„Denken in Szenarien" als Methode innovativer strategischer Planung (Teil 1)

Bernhard Richter

 

Das internationale System ist geprägt durch steigende Multipolarität und somit durch eine Vermehrung relevanter Akteure, eine steigende Bedeutung nicht staatlicher Akteure (auch Gewaltakteure), eine steigende Vernetzung der Gesellschaften, Volkswirtschaften, Wertesysteme etc. Darüber liegt, sozusagen als Metatrend, die Globalisierung, die mit ihrer ungeheuren Kraft alle Lebensbereiche erfasste und zu einer starken Veränderungsdynamik des internationalen Systems beiträgt. Aufgrund dieser zunehmenden Ungewissheit, Komplexität und Dynamik der Umfelder und Rahmenbedingungen erscheint an dieser Stelle die Erkenntnis, dass es die Zukunft nicht geben kann, sondern in alternativen „Zukünften“ (den so genannten Szenarien) gedacht werden sollte, zweckmäßiger. Dieses Denken in Szenarien resultiert aus der Erkenntnis, dass zukünftige Entwicklungen nicht auf Basis einer Prognose aus der Fortschreibung von Zahlen oder impliziten Vorstellungen über die Zukunft ermittelt werden können. Das Ziel dieses Aufsatzes ist die Darstellung:

1. Was wird unter dem Begriff Szenarien verstanden, und welche unterschiedlichen Szenarien gibt es.

2. Wie können Szenarien gewinnbringend in den Prozess des strategischen Managements verwendet werden und welchen Mehrwert bringen diese?

3. Praktische Anwendungsbeispiele, des in diesem Aufsatz vorgestellten Prozessmodells des strategischen Managements aus dem Bereich des österreichischen Bundesheeres und der niederländischen Streitkräfte.

Dabei erhebt diese Methode strategischen Managements keinesfalls den Anspruch „das Rad völlig neu zu erfinden“, sondern baut auf einem bewährten (generischen) Prozess strategischen Managements auf bzw. erweitert diesen. Die Entscheidung für eine strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung der eigenen Organisation basiert somit (meist) nicht auf einer möglichen Zukunftsentwicklung sondern auf mehreren.

Zudem kann das hier vorgestellte Prozessmodell nahezu unterschiedslos in der Wirtschaft und in sicherheits- und verteidigungspolitischen Strategieentwicklungsprozessen angewandt werden.

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft zu wissen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ (Perikles)