Herbert Sailer

 

Der umfassende Ansatz (Comprehensive Approach, CA) als holistischer Zugang zur Krisenbewältigung beziehungsweise Risikovermeidung hat zunehmend an Bedeutung gewonnen, trotzdem fehlt weitgehend ein gemeinsames Begriffsverständnis. Die Europäische Union (EU) nutzt ihre Möglichkeiten in der Krisenregion des Horns von Afrika um koordiniert die unterschiedlichen Instrumentarien der Krisenbewältigung im Sinne eines CA zur Geltung zu bringen. In weiterer Folge werden diese Instrumentarien der EU am Beispiel des Engagements am Horn von Afrika kurz dargestellt. Nachdem eine einheitliche Definition zum CA nicht existiert und mitunter die verschiedenen Institutionen mit dem Begriff etwas anderes verbinden, wird mit der nachstehenden Tabelle die Breite und damit auch Unterschiedlichkeit der Sichtweisen dargestellt. Der CA stellt somit eher eine Ideologie, im Sinne einer für die jeweilige Institution zutreffenden Idee beziehungsweise Vorstellung, dar, als eine konkrete Methode. Die Sichtweise der NATO in diesem Zusammenhang ist eine sehr enge, die lediglich eine Interaktion des Militärs mit anderen zivilen Akteuren fördert und fordert. Die Betrachtungsweise der EU ist eine wesentlich breitere. Neben der Integration des Militärs rückt hier insbesondere eine engere Verschränkung der zivilen Instrumente des Krisenmanagements in den Vordergrund, hier ist die koordinierte Zusammenarbeit der Europäischen Kommission (EK) mit dem Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) zu nennen. Somit kommt zur zivil-militärischen Komponente auch die zivil-zivile hinzu. Diese unterschiedlichen Ansätze basieren alle auf einer gemeinsamen Erkenntnis, dass nämlich durch eine isolierte Vorgehensweise den aktuellen und künftigen Herausforderungen in der Sicherheitspolitik nicht mehr begegnet werden kann und der Aspekt der „vernetzten Sicherheit“ zunehmend an Bedeutung gewinnt. In diesem Zusammenhang kann auch der so genannte „3D Ansatz“ (diplomacy, development, defence) genannt werden. Die EU stellt eine einzigartige Institution dar, welche aufgrund ihrer vorhandenen Kapazitäten in der Lage ist, diplomatische, militärische, humanitäre und wirtschaftliche Instrumente wirksam zum Einsatz zu bringen. Trotz dieser Möglichkeiten ist der Ansatz der EU in einen noch weiter gefassten Ansatz von Maßnahmen von Einzelstaaten und anderen internationalen Akteuren einzubinden. Für das Militär als Teil der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP), bedeutet dies letztendlich die Chancen des CA zu nutzen, gerade weil isolierte militärische Ansätze nicht (mehr) zum Erfolgt führen. Auf Brüsseler Ebene erscheint es „militärisch“ entscheidend, sich durch aktive Artikulation etwaiger möglicher militärischer Beiträge in diesem Konzert der Instrumente für die jeweilige Situation rechtzeitig in den Prozess der Entscheidungsfindung einzubringen (hier liegt das Schwergewicht) und nach erfolgter Entscheidung, die Einbettung der militärischen Beitragsleistung in den CA sicherzustellen.