolle und Schutz der Seewege aus Nah-Mittelost und beiden Küstenbereichen Afrikas mit den Meerengen Bab-el-Mandeb, Straßen von Hormus und Malakka. Diese Aufgabe kann ohne maritime Projektionsfähigkeit, die wiederum zwingend Flugzeugträger-Kampfgruppen voraussetzt, nicht oder nur höchst unzureichend erfüllt werden: eine nicht akzeptable Situation für eine in Asien und auch weltweit hegemoniale Ziele anstrebende Macht.

Derzeit verfügt die PLAN über etwa 70 große Schiffe: 27 Zerstörer, 48 Fregatten, 60 U-Boote, 55 mittlere und 160 kleine Landungsboote (Taiwan!), Grundkapazitäten im Bereich Minenlegung/Räumung und Küstenschutzeinheiten, die entsprechende Marinelogistik und Marineinfanterie. Sie nimmt damit nominell mit ca. 800.000 Tonnen den weltweit dritten Rang ein. Große Anstrengungen werden bei den Zerstörern (man strebt eine Aegis-ähnliche Fähigkeit an, ohne derzeit darüber zu verfügen), den U-Booten (Jagd und strategische Boote/SSBN[35])) sowie Marschflugkörpern und ballistischen Interkontinentalraketen (ICBM)[36]) unternommen.

Die PLAN hat derzeit drei Einsatzflotten: die Nord-, Ost- und die Südflotte. Die Nordflotte hat als operativen Einsatzraum das Territorium bis zur ersten Inselkette, das Gelbe Meer mit der Korea-Straße. Die Ostflotte operiert im südlichen Gelben Meer und im Chinesischen Meer/Ostteil mit dem Brennpunkt Taiwan und den Zugängen von der zweiten über die erste Inselkette der US-Navy. Da dies einen wichtigen Hauptaus- bzw. Zugang an der chinesischen Pazifikküste sowie Taiwan betrifft, liegt hier eines der PLAN-Schwergewichte, v.a. in taktisch-operativer wie ausrüstungsmäßiger Hinsicht. Den regional-strategisch bedeutendsten Operationsbereich hat die Südflotte abzudecken: das Chinesische Meer/Südteil mit den zusammenführenden Eingängen der bedeutenden SLOC und deren Weiterführung zu den großen Hafenanlagen der Pazifikküste Chinas. Dementsprechend ist die Südflotte ein weiteres Schwergewicht der PLAN, mit der Zuordnung der modernsten Einheiten; besonders die Südflotte mit ihren weitreichenden operativen Aufgaben - im Endeffekt bis in den Indischen Ozean hinein - wäre zunächst primär auf langfristige und landgestützte Projektionsfähigkeit (Stützpunkte) angewiesen, kann aber den operativen Auftrag, der bekanntermaßen ohne CSG-Kapazität kaum durchführbar ist, nicht erfüllen.

Ihre größten Schwächen hat die PLAN in folgenden Bereichen:

- C3, insbesondere im Bereich Kommunikation,

- Abwehr von Marschflugkörpern,

- eingeschränkte U-Boot und Flugabwehr,

- eingeschränkte Aegis-Kapazität,

- kein einsatzbereiter Träger,[37]) keine CSG,

- Quantität vor Qualität - Material und Ausbildungsstand/Einsatzerfahrung.

China unternimmt allergrößte Anstrengungen, die PLAN zu einem schlagkräftigeren Instrument zu formen. Die Entscheidung zwischen Eigenentwicklung und Einkauf von Rüstungsgerät ist für eine angehende Großmacht eine schwierige. Besonders Russland und Frankreich bemühen sich sehr um den Verkauf zum Teil hochmoderner Rüstungsgeräte an die Volksrepublik China. Die Probleme liegen dabei wie im Bereich der Wirtschaft auf der Hand: Schutz vor Plagiaten, Aufrüsten eines möglicherweise potenziellen Gegners …

Wie kann nun China versuchen - zumindest ansatzweise - die nun klar sichtbaren Schwächen in allen militärisch-maritimen Bereichen gegenüber den USA wettzumachen?

- Rüstung und Aufbau einer eigenen Hochseemarine.[38])

- Temporäre punktuelle Kooperationen bis hin zu möglichen dauerhaften und umfassenderen Allianzen mit Anrainerstaaten der wichtigsten SLOC: Myanmar, Bangladesch, Sri Lanka, Pakistan; diese Politik wird auch „string of pearls“ genannt und stellt Landstützpunkte im operativen Nahbereich von See-Engen (Marine-, Flieger- und Versorgungsstützpunkte) als eine Art „feste“ CSG gegen die voll beweglichen Fähigkeiten der USN.

- Zurückhaltung in der Außenpolitik/Zeitgewinn, v.a. gegenüber den USA.

- Zukauf von Schlüsselelementen, auch um eigene Entwicklungen rascher voranzutreiben.

- Einbindung der PLAN in internationale Einsätze, um an operativer Erfahrung zu gewinnen und das Know-how v.a. westlicher Marinestreitkräfte, hier v.a. das der USN, studieren zu können.

 

Die indische Marine

Der indischen Marine kommt allein aus der geopolitischen Position Indiens große Bedeutung zu. Zwei der wichtigsten Meerengen der Welt, nämlich Hormus und Malakka, liegen im Operationsradius Indiens. Aufgrund der Lage des indischen Subkontinents im nördlichen Zentrum des gleichnamigen Ozeans, der als wichtiger Angelpunkt des Waren- und Rohstofftransports zwischen Asien und Europa/Afrika zu bezeichnen ist, werden der indischen Marine vier Hauptziele vorgegeben:

- Sichern der nationalen maritimen Interessen,

- Abschreckung Pakistans vor einem Konflikt,

- im Kriegsfall [mit Pakistan] diesen zur See überzeugend zu gewinnen,

- die Überwachung der Zu-, Ein- und Ausgänge des Indischen Ozeans.

Die indische Marine ist an ihrer Typenvielfalt, zum Teil modernem, aber in Masse (ur)altem Gerät zu erkennen; wie China unternimmt Indien große Anstrengungen, um zumindest partiell Projektionsfähigkeit, deutlich auf den Indischen Ozean und die oben definierten Aufgaben zugeschnitten, herzustellen. Der derzeit einzige indische Flugzeugträger, die INS-Viraat,[39]) soll durch einen Zukauf in Russland (die vormalige „Admiral Gorschkow“ wurde 2004 erworben) und zwei neue mittlere Träger, deren Indienststellung für 2012 bzw. 2017 geplant ist, ersetzt werden. Im Gegensatz zu China und v.a. den USA hat Indien keine oder nur höchst geringe globale Ambitionen und ist daher strategisch-operativ primär auf den Indischen Ozean konzentriert.

 

Japan, Russland

Diese Staaten unterhalten beachtenswerte Marinekapazitäten, wobei Japan im Verteidigungsbereich engster Partner der USA ist. Ein Umstand, der aus chinesischer Sicht die Problematik der eigenen Schwäche noch erhöht, und das im ureigenen Operationsraum. Die Japanischen Selbstverteidigungskräfte (JSDF) sollen der Verfassung nach die Seewege sichern und das japanische Territorium schützen. Die enge Verflechtung mit den USA - wegen der Nähe zur Straße von Korea ist unter PACOM in Japan ständig ein zusätzlicher CVN stationiert - macht diese Aufgaben für Japan unter der Nutzung amerikanischer blue-water capabilities wesentlich einfacher. So kann die kleine, aber hochmodern ausgerüstete JMSDF[40]) im Raum bis in den Süden des Chinesischen Nordmeeres wichtige Aufgaben im Bereich der U-Boot- und Luftabwehr übernehmen. Die elf Lenkwaffenzerstörer der DDG-Klasse (alle mit Aegis-Kapazität), 31 DD-Zerstörer, fünf Hubschrauber-Begleitzerstörer und acht kleine Zerstörer bilden auf diesem Gebiet eine äußerst starke Kapazität. Sollte Japan - einige Zeichen deuten darauf hin - in Zukunft mehr Verteidigungsaufgaben übernehmen wollen oder müssen, können diese Kräfte das Rückgrat einer oder mehrerer CSGs bilden. Hier ist man China rüstungstechnisch um Einiges voraus.

Die russische Marine hingegen spiegelt seit jeher das Schicksal der Marine einer Landmacht wider, die auch - notgedrungen oder gewollt - maritime Fähigkeiten unterhalten muss. Es scheint wieder angebracht, hier kurz auf den Japanisch-Russischen Krieg von 1904/05 einzugehen. Nicht nur, dass erstmals eine (damalige) „europäische“ Großmacht von einer aufstrebenden asiatischen Macht vernichtend geschlagen wurde - zur See und auf dem Land; Japan war es damals in einer kurzen Periode gelungen, nicht nur eine hervorragende Hochseemarine auf Kiel zu legen, rasch fertigzustellen, auszurüsten und zu bewaffnen, sondern v.a. die Disziplin und Ordnung des japanischen Kriegskodex bushido nahtlos auf diese neue, moderne Marine zu übertragen. Und das gegenüber einem Gegner, der nicht zu unterschätzen war - aufopfernder, als die russische Marine in Tshushima gekämpft hat, kann man sich nicht schlagen. Letztlich waren für dieses Fiasko aus russischer Sicht andere Gründe, die hier nicht zu untersuchen sind, verantwortlich. Und weder haben sich Russland, danach die Sowjetunion und nun wiederum Russland von diesem Schlag gegen ihre maritimen Fähigkeiten jemals erholt.

Wiewohl die heutige russische Marine, auf die von Admiral Gortschkow in den späten 1960er-Jahren gebildeten Skelette einer Hochseemarine zurückgehend, nach wie vor nominell die zweitstärkste weltweit ist, hat sie außer bei den strategischen und Jagd-U-Booten keinerlei Projektionssubstanz; keine CSGs, schwierigste Zugänge zu den Weltmeeren, kaum globale Stützpunkte. So setzt man primär auf Abschreckung, stark atomar geprägt. Wohl hat die russische Regierung 2006 ein Flottenmodernisierungsprogramm beschlossen, mit dem sechs(!) Flugzeugträger/Kampfgruppen geplant werden - Baubeginn 2015, 20 Jahre Bauzeit, für die beiden Hauptflotten (Nordflotte und Pazifikflotte) stünden dann je drei CVNs zur Verfügung, wobei folgender Einsatzzyklus geplant ist: ein Träger im Einsatz, einer einsatzbereit (Reserve) und der dritte im Wartungs-, Rüstungs- oder Schulungszyklus. Dazu kommt, dass es bei den für eine CSG unerlässlichen Begleitschiffen (Zerstörer/Kreuzer etc.: siehe die US-Struktur einer CSG) um keinen Deut besser aussieht; gerade um die 12-14 Zerstörer und ein Raketenkreuzer können als „einsatzfähig“ bezeichnet werden, und bei den Zerstörern ist einzig die RFS „Admiral Tschabanenko“ in etwa der amerikanischen Arleigh Burke-Klasse an Kampfwert ähnlich. Viel besser stellt sich die Lage bei der U-Boot-Waffe dar, dies ist jedoch auf die so notwendige Frage der Projektionsfähigkeit keine Antwort. Bleibt einfach die Feststellung, dass Tonnage alleine weder Einsatzfähigkeit noch ein schlüssiges, an den Interessen ausgerichtetes strategisches Konzept mit vernünftigen taktisch-operativen Ansätzen, ergänzt durch moderne, vernetzte elektronische Führungssysteme (C3I) und ein Kampfleitsystem, ähnlich dem Aegis-System der USN, wettmachen kann. Eingedenk dieser Tatsache und der russischen Interessenlage/Krisenherde hat sich also an der Schwierigkeit, auch nur eine einigermaßen glaubhafte, einer Großmacht entsprechende maritime Präsenz unter Beweis zu stellen, nicht viel geändert; eventuell eine neue Beurteilung ab 2035.

Der indo-pazifische Raum: das „theater“

Das Mittelmeer war bis in das späte 16./17. Jahrhundert der zentrale global-maritime Raum, abgelöst durch den Atlantik, der wiederum, ab dem zu Ende gehenden 20. Jahrhundert, vom Pazifik abgelöst wurde. Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung im asiatischen Raum diesen Wechsel durchaus rechtfertigt und diesem Umstand realpolitisch Rechnung getragen werden muss, ist ebenso die ständig zunehmende sicherheitspolitische und geostrategische Bedeutung des Indischen Ozeans sehr ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen. Gerade maritim-strategische Überlegungen sollen, ja müssen die enge Verbindung des Indischen Ozeans mit dem östlichen Pazifik mit den Optionen rascher Kräfteverschiebungen zu Krisenherden und zur Sicherung der Seewege vermehrt einkalkulieren und sowohl operativ als auch logistisch durchführbar machen. Dies betrifft vorrangig die USN deshalb, weil sie als einzige zu derartigen Verschiebungen operativer Kräfte in der geforderten Form und Schnelligkeit in der Lage ist. Während Indien lokal eine gewisse Stärke darstellt, ist besonders China von dieser Entwicklung negativ betroffen - Allianzen mit Landmächten, die „fixen“ Flugzeugträger der string of pearls, lassen sich weder rasch noch überhaupt Lageänderungen, Tausende von Seemeilen entfernt und schnell ändernd, anpassen.

Für die USA stellen sich aus dieser Entwicklung ebenfalls unangenehme Fragen: Da ist zunächst der militärische Grundsatz der Einheit der Führung - PACOM und CENTCOM sind die betroffenen UCCs in dieser Großregion, getrennt durch die Straße von Malakka; das Verschieben von CSGs durch diese Meerenge ist eine Schlüsselfrage für rasche Reaktionen beiderseits dieser Pforte, deren Nähe zu den chinesischen fixen „Flugzeugträgern“ eine unangenehme Nebeneigenschaft. Und selbst die USA mit ihrem Potenzial an CSGs haben sehr wohl Kräfteökonomie höchst bewusst im Auge zu behalten, ist doch ihr theater nicht ein „Hausmeer“ wie der Indische Ozean für Indien oder das Südchinesische Meer bis zur ersten Inselkette für China, es sind dies vielmehr der Atlantik, das Mittelmeer, der Pazifik und der Indische Ozean. „Wer alles tun will, tut nichts.“ Diese alte Weisheit macht den strategischen und v.a. auch den operativen Planern des Pentagons mit Sicherheit einiges Kopfzerbrechen. Nun muss man natürlich andererseits auch festhalten, dass die Inder, Chinesen, Russen und alle anderen Mächte zweiter Ordnung mit lokalen oder gar globalen Ambitionen froh wären, hätten sie die Sorgen der amerikanischen Planer.

Eine (der möglichen) Antworten auf dieses Dilemma stellt eine neue politische Theorie in den USA dar: die „big sandbox theory“. Es geht kurz dargestellt darum, die eigenen Fähigkeiten der Projektion ökonomisch einzusetzen und andererseits von Direktinterventionen wenn irgend möglich wegzukommen; hat sich nun doch, man könnte sagen spät, aber immerhin, die Empfehlung von General Douglas McArthur[41]) (aus den späten 1950er-Jahren), die USA mögen in Asien tunlichst keine Landkriege führen, die aus logistischen Gründen nicht zu gewinnen sind, durchgesetzt. Und da man eben als einzige Großmacht über eine reale Projektionsfähigkeit verfügt, kann man der „sandbox theory“ zufolge, die Eingänge zu einer (jedweder …) „sandbox“ überwachen, beziehungsweise diese im Notfall sperren; das ist für die USN im entsprechenden Anlassfall durchaus möglich, wenngleich nicht immer einfach.

 

Schlussfolgerungen

Die Darlegung der realen maritimen Instrumente sowie die höchst unterschiedlichen maritim-strategischen Ziele als Teile der jeweils nationalen Gesamtstrategie Chinamerikas erlauben uns nun entsprechende Schlüsse für die gesamte oder jeweilige Position der beiden Partner/Kontrahenten. Folgt man der Chinamerika-Option von Ferguson, von der er sogar selbst wieder abzurücken scheint,[42]) dann könnte man, einem idealistischen Ansatz folgend, schlussfolgern:

- Die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit kann, auch unter den neuen politischen Führungen (Obama II, Xi-Jinping), zu einer weiteren politischen Annäherung führen.

- Die bestehende maritime Überlegenheit der USN anerkennend, auch die Tatsache, dass diese durch die Sicherung der globalen Seewege und Meerengen durchaus auch chinesischen Interessen nützt, könnte sich China wirtschaftlich und politisch einen auf absehbare Zeit nicht gewinnbaren, teuren Rüstungswettlauf ersparen.

- Die USA müssen im nächsten Jahrzehnt massive Einsparungen bei der Rüstung und im gesamten Militärbereich vornehmen. Das Verhindern eines Rüstungswettlaufs mit China, wie ihn die USA zur Zeit des Kalten Krieges mit der UdSSR geführt und gewonnen haben, wird zur Priorität der nächsten beiden Präsidentschaften.

- Die USA akzeptieren aus diesen Gründen eine neuerliche Bipolarität im Weltordnungsmodell; China konzentriert sich auf eine (sub-)regionale Hegemonie in Asien und kann sich verstärkt der Lösung der inneren Widersprüche und Probleme bei der weiteren Demokratisierung und Verbesserung der sozialen Lage widmen.

Wäre jedoch - und für diese These sprechen einfach mehr Indikatoren - die Chinamerika-Option als Element der Entwicklung der internationalen Politik äußerst unwahrscheinlich, dann müsste eine Beurteilung der Fragestellung nach dem strategischen Dilemma eher mit folgenden Kernaussagen beantwortet werden:

- Die absolute militärische Dominanz auf dem globalen theater wird von den USA aufrechterhalten (werden müssen); die Parameter maritimer Dominanz (nach Mahan - offensiv) werden beibehalten, die Navy weiter modernisiert und derart ausgebaut, dass diese Position auf die mittelbar vorhersehbare Zukunft hin abgesichert wird - auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen.

- China hält an seinem Anspruch fest, eine starke globale Rolle, zunächst über den Weg als asiatischer Hegemon, zu erreichen; die dazu notwendigen militärischen Mittel, v.a. die Entwicklung von Projektionsfähigkeit, sind bereitzustellen - um jeden Preis; in einer ersten Phase wird dies eher über einen kurzfristigen Ansatz nach Corbett (massiv über den Landweg, weil rascher realisier- und zumindest partiell nutzbar) erfolgen, mittel- bis langfristig führt an einer Ausweitung nach Mahan (echte Projektionsfähigkeit) kein Weg vorbei.

- Derartige nationale Ansätze könnten zu einer neuen bipolaren Weltordnung nach dem Muster der Zeitspanne von 1945 bis 1989/90 führen, allerdings haben sich gegenüber dieser Zeit die Rahmenbedingungen - Position, Stärke (wirtschaftlich und militärisch) und regionale Ziele der „Vasallen“ - fundamental geändert; daraus könnte eine „duale“ Multipolarität mit zwei hegemonartigen Großmächten (China, USA) entstehen, ergänzt durch eine Anzahl regionaler Herausforderer: Russland, Türkei, Iran, Indonesien, Brasilien, Indien, Japan… - bedauerlicherweise kann man, dem derzeitigen und absehbaren Zustand der EU nach, diese derzeit hier nicht nennen.

Die zu erwartenden Bedingungen spielen bei derartigen Analysen natürlich auch eine wichtige Rolle. Eine interessante Überlegung lautet nun: Wäre eine indisch-amerikanische Allianz auf maritimer Ebene möglich? Wiewohl die seit Jahren (unter der Regierung G. W. Bush geschlossene) bestehende Zusammenarbeit auf dem Sektor der friedlichen Nutzung der Kernenergie Anlass zu diesbezüglichen Überlegungen gab, hat sich diese Zusammenarbeit bisher nicht in diese Richtung weiterentwickelt. Dennoch würde sie - klar gegen die Ambitionen Chinas im Indischen Ozean gerichtet - das derzeitige Ungleichgewicht zwischen China und den USA weiter zu ungunsten Chinas verändern.

Beide Partner/Kontrahenten haben also ihre strategischen Ausrichtungen im Rahmen ihrer Gesamtstrategien definiert. Maritim gesehen sind die USA de facto unerreichbar, auf mindestens eine Dekade gesehen. Der amerikanische Politologe des US-think-tank Stratfor, G. Friedman, hat in seiner Definition der sicherheits-strategischen Ziele der USA fünf Punkte vorgegeben:

1. „Volle Dominanz Nordamerikas (geografisch) durch die US-Army.

2. Ausschließen jedweder Gefährdung der USA durch jedwede Macht der westlichen Hemisphäre.

3. Absolute Kontrolle der maritimen Zugänge zu den USA durch die USN (Invasionsausschluss im Annäherungsansatz).

4. Völlige Dominanz der Ozeane, um die physische Sicherheit der USA und die Kontrolle des internationalen Handels zu garantieren.

5. Alle anderen Nationen von der Herausforderung der maritimen Stärke der USN abhalten.“ [43])

China hingegen hat seine strategischen Ziele nicht in der offenen Form der USA veröffentlicht: […]for Bejing never published its official Maritime Strategy. China only explains its military maritime intention in its serial National Defense White Papers which the naval parts usually consisted of one or two pages […] (Hailin, 2008).[44]) Naturgemäß beobachten sich die beiden Partner/Kontrahenten sehr genau; es ist daher auch interessant, wie die chinesische maritime Situation seitens der USN analysiert und öffentlich dargestellt wird. Dabei werden meist bis zu drei unterschiedliche Blickwinkel benutzt: Von hohen US-Militärs wird die chinesische „Hochrüstung“ - v.a. die maritime - als Argument für verstärkte eigene Anstrengungen und Budgetmittel eher überzeichnet dargestellt; Politiker und Diplomaten neigen mehr zu rationellen Ansätzen, Politikwissenschaftler je nach dem Wissensstand über militärische Gegebenheiten eher ausweichend-neutral. Die Joint Chiefs of Staff (JCS), der oberste amerikanische Generalstab, machen mit der chinesischen Rüstung Druck auf die Politik; Marineanalytiker zeigen hingegen oft zu Recht taktisch operative Schwächen der USN auf und vertreten die Ansicht, dass die PLAN, bedingt durch die neue Orientierung im Aufbau, einen gewissen Vorteil habe. Als Beispiel sei Lieutenant-Commander Amerling-Bray (USN) zitiert: „When it comes to evaluating China […] either it’s a 10-foot giant or has no marginal capability. Lost in this discussion are the broader implications of China’s military modernization: the links between technological advancements oft he 21st century and the resultant changes to the conduct of warfare.“ Der Titel seines Essays „Is China Bypassing Our Maginot Line?“ ist schon ein deutlicher Hinweis auf seine Befürchtungen. Und da ist natürlich auch das wohl historische, aber ernst zu nehmende Beispiel Japans zwischen ca. 1870 und 1905.

Dennoch bleibt eingedenk aller Möglichkeiten die derzeitige und absehbare Stärke und technologische Überlegenheit der USN ein Faktum. Die Idee Chinamerika ist ein idealistischer Wunsch. Die einzige globale Macht, die über Projektionsfähigkeit verfügt, sind die USA. Ebenso Projektionsfähigkeit aufzubauen, liegt in Chinas konsequenter Verfolgung des Ziels, auch eine maritime globale Position zu erreichen. Das reflektiert die Realität.

 


ANMERKUNGEN:
[1]) Im Englischen (und Französischen) wird ein Raum, besonders ein Einsatz- oder Interessensraum größerer Ordnung, als theater/théâtre bezeichnet.

[2]) Kenneth N. Waltz, * 8.6.1924, Ann Arbor, Michigan; emeritierter Professor für Politikwissenschaft US Berkeley, gilt als der „Vater“ des Neorealismus.

[3]) John J. Mearsheimer, * 1947, New York, o. Prof. University of Chicago; bedeutendster Vertreter des offensiven Realismus.

[4]) Robert Kagan, * 26.9.1958, Athen/US-Bürger; Master in Politikwissenschaft in Harvard; Politikberater und Autor, Redner.

[5]) Alfred T. Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783, London 1982, Sampson Low, Marston & Company, Ltd.

[6]) 3CI/3C+I: command-communication-control, intelligence.

[7]) SLOC: sea lines of communication.

[8]) Samuel Huntington: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, Europa Verlag GMBH, München-Wien 1996.

[9]) Barry Posen, * 13.6.1952, Professor für Political Science beim MIT.

[10]) Barry R. Posen: Command oft the Commons - The Military Foundation of US-Hegemony, International Security, Vol. 28, No. 1/Summer 2003, pp. 5-46.

[11]) John J. Mearsheimer: The Tragedy of Great Power Politics, The Offshore Balancers, W. W. Norton & Company, New York 2001. offshore balancing ist ein strategisches Konzept des Realismus im Bereich Internationale Beziehungen. Eine Großmacht bedient sich regionaler Mächte, um eine eventuell aufsteigende Gegenmacht zu kontrollieren. Klassische Beispiele von offshore balancing waren der lend-lease act für Großbritannien (Februar 1941) oder die Unterstützung des Irak im Krieg gegen den Iran (1980-88). In beiden Fällen sollte eine gegen die Interessen der USA gerichtete regionale Dominanz (Deutsches Reich, Iran) verhindert werden.

[12]) Der Begriff „Chinamerika“ wurde vom britischen Historiker Niall Ferguson (Professor für Geschichte, Harvard, Stanford), * 18.4.1964, Glasgow, geschaffen, um die gegenseitige (v.a. wirtschaftliche) Abhängigkeit plakativ darzustellen.

[13]) USN: US-Navy.

[14]) fleet-hub: Flottenstationierungszentrum, aber verschiedene Versorgungs- bzw. Ausbildungsbasen und Stützpunkte.

[15]) China hält derzeit rund 1.700 Milliarden amerikanische bonds in seinem Portfolio.

[16]) 1 barrel (bbl) ist ein angloamerikanisches Raummaß für Rohöl. 1 bbl (britisch, Imp.) = 159,1132 Liter, 1 bbl (US) = 158,9873 Liter.

[17]) SIPRI: Stockholm International Peace Research Institute; spezialisiert auf das Erheben von Rüstungsausgaben, spezielle Datenbank, öffentlich zugänglich. Link: http://www.sipri.org/. Militärbudgets USA und China, 2011, in % des BIP 2010: USA: 689,6 Mrd. $, 4,8% BIP; China: [129,3] Mrd. $, 2,1% BIP.

[18]) Theodore Roosevelt Jr., * 27.10.1858, gest. 6.1.1919, amerikanischer Politiker, zunächst Vizepräsident, dann 42. Präsident (14.1.1901), entscheidende Rolle beim Aufbau der US-Navy.

[19]) CVN: carrier vessel nuclear.

[20]) SSN: ship submersible nuclear.

[21]) UCC: 6 Combattant Commands: PACOM (Pazifik), EUCOM, CENTCOM, AFRICOM, NORTHCOM und SOUTHCOM. Die höchsten operativen US-Kommanden.

[22]) Das Aegis-System steuert die gesamte elektronische Erkennung und Gefechtsführung des Verbandes durch hochmoderne Radar- und Computertechnik (phase array radars).

[23]) CAW: ein CAW ist ein Geschwader trägergestützter Kampf- und Aufklärungsflugzeuge der USN. Üblicherweise vier Angriffsstaffeln, eine U-Boot-Jagdstaffel, zwei Frühwarnstaffeln und eine Anti-U-Boot-Hubschrauberstaffel. Ein Geschwader entspricht bei Landstreitkräften etwa einem Regiment und wird von einem Oberst kommandiert. Die Staffel - squadron - entspricht der Kompanie.

[24]) „Following the 26 December 2004 earthquake and tsunami in the Indian Ocean, the U.S. military responded quickly, sending ships, planes, and relief supplies to the region. Coordinated by Joint Task Force 536, established at Utapao, Thailand, the Navy and the Marine Corps shifted assets from the Navy’s Pacific Command within days. The rapid response once again illustrated the flexibility of naval forces when forward deployed.“ US Naval Historical Center. US Naval Historical Center. http://www.history.navy.mil/faqs/faq130-4.htm, 7.11.2009.

[26]) Christian Science Monitor, 27.12.2007/S.2.

[27]) Zu den Kosten eines Flugzeugträgers (alle Zahlen in Mrd. USD): CVN mit 50 Lebensjahren; Bau 4,059; Modernisierung 2,382; direkte Betriebskosten 11,677; Indirekte Betriebskosten 3,205; Außerdienststellung 0,887; Lagerung Atommüll 0,013. Gesamt: 22,222; Durchschnitt/Jahr-Lebensdauer: 0,444.

[28]) Z.B. Leah Amerling-Bray: Is China Bypassing Our Maginot Line?, Naval Institute Proceedings 4/10, April 2010 (www.usni.org); James Kraska: How the United States lost the Naval War of 2015, © Elsevier Ltd on behalf of Foreign Policy Research Institute oder R. B. Watts: The End of Sea Power, Naval Institute Proceedings, September 2009 oder George Friedman: The Next 100 Years, Doubleday, New York 2009.

[29]) 1 Seemeile (SM) = 1,852 km.

[30]) AWACS: Airborne Early Warning and Control System; Rundum-Radar in hochfliegendem Flugzeug zur Früherkennung und Vorwarnung von Flugzeugen.

[31]) Siehe Victor Addison Jr.: The Answer is the Carrier Strike Group … Now, what was the Question? Naval Proceedings Institute II/5, July 2010, p.46-51. (www.usni.org).

[32]) PLAN: Peoples Liberation Army Navy; PRC: Peoples Republic of China.

[33]) Die Flotte von Admiral Zheng He führte in ihren insgesamt sieben Reisen (die erste von 1405-1407) weit über den nahen und ferneren Küstenbereich hinaus, bis zum Persischen Golf und zur afrikanischen Ostküste.

[34]) Die östliche Inselkette - First Island Chain - reicht an der Nordgrenze von den südjapanischen Inseln über die Westküste Taiwans entlang der Ostküste der Philippinen über Brunei bis zur Westküste Vietnams. Die westliche, zweite Inselkette - Second Island Chain - beginnt an der Westküste der japanischen Hauptinsel Honshu und führt über die nördlichen Marianen, Guam und Palau an die Nordküste Indonesiens.

[35]) SSBN: ship submersible ballistic nuclear.

[36]) ICBM: intercontinental ballistic missile; heute allgemein seegestützt (U-Boote). China hat am 16.8.2012 eine ICBM (JL-2) mit MIRV-Fähigkeit getestet. MIRV bedeutet multi independently targetable reentry vehicle und bezeichnet die Fähigkeit, mit einer Trägerrakete mehrere (atomare) Sprengköpfe auf unabhängigen Bahnen in verschiedene Ziele zu bringen. Diese Technik wird seitens der westlichen atomar bewaffneten Staaten (USA, Frankreich, Großbritannien) und auch seitens Russlands schon seit längerer Zeit beherrscht.

[37]) „Erste Landung auf dem chinesischen Flugzeugträger. Auf dem chinesischen Flugzeugträger Liaoning (ein ehemaliges Kriegsschiff der ukrainischen Marine, das im September 2012 in Dienst gestellt wurde) hat erstmals eine erfolgreiche Landung eines Kampfflugzeugs stattgefunden, berichtet die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Neues China. Das Flugzeug ist ein in China hergestellter Jagdbomber vom Typ J-15, für Mehrfacheinsatzarten geeignet und soll der russischen SU-33 und der amerikanischen F-18 vergleichbar sein.“ Le Monde/Reuters, 27.11.2012.

[38]) blue-water navy: der Begriff bezeichnet eine maritime Kraft die in der Lage ist, auf der hohen See der Ozeane zu operieren. Die enge Definition mag variieren, die grundlegende Fähigkeit zur Kontrolle von Seewegen (aller/vieler, gleichzeitig) ist unbestrittene Voraussetzung.

[39]) Es handelt sich um die ehemalige RNS-Hermes, einen Träger der britischen Hermes-Klasse (Kiellegung 1949!); einen kleinen Träger mit 23.000 Tonnen, der keinerlei modernen Anforderungen entspricht.

[40]) JMSDF: japan maritime self defense force.

[41]) Douglas MacArthur, * 26.1.1880, gest. 5.4.1964, US-Brigadegeneral im Ersten Weltkrieg, General of the Army (Feldmarschall) im Zweiten Weltkrieg, wo er mit US-Admiral Nimitz im pazifischen Raum den Oberbefehl hatte. Oberbefehlshaber über die amerikanischen Truppen in Japan nach der Kapitulation; Befehlshaber der UNO-Truppen im Koreakrieg. Meistdekorierter US-Soldat der Geschichte der amerikanischen Streitkräfte.

[43]) G. Friedman, 2009.

[44]) Ye Hailin: China and South Asian Relations in a New Perspective, 2008; http://ebookbrowse.com/iaps-hailin-2008-pdf-d296845951.