„Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Schöneres gesehen zu haben." Ein neuer Blick auf die Lineartaktik

Eberhard Birk

 

„Ihre Haltung war bewundernswert trotz dem unausgesetzten Feuer, das sie unsererseits auszuhalten hatten; sie formierte sich trotzdem in der schönsten Ordnung (...) Diese ganze, große Front schien wie von einer einzigen Triebkraft bewegt; sie rückte Schritt für Schritt mit überraschender Gleichförmigkeit vor (...) Sobald sie in unserem Gesichtskreis Bewegungen machten, führten sie diese mit solcher Geschwindigkeit und Genauigkeit aus, dass es eine Freude zu sehen war“,1) schrieb ein österreichischer Offizier über die im Rahmen der Lineartaktik agierende preußische Infanterie in der entscheidenden Phase der Schlacht bei Mollwitz am 10. April 1741 - und weiter: „Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Schöneres gesehen zu haben. Sie marschierten mit der größten Contenance und so schnurgleich, als wenn es auf dem Paradeplatz wäre. Das blanke Gewehr machte in der Sonne den schönsten Effekt, und ihr Feuer ging nicht anders als ein stetiges Donnerwetter. Unsere Armee ließ den Mut völlig sinken.“ 2) Dem gegenüber stand die Beschreibung der eigenen Seite: „Unsere mit rasch angeworbenen Rekruten aufgefüllten Infanteriebataillone begannen schon auf 1.000 Schritt auf den Feind zu feuern und hatten sich vor der Zeit ohne Not verschossen, wobei auch bei vielen Füsilieren die hölzernen Ladestöcke zerbrochen waren. Es war bald ein Jammer, diese armen Rekruten zu sehen, wie sich der eine hinter dem anderen versteckte, so zwar, daß die Bataillone bald 30 bis 40 Mann tief standen und die preußische Artillerie zu all dem noch 90 Kanonenschüsse in der Zeit eines Vaterunsers abgab.“

Kaum ein anderes zeitgenössisches Zitat ist vor dem Hintergrund einer Schlachtbeschreibung geeignet, so viele Details über das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis der Lineartaktik im Rahmen absolutistischer Landkriegführung zwischen ästhetischem Wohlgefallen und offenem Ausgesetztsein gegenüber feindlichem Feuer zu verdeutlichen: Grundsätze der Truppenführung, wirtschaftliche Ressourcen und Bewaffnung, geometrische Ordnung und deren Auflösung, Disziplin, Moral und außerweltlicher Beistand. Das wirft auch die grundsätzliche Frage auf, mit welcher Motivation die Soldaten kämpften, deren Erfahrungsräume in Kriegen, Feldzügen und Schlachten von den Faktoren Stress, Furcht, Verwundung und Tod geprägt waren.3) Gerade Letztere, „weiche“ Facetten des frühneuzeitlichen respektive absolutistischen Militärwesens wurden in den letzten zwei Jahrzehnten durch eine kaum mehr überschaubare „Militärgeschichte von unten“,4) getrieben von struktur-, sozial- und kulturgeschichtlichen Forschungsdesigns, geradezu als akademisch-„zivilisierter“ Kontrapunkt zu den davor betriebenen „harten“ Generalstabsstudien ausführlich erforscht.5) Dabei rückte mehr der „Mensch“ als der Befehlen und Ordnungsschemata gehorchende „Soldat“, mehr das „Subjekt“ als das „Objekt“, in den Fokus des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses.6)

Doch die soldatischen sozialen und existenziellen Erfahrungsräume im „Unten“ sind beim Militär in der Regel Ausfluss des Führungs- und Ordnungsanspruches des „Oben“. Daher sahen und beurteilten zeitgenössische Offiziere die für sie wahrnehmbare Phänomenologie der Lineartaktik als ideale militärische Verkörperung einer eingeübten, höchst rationalen Vollendung der Kriegs- respektive Feldherrnkunst. Die Präzision der preußischen Infanterie, die ihre Manöver im Rahmen der Lineartaktik auf dem Schlachtfeld ausführte, löste nicht nur professionelle Bewunderung aus; sie bewirkte auch ein ästhetisches Gefallen,7) das in der Militärgeschichtsschreibung über diese Ära noch ins 20. Jahrhundert nachhallte, wie in der Beschreibung des entscheidenden Durchbruchs in der Schlacht bei Höchstädt am 13. August 1704 deutlich wird: „With trumpets blaring and kettle-drums crashing and standards tossing proudly above the plumage and the steel, the two long lines, perfectly timed from end to end, swung upwards at a trot, that quickened ever as they closed upon the french.“ 8) Diese „Gefechtsfeld- und Schlachtenästhetik“ ist auch der Schilderung des Freikorporals des Regiments Meyerinck zu entnehmen, der seine Eindrücke unmittelbar vor Beginn der Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 wiedergibt:9) „Man kann sich nichts Vortrefflicheres und Regulaires in der Welt vorstellen, als den Anblick von dieser kleinen Anhöhe; voran die ganze Kayserliche Armee, über deren Menge das forschende Auge ermüdet, und hinter uns, die Front gegen den Feind, die gantze preußische Armee in Schlachtordnung. Unsere Armee avancierte mit klingendem Spiele en Parade. Die Ordnung war ebenso vortrefflich als irgend bey einer Parade zu Berlin.“ 10)

Was in diesen Schilderungen wie eine objektive Deskription eines einheitlichen Vorganges dargestellt wird, spiegelt sich in einer Vielzahl von Darstellungen über die rein militärspezifischen Aspekte der Funktionalität der Lineartaktik.11) Die Desertion als Hauptproblem stehender Heere,12) das Fehlen militärischer Führungsmittel für ein verstreutes Gefecht und die Ungenauigkeit des Einzelfeuers ließen demnach letztlich eine andere Organisation und Aufstellung der Soldaten für die Schlacht nicht zu, da derartige Optionen „alle militärischen Anschauungen und Dogmen geradezu auf den Kopf stellten“.13)

 

Problemaufriss

Doch so dominant das konventionell militärtechnisch-funktionale Erklärungs- respektive Deutungsmuster systemimmanenter Zwangsläufigkeit als „Meistererzählung“ auch sein mag - es hält dem historischen Befund nicht in jeder Hinsicht stand. Die Erfahrungen von Heerführern in Schlachten sowie diverse Versuche mit Schießübungen und feststellbaren Ziel- und Treffleistungen ergaben ein vollkommen unerwartetes Ergebnis hinsichtlich der zuvor weit überbewerteten Letalwirkung von abgegebenem Salven- bzw. Pelotonfeuer in den gegnerischen Linien. Zwei Beispiele mögen dies illustrieren: 1755 ließ Friedrich II. Soldaten seiner Leibkompanie auf eine zehn Schritt breite und zehn Fuß hohe Wand feuern - aus 300 Schritt Entfernung trafen zwischen 10% und 13%, aus 200 Yards Entfernung trafen kniend nur 16%, stehend auf 150 Yards nur 6,6%! Vier Jahrzehnte zuvor waren die Treffleistungen noch schlechter. Der spätere französische Maréchal de Saxe inspizierte, nachdem er während der Schlacht bei Belgrad 1717 zwei Bataillone österreichischer Infanterie (je 700 Mann) auf eine Entfernung von nur 30 Schritt auf eine osmanische Truppenformation feuern sah, das Ergebnis - und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass lediglich 32 tote feindliche Soldaten auf dem Boden lagen. Die nicht Getroffenen hieben mit ihren Säbeln die beiden Bataillone entzwei.14)

Selbst in der Schlacht bei Krefeld am 23. Juni 1758 während des Siebenjährigen Krieges stand die Trefferwirkung der Kanonen und Musketen, d.h. die Verlustraten, in schier unglaublichem Verhältnis zur verschossenen Munition. Lediglich 1% hatte ihr „Ziel“ erreicht: „The invention of powder has brought more terrifying, but not more deadly weapons“, so bilanzierte Christian Heinrich von Westphalen die Tatsache, dass die Mehrheit der Toten und Verwundeten den Blankwaffen zum Opfer fiel.15) Viele Militärs wollten dieser Erfahrungen wegen gar auf den weiteren Einsatz von Feuerwaffen verzichten und hoben die schlachtentscheidende Bedeutung des Bajonettangriffes hervor.16) Es stellt sich daher die Frage, weshalb dennoch weiterhin an einer Formation mit normativem Charakter festgehalten wurde, obwohl diese ihre militärische Funktionalität nicht zu jeder Zeit und in jeder Schlacht unter Beweis stellen konnte.

Von der frühneuzeitlichen Forschung wurden daher gewisse Innovationshemmnisse konstatiert, die die militärische Effizienz geradezu verhinderten - wie zum Beispiel die Beibehaltung der Flinte als Hauptbewaffnung der Infanterie gegenüber der mit gezogenem Lauf ausgestatteten Büchse, die mittels des damit ermöglichten gezielten Schusses auf adelige Offiziere die sozial-hierarchisch geordnete (Standes-) Welt bedrohte. Dies führte dazu, „dass in verschiedenen militärischen Bereichen Veränderungen unterblieben, die für den Dienst im Felde sehr sinnvoll und leicht ausführbar gewesen wären. Es hat außerdem den Anschein, als ob diese Unterlassung sehr bewusst geschah und dass dafür gesellschaftliche Phänomene der Zeit verantwortlich waren.“ 17)

Es gilt deshalb, sich der Phänomenologie der Lineartaktik mit einer die gesamte Epoche in Augenschein nehmenden differenzierteren Fragestellung zu nähern. Dabei soll die These belegt werden, dass die Lineartaktik ein ins Felde gesetztes militärisches Herrschaftszeichen politisch-rationaler Staatssymbolik war, das sämtliche zeitgebundenen Ordnungsvorstellungen in einem farbenprächtigen, linear aufgestellten, den wissenschaftlich-zivilisatorischen und sozio-kulturellen Wahrnehmungs- und interpretatorischen Gestaltungsmustern folgenden sowie sämtliche historisch-politischen Rahmenbedingungen integrierenden militärischen Formationskörper widerspiegelte.

 

Fürstliche necessitas und Kriegsbild des Absolutismus

Das Argument fürstlicher necessitas beinhaltet die Sichtbarmachung fürstlicher Prärogative sowie einen fließenden Übergang von Politikvorstellungen, ihrer symbolischen Repräsentation und Visualisierung absolutistischer „politischer Kultur“ mit ihrer Auswirkung auf die Inszenierung militärischer Potenz. Die Signatur des „absolutistischen“ Zeitalters ist - hier idealtypisch verkürzt und aus normativ ordnungs- und „staats“-politischer Perspektive - der im Entstehen begriffene institutionalisierte frühneuzeitliche territoriale Flächenstaat, der bei allen theoretischen und realhistorischen Beschränkungen respektive Alternativen18) die Herstellung, Sicherung, Vertiefung und Erweiterung des inneren und äußeren monarchischen Souveränitätsanspruches zum Inhalt hat.19) Dieser dem Monarchen zur Herrschaftsverdichtung und „Staatsbildung“ dienende Prozess wurde durch das Mitwirken des Adels bei Hofe und in der Verwaltung sowie beim Militär durch ein (dichtes) Netz traditioneller ständischer Klientel- und Patronageförderung möglich.20)

Vor dem Hintergrund einer Epoche, in der sich der entstehende Staat durch die Inkorporation und Institutionalisierung des stehenden Heeres „gewissermaßen zum Zweck der Kriegführung selbst militarisiert“ und erst damit perspektivisch in den Formen zeitgenössischer Ordnungsvorstellungen „dem Militärwesen eine neue Orientierung und einen politischen Gehalt zu geben versucht hat“,21) wurden die Streitkräfte - neben dem Hof - als zweite Machtsäule ästhetisch zum sozialgeometrischen Machtzentrum des Staates nobilitiert. Das Militär war als Schwungrad22) für die Herausbildung des absolutistischen Staates als „Kriegsstaat-Steuerstaat-Machtstaat“23) im Inneren generell das unverzichtbare Instrument monarchischer (Selbst-)Herrlichkeit und gleichzeitig als stehendes Heer Movens frühneuzeitlicher „Kriegsverdichtung“.24)

Die Armee fand ihr beispielgebendes Urbild im neuen Bürokratenstaat und in der Lebenswelt der höfischen Zivilisation.25) Der stark rationale Charakter militärischen Denkens spiegelte die wesentlichen Strukturprinzipien der Epoche - die Übertragung naturwissenschaftlicher Gesetze und an dem more geometrico-Prinzip orientierte Ordnungsvorstellungen auf staatliche und gesellschaftliche Verhältnisse - wider.26) Selbstwahrnehmung, Repräsentation politisch-allegorischer Stilisierung und militärisches Instrumentarium stellten folglich eine wechselseitige symbiotische Beziehung dar.27)

Wie der Hof respektive der Staat niemals seine eigene Existenz, so konnte kein Herrscher und kein Feldherr die Existenz seiner Armee riskieren: Kosten, Organisationsaufwand und ästhetisches Empfinden machten es gleichwohl oftmals unmöglich, die Truppen auch einzusetzen. Die prächtige Zurschaustellung in Manövern und Revuen - oft mehr für die auswärtigen Beobachter als für die Erreichung eines effizienten militärischen Zweckes28) - verhieß nicht nur militärische, sondern eben auch finanzielle und damit auch politische Potenz, selbst wenn sie oftmals von Subsidien abhing.29) Die „Conservation der Armee“ hatte militärischen und politischen Vorrang,30) denn nur durch ein stehendes Heer war die strategische Potenz, Dauer und Konstanz der Monarchie aufrechtzuerhalten.

Absolutistische Staatsräson und Kriegführung war daher immer eine Gratwanderung zwischen militärischer Funktionalität und politischer Kontrolle. Es galt vielmehr, einen das System erhaltenden „mathematischen“ Grenzwert zu ermitteln, bei dem der Krieg aus Nützlichkeitserwägungen nicht mehr sein durfte respektive sollte als - wie es Arnold Toynbee ohne die später hineininterpretierte pejorative Konnotation in seinem berühmten Diktum formulierte - ein „Sport der Könige“.31) Dies kam in dem parallelen Bemühen zum Ausdruck, einerseits „den Einsatz der Truppe (...) effizient zu gestalten“ und andererseits „nach den Werten der fürstlichen Gesellschaft zu handeln“.32)

Das dem Zeitalter des Absolutismus zugrunde liegende Kriegsbild sah deshalb - über die territorial-politischen Grenzen hinweg - diverse Strukturprinzipen einer europäischen militärischen Adelsgesellschaft als allgemein gültig an, die für mehr als ein Jahrhundert die militärische Landkriegführung prägten.33) Die 1726 erschienenen Militärenzyklopädien „Vollkommener Teutscher Soldat“ von Fleming und die „Art de la guerre“ von Quincy34) beschreiben und analysieren Taktik und Schlachtordnung sowie die operativen Bewegungen; dabei geben sie „international konforme, als selbstverständlich geltende Schemata wieder“.35)

Diesen lagen auf militärisch-funktionalem Terrain auch wirtschaftliche und technische Gründe zugrunde: Gezogene Läufe, die eine höhere Schussdistanz und mehr Präzision erlaubt hätten, waren für die Massenproduktion zu teuer und beim Laden zu zeitaufwendig. Die flächendeckende Einführung von nicht exakt treffenden Infanteriefeuerwaffen - die Steinschlossflinten konnten nur bei Massenfeuer auf kurze Distanz effektiv eingesetzt werden - bedingte folglich eine lineare Formation von Feuereinheiten, die geschlossen in die gleiche Richtung schießen, um die Wirkung in den feindlichen Reihen - statistisch betrachtet - zu erhöhen. Dabei galt es, die Soldaten darin zu üben, erst nah am Gegner mit dem Feuern zu beginnen. Diese psychologische Anspannung für die Soldaten erforderte das Einüben stoischer Disziplin.36) Um wiederum eine möglichst große Anzahl an Waffen zum Einsatz kommen zu lassen, war eine flache Aufstellung, d.h. eine möglichst breite Linie der linearen Entfaltung, zu ermöglichen.

Die Effizienzsteigerung durch Zusammenführen der Waffen und das Abwenden gegenseitiger Gefährdung durch unsachgemäßen Gebrauch der Musketen war nur durch Drill zu erreichen. Vor dem Hintergrund des politischen Systems des Absolutismus wurde dabei die Untertanenpflicht militärisch transformiert zur Disziplin und zur Gehorsamspflicht, das Heer somit - im Sinne der Diktion Webers - „zum Mutterschoß der Disziplin überhaupt“.37) In diesem Motiv wird geradezu die ins Militärische und Taktische gewendete preußische Staatsräson fassbar; selbst Friedrich II. verbrachte seine militärische Vorbereitungszeit als Kronprinz, wie er sarkastisch formulierte, an der „Universität Potsdam, der hohen Schule der Drillkunst“.38)

Mit der durch stetige und drillmäßig geübte Handhabung erhöhten Geschwindigkeit39) konnte die Tiefe der Aufstellung zugunsten einer Verbreiterung der Linie verringert werden, was folglich eine breitere Gesamtaufstellung der Infanterieformationen erlaubte, gleichzeitig aber auch die Problematik der Führungsmöglichkeiten durch eine strikte Disziplinierung verdeutlichte. Dies wiederum hatte nicht zuletzt die Gefahr des feindlichen Durchbruchs durch die eigenen Linien, die nun weit weniger tief gestaffelt waren, zur Folge, die ihrerseits wiederum nur durch die Disziplinierung gelöst werden konnte: „Der Hauptgewinn, den die preußische Armee aus ihren Feuerübungen zog, war also der indirekte, analog den exakten Exerzierübungen und dem Parademarsch, nämlich die Disziplinierung, die Eingewöhnung in die Ordnung, die Festigkeit des taktischen Körpers“ 40) - und dessen Gebrauch im Gefecht.

Die Notwendigkeit der exakten Beherrschung und präzisen Umsetzung der Grundformen und Evolutionen der Lineartaktik41) durch die kommandierenden Generale bereits in der Annäherung und im Vorfeld der Aufstellung zur Schlacht lag darin begründet, dass im „Antlitz der Schlacht“42) die zum Teil kilometerlangen Frontbreiten kaum mehr umdisponiert werden konnten. Für den taktischen Einsatz der Truppen im Gefecht gab es für den kommandierenden Feldherrn im Rahmen der Lineartaktik nur zwei Möglichkeiten: Parallelschlacht oder Schiefe/Schräge Schlachtordnung.43)

Schlachten wurden dabei indes nach Möglichkeit nicht deshalb vermieden, „weil sie nicht entscheidend waren, sondern darum, weil die Gefahr bestand, dass sie es waren“.44) Jede Schlacht wurde daher als ein „hohes staatspolitisches Wagnis“45) verstanden - binnen weniger Stunden konnte „ein sehr schönes und großes Heer“46) und damit die militärische und politische Existenz sowie die Koalitions- und Politikfähigkeit respektive Kreditwürdigkeit eines Staates überhaupt ruiniert sein. Ziel war es daher vielmehr, den Gegner im Rahmen einer Manöver- bzw. Ermattungsstrategie gewissermaßen Schachmatt zu setzen.47) Dies gelang meistens dadurch, dass man die Versorgungs- und Verbindungswege der Gegenseite bedrohte,48) was sich auf den operativen Handlungsradius limitierend auswirkte. Die Abstände zu den angelegten Magazinen - das Magazinsystem wurde zum logistischen Konzept der militärischen Landkriegführung - bestimmten nun maßgeblich die „methodischen“ Planungen der Militärs auf strategischer wie taktischer Ebene.49)

 

Der philosophisch-mathematische Aspekt

Neben dem militärisch-funktionalen Aspekt der Lineartaktik kann diese auch unter philosophisch-mathematischer Perspektive betrachtet werden. Sie verdeutlicht, dass das epochentypische „more geometrico“-Prinzip verwirklicht wurde, das nicht nur in den Proportionen der Hof-, Garten- und Festungsbaukunst50) mit ihrer Ästhetik des Maßes, der Symmetrie, Ornamentik und der Proportion seine sozial- und naturdisziplinierende Dimension fand. Selbst die Fugenkompositionen Bachs sowie die Gesamtheit der zeitgenössischen Musiktheorie wurden von ähnlichen Grundüberlegungen der strengen Rationalisierung geprägt, wie auch die anthropologisch-humanmedizinische Forschung den menschlichen Körper zum l’homme machine werden ließ, der eine analoge Übertragung zur armée machine erlaubte.51)

Damit erscheint die Lineartaktik als eine typologisch-artifizielle optisch wahrnehmbare Vollkommenheit eines geometrische Monumentalität und Kühle, aber auch Gravität ausstrahlenden Körpers, der eine militärische Reduktion und Spiegelung der ganzen Harmonie der Welt - harmonia mundi universalis - verkörpert,52) womit diese formale Charakterisierung nicht nur den strengen Regeln und Vorgaben des Rationalismus als philosophischer Grundströmung genügen würde. Nach Leibniz’ Monadenlehre werden so die zentrale Monade des Souveräns respektive Feldherrn und die unzähligen Monaden die zur Linie formierten und ausgerichteten Soldaten. Diese allegorische Metapher entspräche somit auch mit dem Fixstern Monarch und den nachgeordneten, naturgesetzlich verankerten „Wandelsternen“, Himmelskörpern gleichenden militärischen Formationen dem neuen kopernikanischen Weltbild.53)

Auf die einzuhaltenden - „wissenschaftlichen“ - Regeln der Kriegskunst wies Feldmarschall Daun in einer Denkschrift vom 25. Januar 1752 mit seinem berühmten Diktum hin: „Generals und Officiers müssen begreiflich gemacht werden, daß die Kriegskunst kein zunftmäßiges Handwerk, sondern eine weit reichende Wissenschaft seye.“ 54) Ihre Anwendungsregeln entlieh sie dem mathematisch-physikalischen Raum: Mathematische Axiome, Rechtwinkligkeit, Logik der Zahl und die Beweiskraft der Naturgesetze begründen ein logisches Kalkül, den Algorithmus der Berechenbarkeit methodischer Kriegführung. Die mathematischen Kenntnisse ließen deren formale Prinzipien sowie deren Einhaltung zum Arkanum der Kriegskunst werden. Die Überführung mathematischer Begriffe wie der inneren und äußeren Linie, Operationslinie und Operationsbasis55) in den militärischen Sprachgebrauch gaben als konzis definierbare Fixpunkte dem Chaos hierarchische Ordnung und suggerierten eine rational beherrschbare militärische Führungsleistung abseits der sozialen Interaktionen gehorchenden soldatischen Lebenswelt.

Dies hatte auch Auswirkungen auf die regel(ge)rechte exakte Vorausplanung der Feldzüge: „Der geographische Raum, in dem die Heere operierten, glich einem Koordinatensystem aus Versammlungsbasen, Marschetappen und Stellungen, Magazinen, Verbindungslinien und Festungen als Schlüsselpunkten.“ 56) Jeder Zug von militärischen Figuren konnte so vorschriftsmäßig ausgeführt werden. Dabei verzichteten die Militärs nicht auf die Integration geo- und topographischer Optionen in ihr raumplanendes, auf die Hilfestellungen der Kartographie zurückgreifendes Ordnungsschema. Die Barrierebildung als Glacis defensiver Verteidigung zur Verhinderung respektive Förderung operativer oder taktischer Bewegungsfreiheit für Feldzug oder Schlacht wurden so Fixpunkte bei der militärischen Disposition.57)

Auf naturwissenschaftlichen Axiomen basierend konnte so jede militärische Handlung als Reaktion auf eine vorausberechenbare und berechnete Aktion verstanden werden; mechanischer Hebeldruck folgt auf mechanischen Hebeldruck, womit der Funktionsnachweis der militärischen Apparatur erbracht wäre. Das Heer erscheint so als eine große Kriegsmaschine, die die Soldaten marionettengleich auf dem Schachbrett der Manöverstrategie hin und her bewegt. Formaldienst, Drill und Stechschritt für gemeinsames Marschieren erscheinen als formalisierte Choreographie des Tanzes mit puppengleichen Truppen, deren taktische Evaluationen und Formationen auf dem Gefechtsfeld „bekanntlich von ausgeklügelter Umständlichkeit, die sich in der Blütezeit der Lineartaktik noch zu einem verkünstelten Rokokopuppentheater steigern sollte“,58) geprägt waren. Dabei war den Militärs durchaus bewusst, „dass, wenn in einer großen Maschine auch nur der Zahn eines Triebrades verbogen oder ausgebrochen ist, das ganze Kunstwerk leidet“.59)

Wie in der höfischen Inszenierung und ihrem Hofzeremoniell, wie der Dramaturgie des Theaters entsprechend,60) erscheinen die Literaten Racine und Corneille als Regelsetzer für das sich spiegelnde militärische Schauspiel - theatrum belli - mit Marionetten an den Fäden der sie ordnenden und Leben einhauchenden Hand des Puppenspielers: das „Puppenwerk“ der stehenden Heere.61) Die Lineartaktik konnte daher mit ihren Soldaten, die „wie die Aufzüge der Fäden an den Geschirren eines Weberstuhls“ agierten, so erscheinen, als sei sie „mit einem Gepränge und mit Zeremonien vergesellschaftet, die von den Formalitäten eines Land- oder Reichstages abgesehen“ waren.62) Solange der Nebenmann in der Linie nicht fiel, hatten alle Evaluationsformen der Lineartaktik noch den Charakter einer eingeübten präzisen Präsentation der Parade. Dies macht einen erweiterten Blick auf die kultur- und sozialanthropologischen Aspekte der Lineartaktik notwendig.

 

Der kultur- und sozialanthropologische Aspekt

Die Zurschaustellung, Größe, Farbe und Ausdehnung der Schlachtenreihe auf dem deckungslosen Champ de bataille symbolisieren Macht und Potenz. Nicht zuletzt hierfür verlangte das preußische Infanterie-Reglement von 1743 vom Soldaten, dass er als „Kerl den Leib gerade halte (...) die Brust wohl vorbringe“,63) um ihm damit für den militärischen Zweck ein Gefühl eigener Stärke zu vermitteln.64) Verstärkt wurde der erhoffte furchterregende Eindruck beim Gegner durch Kopfbedeckungen wie Grenadiermützen mit Messingschildern, die so „einen imposanten Anblick gewährten, wenn die Sonne auf ein solches Bataillon schien, welches einer Reihe feuriger Palisaden ähnlich war.“ 65)

Als Palisade gleicht die Linie einer einschüchternden Herrschaftsarchitektur - sie ist Selbstinszenierung und -stilisierung.66) Die breite und facettenreiche Aufstellung der Truppenkörper gerinnt mit ihren ausladenden Linien zum Abbild der Fassaden der Schlossflügel; sie wird als Grenze militärischer Macht- und Prachtentfaltung wahrnehmbar.67)

So wie die Landschafts- und Gartengestaltung durch das Zuschneiden und Zurechtstutzen die Voraussetzung für den ästhetischen Genuss generiert, so unterliegt auch der einzelne Soldat im Rahmen der Lineartaktik repressiver formaler Bedrängung und Abrichtung - Formaldienst als militärische „Dressur“ -, um seiner Funktion als menschlicher militärischer Staffage zugeführt zu werden. Die dekorative Komposition der Gartenarchitektur fand ihr Pendant in der textilen Verkleidung des militärischen Instruments; die Kälte des Eisens bekam so eine ornamentale Verzierung durch die Uniformierung der Regimenter. Die Etablierung der Lineartaktik brachte dem Souverän die sublime Illusion, dass sich sein Ordnungsanspruch auch so, wie in der Gartenbaukunst u.a., über Raum und Zeit erstreckt. Breite, Farbigkeit und Komposition der Linien machten den einzelnen Soldaten zu einem Steinchen eines harmonischen Gesamtmosaiks, über das nur der Demiurg den Überblick hatte.

Die zahl- und endlosen Fassaden und Flügel fürstlicher Baukunst finden ihr militärisches Pendant in der breiten militärischen Flügelaufstellung, die ihrerseits eine unüberwindbare Mauer des permanenten Feuers darstellt wie die architektonische Breite und Wucht ein unbezwingbares Bollwerk. Beide bauen Distanz auf zum Schutz des Monarchen bzw. Feldherrn. Darüber hinaus gehorchten sie beide den gleichen mathematisch-architektonischen Prinzipien. Auch dies korrespondiert mit der metaphorisch aufgeladenen botanischen Architektur, die sich vom Fixpunkt des Schlosses aus über die „geometrisch-axiale Anordnung des Gartenareals (...) bis zum Horizont prolongierte“ und damit - angelehnt in Erweiterung des französischen Gartenstils am englischen Landschaftsgarten - den „Drang ins Weite, Wilde, Gefahrvolle“ 68) symbolisiert: den naturbelassenen Austragungsort der Schlacht. Hinter der eigenen Linie existieren Sicherheit und Schutz, auch Schönheit - vor der eigenen Linie war der Ort der Gefahr.

Insbesondere die Aufstellung zum Kavallerieangriffe abwehrenden Karree der Infanterie als archaisch-kubische bewegliche Bastion zeigt die Analogie zur beschützenden architectura militaris auf: Die Aufstellung der Truppen ist gekennzeichnet durch die Fassade der Linie, tragende Säulen der Infanterie und schwungvolle Bögen der Kavallerie sowie die dramatische barocke Wuchtigkeit der Artillerie mit ihren auf den Kanonen abgebildeten theologischen Applikationen, die die Linie zum Ort des trotzigen Eindrucks werden ließen.

Die Linie bot jedoch nicht nur Schutz, sie war auch Zierde. Die Uniformierung und Harmonie der Dislozierung, die geometrische Staffage ausgerichteter Regimenter mit ihrer bunten Vielfalt der Uniformierten symbolisierte die Vielheit der einem Befehl gehorchenden bunt betressten Masse. Die Uniform hatte also eine politisch-symbolische Repräsentativfunktion. Die Tadellosigkeit der Uniform war das Spiegelbild der Tadellosigkeit der wohlgeordneten Monarchie.69)

Darüber hinaus schafft die Uniform eine kollektive Identität, korporative Geschlossenheit. Sie visualisiert eine Welt mit Sonderrechten, eigener Rechtsprechung sowie absolute monarchische Prärogative wie kein anderes „Politikfeld“.70) Die truppengattungs- bzw. regimentsspezifische Einheitlichkeit der Uniform machte den einheitlichen, einem Befehl gehorchenden militärischen Apparat sichtbar. Der Armeekörper war hierfür die wohlgeordnete „Visitenkarte“ des Monarchen. Die Lineartaktik wurde dabei auf der Basis geometrisch-wissenschaftlicher Ordnungsvorstellungen zur militärischen „Figur“, die die absolute Kontrolle zu visualisieren erlaubte.

Die neben aller möglichen Gefahr doch auch Geborgenheit suggerierende Linie mit den gemeinsam neben- und hintereinander aufgestellten Soldaten, gibt der Verwundung und dem Tod - es hat schließlich jeden Soldaten einer auch „durchaus abergläubischen militärischen Gesellschaft“71) treffen können - den Hauch der göttlichen Auswahl und Destination. Die auf das Jenseits bezogene individuelle Heilsgewissheit fand - aus der Perspektive der militärischen Führung - ein kollektives Pendant zur Erhöhung des Einsatzwertes, wie in dem mehrstündigen Artillerieduell zu Beginn der Schlacht bei Höchstädt deutlich wird, „during which, in oder to sustain the morale of his troops, Marlborough ordered the chaplains to conduct a service.“ 72) Das Gefecht als inszenierter Gottesdienst bzw. zeremonieller Akt - die Uniform machte Soldaten zum „Messdiener“ - erreicht die Nähe eines möglichen interpretatorischen Zugangs: Zu Beginn das Fanal der zur Schlacht auffordernden Trompeter; die Furie des Feuers der das Gefecht vorbereitenden Artillerie; das perpetuierende Feuer der eine unüberwindliche Feuerwand symbolisierenden Wand der linear aufgestellten Infanterie, die aus dem Höllenschlund hervor galoppierende Kavallerie, bevor sich die göttliche Ruhe der Gewissheit über der mit leblosen Leibern bedeckten Walstatt ausbreitet. Damit wird das Geschäft von Himmel und Hölle an einem Tag an einem Ort im Rahmen einer Handlung - die (vermeintlichen) aristotelischen Einheiten - mit einer endlichen und sterblichen Masse an Handelnden auf dem Schlachtfeld vereint in den tragischen - weil ausweglosen - Fallstricken des Unausweichlichen. Aufmarsch und Antritt zur Schlacht waren mit den Heeren des 17. und 18. Jahrhunderts deshalb „nur in Paradeuniformen, in einem Rauschzustand höchsten Imponierglanzes möglich. Nur bunteste Prachtaufmachung mit Gold und Silber, gemessener Gleichschritt, Trommelschlag und Pfeifenton, wehende Fahnen und Kommandorufe vermochten eine Männergruppe in eine solche geradezu mit maximaler Ruhe zelebrierten Todeskampfekstase zu zwingen, wie sie die Taktik jener Paradeschlachten forderte“.73) So hielt man Einzug in einen religiös-metaphysischen „Gottesdienst“, der mit einem weltlichen Schiedsspruch endete. Die Schlacht wurde zu einem Akt der Rechtsprechung mit überweltlichem Segen, der einen Streit durch das Urteil des Schlachtausgangs, in Ermangelung einer zuständigen weltlichen Rechtsfindungsinstanz, abschloss.

 

Fazit

Bei der Betrachtung der analysierten Beurteilungs-, Rezeptions- und Deutungsmuster erwies sich die Einführung und Beibehaltung der Lineartaktik als ein komplexes und differenziert zu analysierendes System, das die Demonstration eines zeittypischen Formwillens abbildete. Selbstdarstellung von Hof und Armee, die Farben und das Renommee eines Regiments, die Inszenierung einer Ästhetik des Schlachtfeldes bzw. des Krieges wie das Hofleben, die höfische und militärische Nähe zum Monarchen sowie das Selbstverständnis von Offizierkorps und Hofadel entsprachen ähnlichen bzw. gleichen Funktionsmechanismen: Sie alle dienten - wie auch die Kunst74) - als ordnungspolitische Stabilisatoren einer zahlreiche Handlungsfelder umfassenden politischen Kultur des Absolutismus. Axialsymmetrische Form und repräsentative Ausstrahlung von Hof und Militär waren die dem absolutistischen Staatssystem adäquaten Dominanten. Die Lineartaktik war dabei die militärisch-funktionale Ableitung einer sich selbst bespiegelnden Gesamttypologie von zeitkontextualem Selbstverständnis und ihrer Selbstbestätigung im 17. und 18. Jahrhundert. Aufbau, Beibehaltung und Evaluationsformen machen sie zum Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen auf militärischem Terrain.

 


ANMERKUNGEN:

1) Zit. nach Carl Hans Hermann: Deutsche Militärgeschichte. Eine Einführung, Frankfurt/M. 1966, S.112.

2) Zit. nach Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914, 2. und erg. Auflage, Zweiter Band, Osnabrück 1967, S.38.

3) Vgl. dazu Sascha Möbius: Mehr Angst vor dem Offizier als vor dem Feind? Eine mentalitätsgeschichtliche Studie zur preußischen Taktik im Siebenjährigen Krieg, Saarbrücken 2007.

4) Zu Begriff und Konzept vgl. Wolfram Wette (Hrsg.): Der Krieg des kleinen Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 1992.

5) Die Anregung hierzu ging aus von Ernst W. Hansen: Zur Problematik einer Sozialgeschichte des deutschen Militärs im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Forschungsbericht. In: Zeitschrift für Historische Forschung 6 (1979), S.425-460; vgl. zudem Jutta Nowosadtko: Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die Militärgeschichte, Tübingen 2002, S.154-161 sowie zu einem Überblick über die facettenreiche Dimensionen moderner militärhistoriografischer Ansätze Bernhard R. Kroener: Militär in der Gesellschaft. Aspekte einer neuen Militärgeschichte der Frühen Neuzeit. In: Thomas Kühne/Benjamin Ziemann (Hrsg.): Was ist Militärgeschichte?, Paderborn u.a. 2000 (=Krieg in der Geschichte, 6), S.283-299.

6) Vgl. Ralf Pröve: Vom Schmuddelkind zur anerkannten Subdisziplin? Die „neue Militärgeschichte“ der Frühen Neuzeit. Perspektiven, Entwicklungen, Probleme. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 51 (2000), S.597-612.

7) Der Prince de Ligne empfand den Aufmarsch der preußischen Infanterie und ihre Entwicklung zur, indes erfolglosen, schiefen Schlachtordnung bei Kolin am 18. Juni 1757 geradezu als unvergesslich, vgl. Johann Christoph Allmayer-Beck: Die friderizianische Armee im Spiegel ihrer österreichischen Gegner. In: Friedrich der Große und das Militärwesen seiner Zeit, hrsg. v. MGFA, Herford 1987, S.33-54, hier S.38 (=Vorträge zur Militärgeschichte, 8).

8) Frank Taylor: The wars of Marlborough 1702-1709, vol. 1, Charleston 2009 (Nachdruck der Ausgabe von 1921), S.223.

9) Zur Schlacht bei Leuthen vgl. Eberhard Birk: Die Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757. Eine multiperspektivische Annäherung. In: ÖMZ 1/2008, S.35-48.

10) C.F. Barsewisch: Meine Kriegs-Erlebnisse während des Siebenjährigen Krieges 1757-1763, Berlin 1863 =Von Rossbach bis Freiberg: 1757-1763. Tagebuchblätter eines friderizianischen Fahnenjunkers und Offiziers/Ernst Friedrich Rudolf von Barsewisch. Nach dem wortgetreuen Erstabdruck. von 1863 neu hrsg., komm. und bearb. von Jürgen Olmes (1959), S.33.

11) Diese sind, wenngleich monographische Studien und Aufsätze fehlen, Legion und kaum mehr überschaubar. Stellvertretend für sie sei hier genannt Volkmar Regling: Grundzüge der Landkriegführung zur Zeit des Absolutismus und im 19. Jahrhundert. In: MGFA (Hrsg.), Deutsche Militärgeschichte 1648-1939 (6 Bde), Band 6 Abschnitt IX, München 1983, S.26-58; Siegfried Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Kabinettskriege, Koblenz 1986; Jürgen Luh: Kriegskunst in Europa 1650-1800, Köln 2004, wenn auch für die Mitte des 18. Jahrhunderts, aber die Grundprobleme der Wechselwirkung von Politik und Kriegführung thematisierend: Johannes Kunisch: Mirakel des Hauses Brandenburg. Studien zum Verhältnis von Kabinettspolitik und Kriegführung im Zeitalter des Siebenjährigen Krieges, München, Wien 1978, S.55-75 mit einem fundierten politisch-militärischen Abriss über „Die Kriegskunst des 18. Jahrhunderts“ sowie erneut ders., Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, München 2004, S.176-181.

12) Vgl. zum Problem der Desertion in frühneuzeitlichen Heeren Jörg Muth: Flucht aus dem militärischen Alltag. Ursachen und individuelle Ausprägung der Desertion in der Armee Friedrichs des Großen, Freiburg 2003 (=Einzelschriften zur Militärgeschichte, 42) sowie Michael Sikora: Disziplin und Desertion. Strukturprobleme militärischer Organisation im 18. Jahrhundert, Berlin 1996 (=Historische Forschungen, 57) und ders., Verzweiflung oder „Leichtsinn“? Militärstand und Desertion im 18. Jahrhundert. In: Bernhard R. Kroener/Ralf Pröve (Hrsg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn, München, Wien, Zürich 1996, S.237-264.

13) Frank Wernitz: Die preußischen Freitruppen im Siebenjährigen Krieg 1756-1763. Entstehung - Einsatz - Wirkung, Wölferheim-Berstadt 1994, S.12.

14) Vgl. Jürgen Luh: Ancien Régime Warfare and the Military Revolution. A Study, Groningen 2000 (=Baltic Studies 6) mit den Beispielen auf S.144 und S.148 sowie für die preußischen Zahlen zudem Duffy: Friedrich der Große und seine Armee, S.131.

15) Zit. nach Luh: Ancien Régime Warfare, S.137 mit einer weiteren Nennung noch schlechterer Trefferergebnisse bei Übungen auf S.138.

16) Vgl. Christopher Duffy: The Military Experience in the Age of Reason, London 1987, S.204-206.

17) Luh: Kriegskunst in Europa, S.8.

18) Vgl. etwa Ulrich Scheuner: Ständische Einrichtungen und innerstaatliche Kräfte in der Theorie Bodins. In: Horst Denzer (Hrsg.): Jean Bodin - Verhandlungen der internationalen Tagung in München, München 1973, S.379-397 sowie Markus Meumann und Ralf Pröve: Die Faszination des Staates und die historische Praxis. Zur Beschreibung von Herrschaftsbeziehungen jenseits teleologischer und dualistischer Begriffsbildungen. In: Meumann/Pröve (Hrsg.): Herrschaft in der Frühen Neuzeit. Umrisse eines dynamisch-kommunikativen Prozesses, Münster 2004 (=Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit, 2), S.11-49.

19) Vgl. Peter Baumgart: Absolutismus ein Mythos? Aufgeklärter Absolutismus ein Widerspruch? Reflexionen zu einem kontroversen Thema gegenwärtiger Frühneuzeitforschung. In: ders., Brandenburg-Preußen unter dem Ancien régime. Ausgewählte Abhandlungen, Berlin 2009 (=Historische Forschungen, 92), S.579-595.

20) Vgl. allgemein Heiko Droste: Patronage in der Frühen Neuzeit - Institution und Kulturform. In: Zeitschrift für Historische Forschung 30 (2003), S.555-590 und Peter Michael Hahn: Aristokratisierung und Professionalisierung. Der Aufstieg der Obristen zur militärischen und höfischen Elite in Brandenburg-Preußen von 1650-1725. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 1 (1991), S.161-208.

21) Gerhard Papke: Von der Miliz zum Stehenden Heer. Wehrwesen im Absolutismus. In: MGFA (Hrsg.), Deutsche Militärgeschichte 1648‑1939 (Band 1), München 1983, S.1-311, hier S.137.

22) Vgl. Bernhard R. Kroener: Das Schwungrad an der Staatsmaschinerie? Die Bedeutung der bewaffneten Macht in der europäischen Geschichte der Frühen Neuzeit. In: ders./Ralf Pröve (Hrsg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn u.a. 1996, S.1-23.

23) Vgl. Wolfgang Reinhard: Kriegsstaat - Steuerstaat - Machtstaat. In: Ronald G. Asch/Heinz Duchhardt (Hrsg.): Der Absolutismus - ein Mythos? Strukturwandel monarchischer Herrschaft, Köln u.a. 1996, S.277-310.

24) Zum Begriff vgl. Johannes Burkhardt: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt/M. 1992 (=Neue Historische Bibliothek), S.10.

25) Vgl. Norbert Elias: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Bd. 1-2, Frankfurt/Main 1977 und ders., Die höfische Gesellschaft, 5. Aufl. Darmstadt 1981 sowie Müller: Der Fürstenhof in der Frühen Neuzeit, S.3-75.

26) Vgl. Gerhard Papke: Von der Miliz zum stehenden Heer. In: MGFA (Hrsg.), Deutsche Militärgeschichte 1648-1939 Band 1, München 1979, S.1-311, hier S.52 und zur Übertragung auf die absolutistische Staatsphilosophie Barbara Stollberg-Rillinger: Der Staat als Maschine. Zur politischen Metaphorik des absoluten Fürstenstaates, Berlin 1986.

27) Vgl. Peter-Michael Hahn: Dynastische Selbstdarstellung und Militärmacht. Kriegerische Symbolik als höfische Zeichensprache in Brandenburg-Preußen im 17. Jahrhundert. In: Ronald G. Asch/Wulf Eckart Voß/Martin Wrede (Hrsg.): Frieden und Krieg in der Frühen Neuzeit. Die europäische Staatenordnung und die außereuropäische Welt, München 2001, S.115-138.

28) Vgl. Luh, Kriegskunst in Europa, S.221.

29) Vgl. hierzu etwa Peter-Claus Hartmann: Die Subsidien- und Finanzpolitik Kurfürst Max Emanuels von Bayern im Spanischen Erbfolgekrieg. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 32 (1969), S.228-289.

30) Vgl. Luh: Ancien Régime Warfare, S.9-77.

31) Arnold J. Toynbee: Der Gang der Weltgeschichte. Erster Band: Aufstieg und Verfall der Kulturen, 7. Aufl. Zürich 1979, S.379.

32) Luh: Kriegskunst in Europa, S.219.

33) Vgl. Hans Schmidt: Staat und Armee im Zeitalter des „miles perpetuus“. In: Johannes Kunisch (Hrsg.): Staatsverfassung und Heeresverfassung in der europäischen Geschichte der frühen Neuzeit, Berlin 1986, S.213-248. An dieser Stelle ist auch auf Johannes Kunisch: Der kleine Krieg. Studien zum Heerwesen des Absolutismus, Wiesbaden 1973 (=Frankfurter historische Abhandlungen, 4) hinzuweisen; der „Kleine Krieg“ folgte - allerdings komplementär - ganz anderen Zielsetzungen als die hier zu thematisierende Lineartaktik; vgl. zudem Martin Rink: Vom „Partheygänger“ zum Partisanen. Die Konzeption des kleinen Krieges in Preußen 1740-1813, Frankfurt/M. 1999 (=Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 851) sowie ders., Der kleine Krieg. Entwicklungen und Trends asymmetrischer Gewalt 1740-1815. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 65 (2006) 2, S.355-388.

34) Hannß Friedrich von Fleming: Der Vollkommene Teutsche Soldat. Faksimiledruck der Ausgabe Leipzig 1726 (=Bibliotheca rerum militarium, 1), Osnabrück 1967 und M. de Quincy : L’art de la guerre ou maximes sur l’art militaire, Paris 1726.

35) Wolfgang Petter: Zur Kriegskunst im Zeitalter Friedrichs des Großen. In: Bernhard R. Kroener (Hrsg.): Europa im Zeitalter Friedrichs des Großen. Wirtschaft, Gesellschaft, Kriege, München 1989, S.245-268; hier S.255 (=Beiträge zur Militärgeschichte, 26).

36) Vgl. hierzu den Rückgriff auf die „Pionierarbeit“ von Justus Lipsius; ausführlich erläutert bei Eberhard Birk: Die oranische Heeresreform als archimedischer Punkt für die neuzeitliche Kriegskunst. In: ÖMZ 4/2009, S.437-448.

37) Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, Tübingen 5. Aufl. 1972, S.686 und Peter Burschel: Zur Sozialgeschichte innermilitärischer Disziplinierung im 16. und 17. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 11 (1994), S.965-981.

38) Zit. nach Walter Hubatsch: Grundlinien preußischer Geschichte, Königtum und Staatsgestaltung 1701-1871, 3. Aufl. Darmstadt 1988, S.45.

39) Vgl. Sascha Möbius: Beschleunigung von militärischen Bewegungen im 18. Jahrhundert am Beispiel der preußischen Taktik in den Schlesischen Kriegen. In: Hartmut Heller (Hrsg.): Gemessene Zeit - Gefühlte Zeit: Tendenzen der Beschleunigung, Verlangsamung und subjektiven Zeitempfindens, Münster/Hamburg/Berlin 2006, S.235-265.

40) Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst Band IV (photomechanischer Nachdruck der ersten Auflage von 1920), Berlin 1962, S.312.

41) Vgl. Christopher Duffy: Friedrich der Große und seine Armee, 2. Aufl. Stuttgart 1983, S.121-131.

42) John Keegan: Die Schlacht. Azincourt 1415, Waterloo 1816, Somme 1916, München 1981.

43) Vgl. Bernhard R. Kroener: Die Geburt eines Mythos - die „schiefe Schlachtordnung“: Leuthen, 5. Dezember 1757. In: Stig Förster (Hrsg.): Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai, 2., durchges. Aufl. München 2002, S.169-183.

44) Eberhard Kessel: Zum Problem des Wandels der Kriegskunst vom 18. zum 19. Jahrhundert. In: Wissen und Wehr 20 (1939), S.100-110, hier S.107.

45) Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung, S.203.

46) So der französische Gesandte zum bayerischen Kurfürsten Max Emanuel kurz vor Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713/14), zit. nach Michael Kaiser: Das stehende Heer - ein fragiles Machtinstrument. Zur Struktur- und Sozialgeschichte einer frühneuzeitlichen Institution. In: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau, 105. Jahrgang 2004 (=Die Schlacht bei Höchstädt), S.201-239, hier S.239.

47) Die Auseinandersetzung „Ermattungsstrategie“ vs. „Vernichtungsstrategie“ führte im Kaiserreich zu einem „Strategiestreit“, vgl. Sven Lange: Hans Delbrück und der „Strategiestreit“. Kriegführung und Kriegsgeschichte in der Kontroverse 1879-1914, Freiburg 1995 (=Einzelschriften zur Militärgeschichte, 40).

48) Vgl. Kunisch: Mirakel des Hauses Brandenburg, S.63.

49) Vgl. Jürgen Luh: „Strategie und Taktik“ im Ancien Régime. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 64 (2005) 1, S.101-131.

50) An dieser Stelle ist hinzuweisen auf die Studien von Henning Eichberg: Ordnen, Messen, Disziplinieren. Moderner Herrschaftsstaat und Fortifikation. In: Johannes Kunisch (Hrsg.): Staatsverfassung und Heeresverfassung in der europäischen Geschichte der frühen Neuzeit, Berlin 1986, S.347-375 und ders., Geometrie als barocke Verhaltensnorm - Fortifikation und Exerzitien. In: Zeitschrift für Historische Forschung 4 (1977), S.17-50. Demnach hatte die Festungsbaukunst nicht nur militärischen und wissenschaftlich-ästhetischen Grundüberlegungen zu folgen. Ihr weiterer Zweck lag auch in der sozialdisziplinierenden Rolle hinsichtlich der frühneuzeitlichen Gesellschaft.

51) Vgl. Johannes Kunisch: Absolutismus. Europäische Geschichte vom Westfälischen Frieden bis zur Krise des Ancien Régime, Göttingen 1986, S.9-11 sowie Harald Kleinschmidt: Mechanismus und Biologismus im Militärwesen des 17. und 18. Jahrhunderts. Bewegungen - Ordnungen - Wahrnehmungen. In: Daniel Hohrath/Klaus Gerteis (Hrsg.): Die Kriegskunst im Lichte der Vernunft. Militär und Aufklärung im 18. Jahrhundert, Teil I, Hamburg 1999, S.51-73 sowie mit entsprechenden Belegstellen Rink: Partheygänger, S.46f.

52) In Anlehnung an Leibniz; vgl. dazu Werner Schneiders, G. W. Leibniz: Das Reich der Vernunft. In: Josef Speck (Hrsg.): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie der Neuzeit I, 2., durchgesehene Auflage Göttingen 1986, S.139-175, hier S.155 und S.156f. Dessen Hauptwerk, die „Monadologie“ von 1714, war - um die Analogie anzudeuten - Prinz Eugen gewidmet.

53) Vgl. Fritz Krafft: Wissenschaft und Weltbild (II). Von der Einheit der Welt zur Vielfalt der Welten und des Menschen Stellung in ihnen. In: Norbert A. Luyten (Hrsg.): Naturwissenschaft und Theologie, Düsseldorf 1981, S.79-117, hier S.88-93. Kopernikus hat sein Werk De revolutionibus Papst Paul III. gewidmet.

54) Zit. nach Kunisch: Das Mirakel des Hauses Brandenburg, S.55.

55) Vgl. Regling: Grundzüge der Landkriegführung, S.94.

56) Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung, S.201.

57) Vgl. Luh: Kriegskunst in Europa, S.83-99 und Werner Hahlweg: Barriere-Gleichgewicht-Sicherheit. Eine Studie über die Gleichgewichtspolitik und die Strukturwandlungen des Staatensystems in Europa 1646-1715. In: Historische Zeitschrift 187 (1959), S.54-89.

58) Michael Hochedlinger: Quellen zum kaiserlichen bzw. k.k. Kriegswesen. In: Josef Pauser/Martin Scheuz/Thomas Winkelbauer (Hrsg.): Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert), München 2004 (=Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 44), S.162-181, hier S.179.

59) C.D. Küster: Characterzüge des preußischen General-Lieutenants v. Saldern, Berlin 1793, S.85.

60) Vgl. Marian Füssel: Theatrum Belli. Der Krieg als Inszenierung und Wissensschauplatz im 17. und 18. Jahrhundert; http://www.metaphorik.de/14/Fuessel.pdf.

61) Vgl. Johannes Kunisch: Das „Puppenwerk“ der stehenden Heere. Ein Beitrag zur Neueinschätzung von Soldatenstand und Krieg in der Spätaufklärung. In: Zeitschrift für Historische Forschung 17 (1990), S.49-83.

62) So Georg Heinrich von Berenhorst: Betrachtungen über die Kriegskunst, über ihre Fortschritte, ihre Widersprüche und ihre Zuverlässigkeit: auch für Layen verständlich, wenn sie nur Geschichte wissen; Abth. 2 (1798), hier zitiert nach Georg Eckert: Von Valmy bis Leipzig, Hannover-Frankfurt/M. 1955, S.61.

63) Reglement vor die Königl. Preußische Infanterie-Regimenter …, Osnabrück 1976, ND der Ausgabe Berlin 1743, S. 43.

64) Vgl. Harald Kleinschmidt: Tyrocinium Militaire. Militärische Körperhaltungen und -bewegungen im Wandel zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert, Stuttgart 1989, S.244.

65) L.M. Lossow: Denkwürdigkeiten zur Characteristik der preußischen Armee, unter dem großen König Friedrich dem Zweiten, Glogau 1826, S.139.

66) Diese Einschätzung erfolgte auch in der italienischen Architekturtheorie vom 15.-17. Jahrhundert. So wurde im frühen 16. Jahrhundert aus den Zinnen mittelalterlicher Befestigungsanlagen ein gänzlich funktionsloser Schmuck, der zum zierenden Hoheitsabzeichen wurde; im 17. Jahrhundert sollte die Herrschaftlichkeit durch breite Straßenachsen visualisiert werden. In dem Maße, wie der reale Schutz vor physischer Gewalt durch militärische Gewalt durch Mauern und Türme abnimmt, übernimmt die Architektur die Garantiefunktion von Herrschaft und gerinnt zur ideologischen Repression. Ihr Ziel ist der „pacifico stato e fermo reggimento“ (befriedete politische Verhältnisse und eine gesicherte Herrschaftsstruktur), so bereits der florentinische Universalgelehrte Leone Battista Alberti in der Mitte des 15. Jahrhunderts in seinem Fragment über die Villa (verfasst um 1430/40), vgl. Reinhard Bentmann/Michael Müller: Die Villa als Herrschaftsarchitektur. Versuch einer kunst- und sozialgeschichtlichen Analyse, Frankfurt/M. 1970, S.101-109.

67) Darüber hinaus wird das Zusammenspiel von Schloss- und Gartenbaukunst sowie dem Militärwesen kaum besser augenscheinlich als in Blenheim Castle. Schloss und Park wurden dem Herzog von Marlborough von der Regierung nach seinem Sieg bei Höchstädt am 13. August 1704 (brit. Bezeichnung: Blenheim, nach dem auf dem Schlachtfeld liegenden Dorf Blindheim) gebaut. Die Baumalleen im Park spiegeln die Schlachtordnung der „Battle of Blenheim“ wider, vgl. Ernst Trost: Prinz Eugen, Wien, München 1985, S.144.

68) Rainer A. Müller: Der Fürstenhof in der Frühen Neuzeit, München 1995 (=Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 33), S.75.

69) Vgl. Papke: Von der Miliz zum stehenden Heer, S.176f. und Luh: Kriegskunst in Europa, S.177-194.

70) Vgl. Jutta Nowosadtko: „Der Militairstand ist ein privilegierter Stand, der seine eigene Gesetze, obrigkeitliche Ordnung und Gerichtsbarkeit hat.“ Die „Verstaatlichung“ stehender Heere in systemtheoretischer Perspektive. In: Meumann/Pröve (Hrsg.): Herrschaft in der Frühen Neuzeit, S.121-141.

71) Kroener: Leuthen, S.175.

72) J.F.C. Fuller: The decisive Battles of the Western World and their influence upon history, Vol. 1: 480 B.C. - 1757, Granada Publishing 1970, S.537.

73) Otto Koenig: Kultur und Verhaltensforschung. Einführung in die Kulturethologie, München 1970, S.137.

74) Vgl. Jutta Nowosadtko/Matthias Rogg (Hrsg.): Mars und die Musen. Das Wechselspiel von Militär, Krieg und Kunst in der Frühen Neuzeit, Berlin u.a. 2008 (=Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit, 5).