Giulio Douhet und die „Luftherrschaft"

Eberhard Birk

 

„Ich habe die unbedingte Gewissheit, dass die Zukunft mich nicht Lügen strafen wird, dass der Krieg in der Luft das Wesen des Zukunftskrieges werden wird.“ 1)

Giulio Douhet (1869-1930) hat mit seinem Werk „Luftherrschaft“ den ersten „Klassiker“ für eine Strategie der Luftkriegführung geschaffen. (Bild: Wikipedia)

 

Der Einfluss von politischen und gesellschaftlichen Revolutionen sowie Revolutions in Military Affairs durch ihre stärkere Fokussierung auf technologische und organisatorische Aspekte waren mit ihren Auswirkungen auf Fragen der (militärischen) Strategie, Operations- und Gefechtsführung seit jeher zentrale Gegenstände sicherheits-, verteidigungs- und militärpolitischen Handelns.2) Parallel dazu hat auch die Geschichte des Nachdenkens über den Begriff der „Strategie“ von der Antike bis in die Gegenwart mehrere substanzielle Bedeutungserweiterungen durchlaufen.3) Der sich immer weiter vom genuin militärischen Raum lösende übergeordnete sicherheitspolitische Strategiebegriff ist dabei in seiner Zielsetzung in variabler Abhängigkeit von Politik und Diplomatie, Geographie und industrieller Leistungsfähigkeit, historisch-politischen Rahmenbedingungen sowie sozio-kulturellen Erfahrungen und Selbst- respektive Fremdwahrnehmungen zu sehen. Militärisches Potenzial wurde somit neben vielen zu betrachtenden Elementen zu einem - wenngleich weiterhin zentralen - Faktor einer auf Optionenvielfalt basierenden „Produktformel“ reduziert.

Das militärische Denken indes blieb - selbst auf dem Feld der Militärstrategie - in der Regel stärker auf die operative Ebene und das Spannungsfeld von Kriegsbild, Technik und Truppenführung fokussiert. Hier galt es, Chancen und Grenzen organisatorischer und waffentechnologischer Möglichkeiten so zu synchronisieren, dass eine Optimierung zum Zwecke erfolgreicher Kriegführungsfähigkeit erreicht werden konnte. Neue technologische Möglichkeiten hatten hierbei genauso wie verlorene Kriege - insbesondere der Verlierer suchte nach neuen Möglichkeiten - Auswirkungen auf militärisches Denken und Handeln. Geradezu umgekehrt proportional wirkte sich hingegen häufig ein gewonnener Krieg auf die Akzeptanz neuer Waffensysteme und deren Einsatzoptionen aus: Der Gewinner verstärkte meist unflexibel seine zuvor siegbringende Methode.

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf Frankreich durch den Bau der Maginotlinie eine in Beton gegossene Perpetuierung des statischen, aus der Wahrnehmung eines vierjährigen Stellungs- respektive Grabenkrieges gewonnenen Kriegsbildes. Die mentalen Stützpfeiler der gesellschaftlichen Defensive spiegelten sich in der Sicherheitstrilogie - Nation unter Waffen, Verteidigung der Grenzen, Aufrechterhaltung des Versailler Vertrages - und diese im militärischen Tryptichon - zwölfmonatige Wehrpflicht, Deckung vor Wirkung, Bau der Maginotlinie - wider.4) Das Kriegsbild der Vergangenheit wurde gegen das neue Kriegsbild der Zukunft verteidigt, obwohl der „Große Krieg“ in seiner zweiten Hälfte mit dem Aufkommen von U-Booten, Tanks und Flugzeugen ein katalysatorisch wirkendes dreidimensionales gigantisches Experimentierfeld für die Einübung des Krieges der Zukunft bot.

Insbesondere mit dem Aufkommen der militärischen Nutzung des Luftraums wurde ein Handlungsraum mit gesamt- und militärstrategischen, operativen und taktischen Einsatzoptionen eröffnet, der neben praktischer Instrumentalisierung auch mit theoretischen Reflexionen unterlegt wurde. Als sich bei der vom Heereswesen geprägten Reichswehr, nicht zuletzt aufgrund des Verbotes einer Luftwaffe durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919,5) der Gedanke einer operativ beweglich geführten gepanzerten Angriffswaffe entwickelte6) - ähnliche Gedankengänge gab es parallel dazu in Großbritannien durch F.J.C. Fuller und Liddell B. Hart7) sowie in Frankreich durch Charles de Gaulle -, formulierte in Italien Giulio Douhet in seinem Werk „Luftherrschaft“ (ital.: Il dominio dell’aria)8) im Jahre 1921 seine neue Vision des Krieges der Zukunft - den Raumkrieg, basierend auf einer eigenen Teilstreitkraft Luftwaffe. Mit diesem Klassiker militärtheoretischer Literatur wurde er in Anspielung auf Alfred Mahan, den US-amerikanischen Seemacht-Theoretiker, auch als „Mahan der Luftmacht“ bezeichnet.9)

Douhet wurde am 30. Mai 1869 in Caserta bei Neapel geboren.10) Nach dem Eintritt in die Armee durchlief er eine Ausbildung zum Artillerieoffizier. Militärfachliche Qualifikationen wurden durch ein technisches Studium ergänzt und durch Forschungen über Gase vertieft. In seinen militärischen Funktionen setzte er sich mit Fragen des motorisierten Transportwesens auseinander. Bereits im Jahre 1909 erfolgte durch ihn eine Hinwendung zur militärischen Bedeutung der neuen technischen Möglichkeiten des Fliegens. In den Jahren 1912-15 war er Befehlshaber der ersten italienischen Fliegereinheit. Nachdem er im Mai 1915 zum Chef des Stabes einer Infanteriedivision avancierte und 1916 die italienische Kriegführung kritisierte, wurde er von einem Kriegsgericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und aus der Armee ausgestoßen. Da der weitere Kriegsverlauf seine Kritik bestätigte, wurde das Urteil 1920 kassiert. Douhet wurde bereits zuvor im Februar 1918 zum Leiter des Zentralbüros für Aeronautik ernannt. Am 1. Februar 1926 schied der 1921 zum Generalmajor beförderte Douhet freiwillig aus dem aktiven Dienst, um sich der militärpublizistischen Förderung in eigener Sache, d.h. der Propagierung des Raumkriegsgedankens, anzunehmen, was er mit zahlreichen weiteren Schriften und Artikeln, auch in Erwiderung der Kritikpunkte seiner Gegner, bis zu seinem Tod am 15. Februar 1930 betrieb.11)

Während Mahan seine konzeptionellen Grundüberlegungen anhand der britischen Seekriegsgeschichte mit Beispielen belegte,12) war Douhets Denken nicht nur ahistorisch, sondern erschien geradezu pointiert anti-historisch: „Aus der tausendjährigen Geschichte kann man allerhand ersehen - vor allem, dass es bisher noch nie einen Luftkrieg gegeben hat! Infolgedessen ist aus dieser tausendjährigen Geschichte für unsere Zwecke nichts zu lernen.“ 13) Im Gegensatz zu Clausewitz, der die Friktionen des Krieges hervorhob, war für den „fog of war“ in der technizistischen Betrachtung des Ingenieurs Douhet kein Platz; ihm ging es um mathematisch-logische Fakten, d.h. algebraisch-axiomatische Gewissheiten. Sein Credo war bestürzend einfach und prägnant: „Die Luftherrschaft erobern heißt so viel wie siegen! In der Luft geschlagen werden bedeutet daher hoffnungslos besiegt zu sein!“ 14)

Dieser sich abzeichnende sicherheits- und verteidigungspolitische Paradigmenwechsel lässt sich auch in zwei „klassischen“ Zitaten aus der „Zwischenkriegszeit“ des ehemaligen britischen Premierministers Stanley Baldwin erkennen: Einerseits sah er das Ende des alten maritimen Schutzversprechens durch Kanal und Navy - „Die Geschichte unserer splendid isolation ist zu Ende. Seit dem Auftauchen des Flugzeuges sind wir keine Insel mehr“ 15) -, andererseits, indes zu defätistisch und ohne Hoffnung auf zukünftige technische und organisatorische Schutzmöglichkeiten,16) die kommenden Opfergänge - ...der Bomber kommt immer durch (...) Die einzig mögliche Verteidigung ist der Angriff, das heißt, man muss mehr Frauen und Kinder in kürzerer Zeit töten als der Feind, wenn man überleben will.“ 17)

Die Erschütterung jahrhundertealter (militär-) strategischer Gewissheiten hatte reale, technische sowie optionale und psychologische Faktoren als Wurzel - und Douhet unternahm es, sie aus seiner individuellen Betrachtung heraus mit ihren Perspektiven zu ergründen. Da sein Bild in der Historiografie im Wandel der Zeit zwischen den Polen „Evangelisierung“ und „Diabolisierung“ schwankte, scheint es vonnöten, sein Werk einerseits in seiner zeitgeschichtlichen Gebundenheit und andererseits die Rezeptionsphasen seines Werkes in ihren Grundzügen und ihrer zeitgeschichtlichen Gebundenheit erneut zu beleuchten und kritisch zu erlesen,18) stellt sein Gedankengebäude doch „eine sich wiederholende Bezugsgröße für die Entwicklung der Luftstreitkräfte“ 19) dar.

 

Rahmenbedingungen und Paradigmenwechsel

Nachdem die industrielle Revolution mit Eisenbahnen, Telegraphie und neuen Waffensystemen im 19. Jahrhundert die Grundlagen des im Ersten Weltkrieg kulminierenden Maschinenkrieges schuf, eröffnete die (militärische) Luftfahrt für das 20. Jahrhundert eine neue, nationale Stärke verheißende Perspektive. Parallel zur zivilen und militärischen technischen Eroberung des Raumes erfolgte die sozio-kulturelle: alte, der historisch-politischen Kontingenz enthobene Mythen wurden durch ihre Reaktualisierung prolongiert, neue, gegenwartsbezogene und zukunftsgerichtete, gleichermaßen funktional-technikorientierte und mental neoaristokratische Männlichkeits- und Heroenkonstruktionen generiert, die von literarischer und sozialer Ästhetisierung sowie christologischer Ikonographie und Opfermotiven begleitet wurden.20)

Die Begründung der Luftkriegsstrategie durch Douhet ist vor dem Hintergrund der zeithistorischen Strömungen in Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Umfeld des Futurismus zu sehen.21) Für die facettenreichen Stilrichtungen des Futurismus haben die „dynamischen“ Begriffe Modernität und Fortschritt, Geschwindigkeit und Virilität, Jugendlichkeit und Risikobereitschaft, Technikorientierung und Zukunftseuphorie sowie Neuer Mensch und gesellschaftliche Transformation als Topoi konstitutiven Charakter. Das 1909 vom jungen Filippo Tommaso Marinetti verfasste „Manifest des Futurismus“ huldigte auch dem militärischen Helden- und Opfermythos: „Wir wollen den Krieg verherrlichen - diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus (...), die schönen Ideen, für die man stirbt.“ 22) Das Fliegen übte auf Intellektuelle und Militärs gleichermaßen Einfluss aus - auf Gabriele D’Annunzio mit seinen „ästhetizistisch-heroischen Kapriolen“ 23) genauso wie auf Ernst Jünger: „Der fliegende Mensch ist vielleicht die schärfste Ausprägung einer neuen Männlichkeit. Er stellt einen Typus dar, der sich bereits im Krieg angedeutet hat.“ 24) Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Bedrohungspotenziale durch Luftschläge in futurologischen Romanen durchexerziert.25) Douhet lag damit im Trend: „His prose seemed to capture an important element of the mood in the West, and it seemed to capture, as well, a kind of archetypal image of the airplane as weapon.“ 26)

Insbesondere auf militärtheoretischem Terrain bot sich damit die Chance, dem eben erlebten Stellungskrieg in Zukunft zu entkommen. Hierzu schien das Flugzeug noch sehr viel mehr Potenzial zu enthalten als die ersten Ansätze zur gepanzerten und mechanisierten Heereskriegführung. Douhet sah - wie andere vor und zeitgleich mit ihm - das Neue, Revolutionäre: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist ein Kriegsmittel aufgetaucht, das sich in seinen Auswirkungen mit der Raumwaffe vergleichen lässt.“ 27) Es ging ihm um das Erkennen, die Akzeptanz und die Umsetzung des „völlig neuen Begriffs des Raumkrieges“.28) Die Erfahrungen mit dem in wesentlichen Grundzügen „totalen“ Ersten Weltkrieg,29) den „strategischen“ Bombardierungen von Hauptstädten wie London 1917 und die anzunehmende Erosion des Kombattantenstatus für die Zukunft - „Alle Volksgenossen der kämpfenden Nation sind Kämpfer“ 30) -, in der die Krieg führenden Nationen als Fabriken des Krieges galten, mussten Auswirkungen auf den „Krieg der Zukunft“ haben: „Die Raumwaffe allein sprengt gewaltsam die tausendjährigen Formen des Krieges, sie allein hat die Fähigkeit, die organische Entwicklung der Kriegsform zu durchbrechen. Das fast gleichzeitige Auftauchen der Gaswaffe muss die radikale Umwälzung noch gewaltiger machen.“ 31)

Nach Douhet schafft die Luftwaffe „nicht nur eine neue Situation, sie dreht die Grundsätze und Erfahrungen des Weltkrieges vollkommen um.“ 32) Mit der These der Revolutionierung des Kriegswesens durch die Nutzung des Luftraums zu militärischen Zwecken beschreibt er im Kern einen Paradigmenwechsel:33) „Diese Umwälzungen auf strategischem, taktischem und wehrpsychologischem Gebiet gestalten die Durchführung von Feldzügen leichter, machen Kriege wahrscheinlicher und zwingen zur Klarstellung jener Momente, die in wirklich wirksamer Weise eine erfolgversprechende nationale Verteidigung ermöglichen.“ 34)

Wie für viele Theoretiker und Praktiker vor und nach Douhet galt für ihn die simple, axiomatische Feststellung: „Der Sieg ist in Greifweite desjenigen, der den Umwandlungen der Kriegsform vorauseilt. Eine einfache Anpassung an die Forderungen des Morgen genügt nicht.“ 35) Das Antizipieren von Zukunft erfordert zeitgerechtes Erkennen und Handeln: „Kühnheit und Entschlossenheit in Erfassung und Beschreiten des neuen Weges tragen alle Vorteile in sich, im gegebenen Augenblick der nationalen Verteidigung in allen ihren Forderungen restlos gerecht werden zu können.“ 36)

In der Auseinandersetzung mit seinen zunächst italienischen Kritikern vor dem Hintergrund der Frage der Neuausrichtung der italienischen Streitkräfte nach dem Ersten Weltkrieg spitzte Douhet seine These ideologisch und gelegentlich metaphernreich zu.37) Dies brachte ihm den nicht unberechtigten Vorwurf ein, dass er fehlendes systematisches Denken gelegentlich durch Polemik ersetze.38) An seinen grundsätzlichen Postulaten änderte er in der Zeit seit dem Erscheinen seines Hauptwerkes bis zu seinem Tode nichts mehr: „Hauptziel ist und bleibt die Eroberung der Luftherrschaft durch die Vernichtung der feindlichen Luftmacht.“ 39)

 

Grundlagen und Zielsetzung

Im Flugzeug erkannte Douhet nicht nur das neue revolutionäre militärische Medium, das als Angriffswaffe prädestiniert schien, sondern, bedingt durch seine flexible und unabhängige Nutzung, auch die Möglichkeit zur Verkürzung von Kriegen hatte: „Es ist eine gegenwärtige, reale, unleugbare Tatsache, dass das Flugzeug, ungeachtet aller Befestigungsgürtel, ungehindert durch den Aufmarsch von Armee und Flotte in der Lage ist, an irgendeinem Punkt des feindlichen Gebietes Verwüstungen von einer Tragweite auszurichten, die alle bisher gekannten Verwüstungen übertreffen.“ 40) Von der auf Dauer angelegten Ausübung von Seemacht und der traditionellen Kriegführung des Heeres, die für eine überraschende und punktgenaue, den Krieg schnell entscheidende offensive Kraftentfaltung ausschieden, unterscheidet sich die „neue Waffe“ grundlegend: „Sie vermag schnell und unvermutet schon mit dem ersten Schlag den Todesstoß bis ins Herz des Gegners zu führen.“ 41) Hierzu ist es organisatorisch notwendig, dass „die Luftmacht logischerweise zu Armee und Marine in dasselbe Verhältnis gebracht werden muss, indem (sic!) diese beiden zueinander stehen“ 42) - der Gedanke einer neuen autonomen und dominanten Teilstreitkraft, die „Luftmacht“ generieren sollte. Ihr organisches Zusammenarbeiten mit den beiden anderen Teilstreitkräften Heer und Marine sollte durch die Errichtung eines teilstreitkräfteübergreifenden Oberkommandos erreicht werden. Aufbau, Unterhalt und Einsatz der „Luftflotte“ indes waren für ihn die politische und militärische (Über-)Lebensversicherung der Zukunft; ihr galt die Priorität.

Ziel jeglicher Kriegführung musste es sein, zu einer möglichst schnellen Erringung des eigenen Sieges zu gelangen. Nach Douhet überstanden die europäischen Völker das ungeheure Zerstörungswerk des Ersten Weltkrieges nur dadurch, „dass diese Zerstörungen sich auf einen großen Zeitraum verteilten, sodass die materiellen und moralischen Verluste immer wieder ersetzt werden konnten.“ 43) Dieser militärischen und wirtschaftlichen Pattsituation im industrialisierten Krieg wollte er durch harte und schnelle Luftschläge in der Zukunft entkommen.

Um dem Feind „so schnell wie möglich den denkbar größten Schaden zuzuführen (...) ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit, den Luftkrieg mit dem Überfall des Gegners einzuleiten.“ 44) Ebenfalls lässt sich aus diesem Ziel ableiten, dass die Luftflotte „in Massen eingesetzt werden“ 45) muss. Der erste Schlag würde entscheidend sein: „Wer sich - gleichgültig zu welchem Zweck - entschließen wird, einen bewaffneten Konflikt zu entfesseln, wird sofort nach dieser Entschlussfassung seine gesamten Luftstreitkräfte in Massen gegen die feindliche Nation einsetzen, und zwar noch vor der Kriegserklärung, um dadurch das Überraschungsmoment durch Angriff und Giftgas auszunutzen. In Anbetracht der Vorteile, die diese Überrumpelung bietet, werden die diplomatischen Formalitäten unberücksichtigt bleiben.“ 46)

Hierzu galt es, den ersten und entscheidenden Schlag gegen den Feind zu konzentrieren: „Alle verfügbaren Luftstreitkräfte müssen sofort in die Waagschale geworfen werden, jede Reserve ist gleichsam ein Gewicht, welches der Waagschale der Entscheidung entzogen wird. Der Zukunftskrieg wird die Entscheidung in der Luft sehen. Deshalb muss Rüstung und Führung nach dem Grundsatz handeln: Auf der Erde Widerstand leisten, in der Luft in Massen angreifen.“ 47)

In der Luftabwehr sah Douhet wie auch in der Zuteilung von Luftkomponenten für Heer und Marine eine gefährliche und überflüssige Verzettelung materieller und operativer Kräfte: „Keine Luftabwehr, die im Ernstfall zwecklos wäre, keine Hilfsluftflotten, die im Ernstfall wertlos und überflüssig sind! Eine einheitliche Luftflotte, kombiniert aus allen Reserven, über die eine Nation verfügt.“ 48) Zwar maß er der „moralischen Rüstung der Bevölkerung“ 49) einen hohen Stellenwert zu, sah indes im Angriff die beste Verteidigung: „Das einzig wirksame Mittel, um Luftangriffe abzuwehren, ist daher (...) die Eroberung der Luftherrschaft, d.h. also, den Gegner am Fliegen zu hindern und sich selbst diese Fähigkeit zu bewahren.“ 50)

Das Ziel der Erringung der Luftherrschaft, die Strategie des Luftkrieges, war nach Douhet durch den kombinierten Einsatz von Explosiv-, Brand- und Gasbomben mit den folgenden Prinzipien, deren Reihenfolge und Wichtigkeit er nicht doktrinär priorisierte, zu erreichen: strategischer Luftkrieg gegen Industriezentren, Bevölkerungszentren und Stützpunkte der feindlichen Luftstreitkräfte; systemimmanente Notwendigkeit und Präferenz des Angriffskrieges ohne Kriegserklärung; Konzentration von Rüstungsanstrengungen und Doktrinen auf Luftstreitkräfte als eigenständiger Teilstreitkraft; Marginalisierung von Heer und Marine durch Zuweisung lediglich defensiver Funktionen sowie Verzicht auf kostenintensive erdgebundene statische und luftgestützte mobile Luftabwehr.

Dennoch war Douhet kein „Apostel“ der Vernichtung durch Luftangriffe: „Die Wahl der Ziele hängt von dem Zweck ab, den man verfolgt. Er ändert sich, hauptsächlich in der Reihenfolge der gewählten Zielarten nach wehrgeographischen, taktischen, ja sogar sozialen und nationalpsychologischen Momenten,“ 51) weshalb für ihn auch militärische und politische Führungs- und Kommandostrukturen zielführend waren, konnte man doch damit den Gegner „seines Gehirns und seines staatlichen Nervensystems“ 52) berauben.

Das Gesamtziel der Luftkriegführung war nach Douhet demnach ein politisches. Es galt, den Feind „zur Annahme eines bedingungslosen Friedens zu zwingen“53) Über die Intensität eines auf Zerstörung und Vernichtung angelegten Krieges war sich Douhet im Klaren. Er würde „durch die Zerschmetterung aller materiellen und moralischen Kräfte (…) unmittelbar und mit voller Wucht die weniger widerstandsfähigen Glieder der ringenden Völker treffen“ und damit aber „trotz seiner offensichtlichen Unmenschlichkeit im Grunde genommen weniger Blut kosten als beispielsweise der Weltkrieg.“ 54) Diese Auffassung belegte er damit, dass die Unfähigkeit der Regierung zum Schutz der eigenen Bevölkerung zu einem Kollaps geordneter staatlicher Zustände und damit zum Verlust der Kriegführungsfähigkeit führen würde.55)

Mit dieser gedanklichen Skizze für das später so bezeichnete „moral bombing“ - bei Douhet unter Einschluss der Verwendung von Giftgas - bewegte er sich allerdings außerhalb der Haager Landkriegsordnung von 1907, die u.a. in den Artikeln 22 und 23 ein „unbeschränktes Recht in der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes“ und „die Verwendung von Gift (...) die meuchlerische Tötung oder Verwundung von Angehörigen des feindlichen Volkes oder Heeres“ sowie den „Gebrauch von Waffen, Geschoßen oder Stoffen, die geeignet sind, unnötige Leiden zu verursachen“, verbot.56) Douhet ließ derartige Einwände indes nicht gelten.57) Zu gut war ihm bekannt, dass es gerade italienische Piloten waren, die bereits 1911 libysche Dörfer bombardierten.

 

Rezeption und Zweiter Weltkrieg

Es ist evident, dass nicht alle Neuerungen auf militärtheoretischem und funktional-praktischem Terrain auf einen Ursprung zurückzuführen sind. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die revolutionäre Dimension eines neuen Kriegsmittels so offensichtlich ist wie jenes der Eroberung der „dritten Dimension“ zu militärischen Zwecken. So hatten auch die USA mit William A. Mitchell (1879-1936) und dem Russland-Amerikaner Alexander P. Severesky (1894-1974), Großbritannien mit Hugh Trenchard (1873-1956) und die Sowjetunion mit Vasili V. Khripin ebenfalls Luftkriegstheoretiker der „ersten Stunden“ in ihren Reihen.58) Dennoch orientiert sich die Diskussion in aller Regel am ersten, den neuen Sachverhalt thematisierenden Werk. Je machtpolitisch relevanter die Nationalität des Autors, je präsenter die Sprache der Publikation, desto größer ist auch der Erfolg der „neuen Lehre“. Ihre Rezeption, Diskussion und (modifizierte) Akzeptanz in anderen Ländern unterliegt dabei genau den gleichen Herausforderungen wie im Herkunftsland.59) Die reflexartige Ablehnung durch die alten Eliten musste auch im Falle Douhets überwunden werden - in Italien, das in den 1920/30er-Jahren als eine führende europäische „Luftmacht“ galt,60) wie auch in den anderen Ländern, die über die Fähigkeit zur Aufstellung von Luftstreitkräften verfügten.

Gleichwohl gab es, obwohl in der „Zwischenkriegszeit“ die Kolonialmächte Luftstreitkräfte zur Gebietskontrolle einsetzten, gute Gründe für eine zögerliche internationale Rezeption: Douhet publizierte ausschließlich in italienischen Periodika - und v.a. schrieb er als italienischer General für die italienische Verteidigung bzw. Kriegführung der Zukunft. Seine geographische Basis war die einer in den mediterranen Raum reichenden Brücke, d.h. die einem natürlichen Flugzeugträger gleichende italienische Halbinsel mit den Alpen als statischer Grenze im Norden, die eine „natürliche Maginotlinie“ darstellten - sowohl französische als auch österreichische Kräfte konnten hier durch italienische Landstreitkräfte gebunden werden. Daraus erklärt sich auch die von Douhet für das Heer geforderte Defensive. Der Anspruch des faschistischen Italien auf das Mittelmeer als „mare nostrum“ macht den Verzicht Douhets auf die „Fliegerhilfswaffe“ bei Heer und Marine verständlich, da alle potenziell relevanten militärischen Ziele von Heer und Marine auch von der Halbinsel durch Luftstreitkräfte - erst recht bei einer für die Zukunft erwartbaren Steigerung des Einsatzradius - von ihren Landbasen aus erreichbar waren. Dies galt grundsätzlich auch für einen erneuten Krieg gegen Österreich. Zu gut waren Douhet noch die unzähligen Toten des alpinen Abnutzungskrieges gegen die k.u.k.-Monarchie während des Ersten Weltkrieges in Erinnerung, deren (rüstungs-) industrielle und logistische Basen - aus italienischer Perspektive - für die Landstreitkräfte unerreichbar hinter dem natürlichen Schutz der Alpen lagen.

Erst nach Douhets Tod wurden Übersetzungen seines Werkes in anderen Ländern publiziert - zunächst in Frankreich 1932,61) dann 1935 in Deutschland und 1942 in den USA.62) Dies führte zu der Behauptung, dass eine Rezeption Douhets international erst sehr spät, im Deutschen Reich sowie Großbritannien fast gar nicht stattgefunden habe63) und er somit „keinerlei praktischen Einfluss“ 64) besessen habe. Diese These ist jedoch nicht zwingend. Seine Kernthesen waren bereits früher durch auszugsweise Übersetzungen, Handbücher und Artikel sowohl in den USA als auch in Großbritannien bekannt.65) Eine im Jahre 1926 erfolgte Auswertung von ausländischen Publikationen bei der Reichswehr66) durch den Fliegerreferenten im Truppenamt der Heeresleitung sah die Möglichkeiten von Luftstreitkräften - eine Paraphrase der Überlegungen Douhets - darin, „den Krieg sogleich bis an die innersten politischen, moralischen, wirtschaftlichen und militärischen Kraftquellen heranzutragen ... (und) ... durch Stoß gegen die feindlichen Großstädte und Industriezentren, durch Kampf gegen die Rüstungsindustrie und Ernährungsbasis des Feindes, die moralische Widerstandskraft und den Kriegswillen des Gegners zu zerschlagen.“ 67)

Tatsächlich fanden beim Aufbau der deutschen Luftwaffe in den 1930er-Jahren viele Postulate „der damals viel diskutierten Theorien des italienischen Fliegergenerals Douhet über die strategische Luftkriegführung“ 68) Eingang in die L.Dv. 16 Luftkriegführung,69) die unter der Federführung von Generalmajor Wever, dem ersten Generalstabschef der deutschen Luftwaffe, 1936 veröffentlicht wurde: „Er ließ sich von der Douhet’schen Idee des Aufbaus einer vornehmlich aus schweren Bombern für den weitreichenden Luftkrieg bestehenden Luftwaffe befruchten.“ 70) Allerdings wurde hierbei die Terrorisierung der Bevölkerung ausdrücklich ausgenommen und im Sinne einer Priorisierung noch vor dem damals „operativer Luftkrieg“ genannten strategischen Bombenkrieg die Erringung und Erhaltung der Luftüberlegenheit sowie die Notwendigkeit einer Unterstützung von Heer und Marine als Hauptaufgaben der deutschen Luftwaffe aufgeführt.

Für das Deutsche Reich als zentraler europäischer Kontinentalmacht war eine Luftkriegführung, die auf strategische Nachhaltigkeit auf der Zeitachse ausgelegt war, jedoch in ihrer Abschätzbarkeit zu vage und aufgrund der Möglichkeit „konzentrisch geführter gegnerischer Luftangriffsschläge in einem Mehrfrontenkrieg“ 71) zu gefährlich, wenngleich für Wever feststand: „Die entscheidende Waffe eines Luftkrieges ist der Bomber!“ 72)

Eine „ironische Pointe“ in Bezug auf Douhet bestand in der ersten Phase des Zweiten Weltkrieges aus deutscher Perspektive darin, dass nicht zuletzt die gepanzerte Mechanisierung mit taktischer Luftnahunterstützung und operativer Abriegelung des Gefechtsfeldes durch Luftflotten zu Feldzug entscheidenden militärischen Instrumenten erwuchsen - also genau jene Teilaspekte, die Douhet als vernachlässigbar eingestuft hatte. Der als feste axiomatische Größe in Douhets Denkgebäude angenommene starre Frontverlauf des Ersten Weltkrieges auf dem Boden wurde durch die Entwicklung der Panzerwaffe sowie deren Führung durch Funk und der der Dynamik der Waffe angemessenen Auftragstaktik unterlaufen. Die deutsche Panzerwaffe hatte im Westen (1940) sowie im Osten (1939-41) einen kontinentalen Raum geschaffen, d.h., die Panzer haben für diese Phase des Krieges, aus deutscher Perspektive, eine kriegsentscheidende Rolle der strategischen Bomber zunächst scheinbar überflüssig gemacht.

Dies verleitete auf deutscher Seite zu der irrigen Ansicht, einen Weltkrieg auf sub-strategischer Ebene erfolgreich führen zu können: „Der Begriff des strategischen Luftkrieges existierte bis fast zum Kriegsende nicht in der offiziellen Befehlssprache.“ 73) Das operative Zusammenwirken insbesondere mit dem Heer führte zusammen mit „dem unklaren Gebrauch und der unterschiedlichen Interpretation des Begriffes“ 74) - neben anderen Friktionen - u.a. auch zu einer Ausblendung der luftstrategischen Perspektive: „The german capability to conduct long-range air operations of the sort that had any hope of producing desicions independently of surface forces was nil throughout the war.“ 75) Der Wirkungsmächtigkeit des ideologisch aufgeladenen industrialisierten Abnutzungskrieges entkam auch die Deutsche Luftwaffe nicht: „Trotz der Annahmen seiner Theoretiker vor 1939 glich der Luftkrieg schließlich und sonderbarerweise den schlimmsten Zermürbungsschlachten des Ersten Weltkrieges, nur dass es nun um das Zermürben von teuren Maschinen, von Offizieren und Besatzungen ging.“ 76)

 

Kritik

Trotz theoretischer Eingängigkeit wurde das Werk Douhets lange Zeit starker Kritik unterzogen: „The criticisms of Douhet’s theories are legion.“ 77) In der Tat unterliefen ihm bei der Berechnung von Bombenlasten und deren Sprengwirkung Rechenfehler, fürchtete er bei schlechtem Wetter und bei Geschwindigkeitsschwankungen eine Beeinflussung der Flugstabilität.78) Neben diese zeitgebundene, das Neue bekämpfende Kritik trat jene, die das Neue gar bestritt: „Douhet galt als zukunftsweisend, war aber tatsächlich ein Reaktionär der Taktik, da er die großen Trommelfeuer des Ersten Weltkrieges, die sich lediglich zerstörend ausgewirkt hatten, aus der Horizontalen in die Vertikale verlegte.“ 79) Die gravierendste Kritik bezog sich indes auf seine Abqualifizierung der Luftabwehr, d.h. Fliegerabwehr und Jäger, sowie die geforderte Abschaffung von „Flieger-Hilfswaffen“, d.h. Fliegerverbänden bei Heer und Marine.80)

Ein weiterer, großer Teil der Kritik erfolgte am kriegsgeschichtlichen Beispiel, wofür der Verlauf des Abessinienkrieges Italiens (1935-36)81) sowie der Spanische Bürgerkrieg (1936-39) und insbesondere der Zweite Weltkrieg auch jede Menge Anhaltspunkte lieferten.82) Insbesondere die Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg mit dem „moral bombing“ zeigte, dass es eben sehr viel eher zu einer Identifikation mit der eigenen Krieg führenden Regierung kam; auch der Bomber kam bei einer entsprechenden Koordination von Jägern und bodengebundener Luftabwehr nicht immer durch, wie dies der britische Erfolg in der „Luftschlacht um England“ zeigte - „the only clear-cut defensive air victory in history.“ 83) Großbritannien ersetzte die verlorene geographische Grenze des Ärmelkanals u.a. durch eine technische - Radar -, was zumindest für einen Zeitvorsprung bei der Abwehr während der „Luftschlacht um England“ genutzt werden konnte.84)

In der Euphorie seiner eigenen Überzeugungen ließ Douhet den Aspekt außer Acht, dass jeder neuen Offensivoption - das „Schwert“ - im Abstand einiger Zeit eine Defensivoption - der „Schild“ - folgte. Tatsächlich jedoch erkannte Douhet nicht die Funktion des Flugzeuges als integraler Bestandteil des industrialisierten und totalen Krieges, der, als ein „open-end-Prozess“, dessen rüstungswirtschaftlichen, technischen, strategischen und politischen Wechselwirkungen ausgesetzt war und somit eher zur Verschärfung der Totalität und Verlängerung als zur Abkürzung der Kriegsdauer beitrug. Die Kritik an den Überlegungen Douhets übersieht jedoch regelmäßig, dass die Regierungen ihre jeweiligen Luftstreitkräfte nicht - wie von ihm gefordert - in dem Maße aufgestellt und ausgerüstet hatten und seine Prinzipien unter den Bedingungen des Zweiten Weltkrieges daher nicht „erfolgreich“ waren respektive sein konnten.

 

Douhet-Renaissancen nach dem Zweiten Weltkrieg

Die „Lehre“ Douhets setzt auf politischer und militärischer Ebene eine Symmetrie der Macht voraus. Ihre Funktionalität konnte sie somit auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Denken Douhets in „totalen“ Kategorien diametral entgegenstehenden, zum Teil asymmetrischen Stellvertreterkriegen nicht „nachweisen“, da sich das strategische Gravitationszentrum nicht auf dem geographischen Kriegsschauplatz befand. So waren über lange Zeit des Koreakrieges nicht Nordkorea, sondern Moskau und Peking die strategischen Zentren. Im Vietnamkrieg waren die Moral des „gerechten Krieges“ sowie die dezentralen logistischen und militärischen Strukturen mit einem strategischen und moralischen Bombardement nicht zu erreichen bzw. zu zerstören.85) Im Gegensatz dazu war der Sechstagekrieg von 1967 aus Sicht der Luftkriegsstrategen ein militärischer Konflikt, der wie aus dem Schulbuch das Potenzial von Luftmacht aufzeigte - die sofort erreichte Luftüberlegenheit respektive Luftherrschaft ermöglichte die nahezu freie, in kurzer Zeit erfolgreiche israelische Operationsführung zu Lande.

Neben den Grenzen und Chancen konventioneller Luftkriegsoperationen lassen sich die zeitlose Bedeutung und dementsprechend folgenden Renaissancen des Gedankengebäudes von Douhet - ohne in ihm ahistorisch einen „Propheten des Atomzeitalters“ sehen zu dürfen - auf die Nuklearisierung der Sicherheitspolitik im „Zeitalter der Bombe“86) übertragen. In deren Diskussionsverlauf um die jeweils richtigen Strategieansätze für „The absolute Weapon“87) haben über Jahrzehnte Begriffe wie der präventive und präemptive Nuklearkrieg sowie die counter city strategy, d.h. der Einsatz von auch luftgestützten Nuklearwaffen gegen nicht-militärische Ziele, eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt.88)

Das grundsätzliche Potenzial der „dritten Dimension“ in den strategischen Optionen nach dem Wegfall des neben ideologischen Antagonismen auch auf machtpolitischen Rivalitäten beruhenden Ost-West-Konfliktes mit seinen Aggregatzuständen Kalter Krieg und Entspannung sowie die „westliche“ Überlegung, dass moderne, kinderarme Gesellschaften über technologische Überlegenheit die Ausübung von Luftmacht gegenüber bodengebundenen und potenziell verlustreicheren Einsatzszenarien den Vorzug geben, selbst wenn deren Synchronisation allein den unmittelbaren und langfristigen militärischen Erfolg sichern können, erklärt die Renaissancen des Ansatzes von Douhet vornehmlich im Umfeld des Golfkrieges von 199189) und danach in den USA, die als einzige Nation derzeit in der Lage sind, strategische Luftmacht global zu projizieren.90)

 

Fazit

Das Douhets strategischer Philosophie zugrunde liegende Gedankengebäude war zwar revolutionär, jedoch nicht einzigartig. Große Teile seiner Überlegungen waren bereits in der Smuts-Denkschrift vom 17. August 1917, d.h. während des Ersten Weltkrieges, antizipatorisch niedergelegt worden: „As far as can at present be foreseen there is absolutely no limit to the scale of its future independent war use. And the day may not be far off when aerial operations with their devastation of enemy lands and destruction of industrial and populous centres on a vast scale may become the principal operations of war, to which the older forms of military and naval operations may become secondary and subordinate.“ 91)

Vor diesem Hintergrund erscheint es zumindest unredlich, Douhet posthum stets gebetsmühlenhaft Vorhaltungen über Rechenfehler und die den traditionellen Teilstreitkräften zugewiesene Nachrangigkeit zu machen. Auch mit dem „Argument Geschichte“, d.h. dem Nichtzutreffen seiner „Prophezeiungen“ im Zweiten Weltkrieg, wurde er von (Militär-) Historikern, Kriegs- und Strategiewissenschaftlern „in der Luft“ zerrissen.

Dennoch bestehen daneben auch ausgewogene Urteile, die die Bedeutung Douhets in weitere Perspektiven militärstrategischer Theoriebildung einordnen: „Considering that it took over two thousand years of warfare on land and sea to produce Henri de Jomini, Carl von Clausewitz, and Alfred Thayer Mahan, we should not be overcritical of the airman who began writing a theory of air war scarcely one decade after the invention of the airplane.“ 92)

Tatsächlich war Douhet wie alle militärischen Denker und Pragmatiker vor und nach ihm - mochten sie sich selbst und ihre neuen Ansätze auch stets als einzigartig und „ewig“ einstufen - Kinder ihrer Zeit: einerseits geprägt von den den eigenen Erlebnis- und Erfahrungshorizont begrenzenden politisch-gesellschaftlichen, sozio-kulturellen sowie strategischen und technischen Rahmenbedingungen und andererseits bestrebt, diese in der jeweiligen Gegenwart für die Zukunft „zu überwinden“. Aber wer wie Douhet ein „strategisches“ Ziel hat, wird die bisherigen „Hauptkriegsschauplätze“, d.h. die dominante Rolle von Heer und Marine, zu „Nebenkriegsschauplätzen“ degradieren müssen, um die Relevanz des neuen Gedankengutes medial eingängig und wirkungsmächtig platzieren zu können.

Vor dem Erfahrungshintergrund des vorangegangenen Ersten Weltkrieges wollte sich Douhet die Hoffnung auf einen schnellen militärischen Sieg im Zukunftskrieg durch die permanente Mobilisierung der Wehrkraft eines Staates erkaufen, der im Frieden mit starken Luftstreitkräften „toujours en vedette“ zu sein hatte. Durch die Herauslösung aus der genuin militärstrategischen Perspektive Italiens erklärt sich die Theorie-immanente Einseitigkeit seiner Lehre - erst so wurde sie zum „Douhetismus“. Ihre Adaption für andere Mächte mit anderen sicherheits- und militärpolitischen Rahmenbedingungen war jedoch nur mit Abstrichen umzusetzen. So hatten zum Beispiel die USA im Zweiten Weltkrieg zwei transozeanische Kriege zu führen. Sie waren daher auf eine starke, die Kriegführung erst ermöglichende maritime Komponente angewiesen.

Selbst wenn seine Prophezeiungen sich im Zweiten Weltkrieg als nicht zutreffend erwiesen haben, so waren sie in den Luftkriegsplanungen zu Beginn des Nuklearzeitalters wieder en vogue, wie das Diktum des US-amerikanischen Strategiewissenschaftlers Brodie zu Beginn der 1960er-Jahre verdeutlicht: „Douhet’s thoughts are for any unlimited war more valid today than they were during his lifetime or during World War II.“ 93) Dies zeigt, wie schnell „alte“ Theorien - als nicht zu vernachlässigender Gedankenvorrat - nach einem sicherheitspolitischen Paradigmenwechsel plötzlich an Aktualität gewinnen können.

Entscheidend war, ist und bleibt folglich, wie ein neuartiger Denkansatz weiterentwickelt wird. Die Ziele seiner strategischen Bombardements waren jene, die zur damaligen Zeit von vitalem Interesse der Krieg führenden Nationen waren. Zielsetzungen, Mittel und Methoden unterliegen indes dem Wandel - sie hätten sich aber auch schon zu Zeiten Douhets unter dem Begriff „center of gravity“ zusammenfassen lassen können. Die Verhinderung der multiplen Dimensionen von Potenzialentfaltung des Gegners ist auch heute noch die - „negative“ - Zielsetzung von „Luftmacht“, wobei, bedingt durch Präzisionswaffen, die Zerstörungskraft gegenüber dem effektbasierten Einsatz in den Hintergrund rückt. „Positive“ Luftmacht wird in diesem idealiter multilateral abgestimmten Prozess „militärischer Diplomatie“ immer stärker zu einem unmittelbaren politischen Instrument, ohne indes eine Garantie für eine endgültige Entscheidung bereit zu halten. Massive Luftschläge mit „Kollateralschäden“ - insbesondere an der „Medienfront“ - sind in der Gegenwart, wie zuletzt auch das Vorgehen Israels im Libanon 2007 und im Gaza-Streifen 2008/09 gezeigt hat, aus Rücksichtnahme auf die quasi-legitimatorische öffentliche (Welt-) Meinung im CNN-Zeitalter undenkbar geworden sowie aus Gründen politischer und wirtschaftlicher Wiederaufbauleistungen nach dem Konflikt militärisch und politisch kontraproduktiv. Dass politische und terroristische Akteure im Nahen und Mittleren Osten für die Durchsetzung ihrer Ziele Verluste in der eigenen Bevölkerung durch gegnerische Luftschläge bewusst in ihr Kalkül einbeziehen, war für Douhet noch unvorstellbar, wenngleich er bereits die grundsätzliche Fragestellung parat hatte: „Das Studium des politischen Einflusses dieser neuen Waffe wäre allein schon interessant.“ 94)

 


ANMERKUNGEN:

1) Giulio Douhet: Luftherrschaft, Berlin 1935, S.59.

2) Vgl. Knox MacGregor/Murray Williamson (Hrsg.): The Dynamics of Military Revolutions 1300-2050, Cambridge 2001.

3) Vgl. nun Beatrice Heuser: Den Krieg denken. Die Entwicklung der Strategie seit der Antike, Paderborn 2010.

4) Vgl. Frédéric Guelton: Das Problem der mechanisierten Kriegführung in Frankreich 1917 bis 1940. In: Gerhard P. Groß (Hrsg.): Führungsdenken in europäischen und nordamerikanischen Streitkräften im 19. und 20. Jahrhundert, Hamburg, Berlin, Bonn 2001 (=Vorträge zur Militärgeschichte Bd. 19), S.191-208, hier S.199.

5) Artikel 198: „Deutschland darf Luftstreitkräfte weder zu Lande noch zu Wasser als Teil seines Heerwesens unterhalten.“ Reichsgesetzblatt 1919, S.1333-1349.

6) Vgl. Heinz-Ludger Borgert: Grundzüge der Landkriegführung von Schlieffen bis Guderian. In: MGFA (Hrsg.), Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939, 6. Band, München 1983, S.427-584, hier S.529-584.

7) Vgl. Azar Gat: British Armour Theory and the Rise of the Panzer Arm. Revising the Revisionist, Houndsmill/Basingstoke/New York 2000; ders., Liddell Hart’s Theory of Armoured Warfare: Revising the Revisionists. In: Strategic Studies 1 (1996), S.1-30 und ders., Fascist and Liberal Visions of War. Fuller, Liddell Hart: Douhet and other Modernists, Oxford 1998.

8) Giulio Douhet: Il dominio dell’aria, 2. Aufl. Rom 1927. Die 1927 erschienene Auflage seines Werkes war die Grundlage der deutschen Übersetzung: Luftherrschaft, Berlin 1935; dieser Übersetzung sind die nachfolgenden Zitate übernommen.

9) Vgl. Jehuda L. Wallach: Kriegstheorien. Ihre Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1972 mit dem Kapitel 15: Douhet: Der Prophet der Luftstreitkraft, S.328-342, hier S.328.

10) Zur Biografie vgl. Phillip S. Meilinger: Giulio Douhet and the Origins of Airpower Theory. In: ders. (Ed.), The Paths of Heaven. The Evolution of Airpower Theory, Maxwell Air Force Base (Alabama) 1997, S.1-40, hier S.1-8; Edward Warner: Douhet, Mitchell, Seversky: Theories of the Air Warfare. In: Edward Mead Earle (Ed.): Makers of Modern Strategy. Military Thought from Machiavelli to Hitler, 7. Aufl. Princton 1961, S.485-503, hier S.487-489 sowie Frank Joseph Capelluti: The Life and Thought of Giulio Douhet, Rutgers University 1967.

11) Zur zeitgenössischen Diskussion aus italienischer Perspektive vgl. Giulia Brogini Künzi, Die Herrschaft der Gedanken. Italienische Militärzeitschriften und das Bild des Krieges. In: Stig Förster (Hrsg.): An der Schwelle zum totalen Krieg. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft 1919-1939, Paderborn 2002 (=Krieg in der Geschichte Bd. 13), S.37-111 sowie Giorgio Rochat: Douhet and the Italian Military Thought. In: Colloque International, hrsg. v. Institut d’Histoire des Conflits Contemporains, Paris 1984, S.19-31.

12) Vgl. Alfred Thayer Mahan: Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte: 1660-1812, Herford 1967.

13) So Douhet im Dezember 1928, zit. nach Wallach: Kriegstheorien, S.328.

14) Douhet, S.24.

15) Zit. nach Douhet, S.70.

16) Vgl. Bernd Lemke: Luftschutz in Großbritannien und Deutschland 1923 bis 1939. Zivile Kriegsvorbereitungen als Ausdruck der staats- und gesellschaftspolitischen Grundlagen von Demokratie und Diktatur, München 2005.

17) Zit. nach Hans Rühle/Michael Rühle: Der Bomber kam nicht immer durch. In: FAZ vom 11. Juli 2000, S.10.

18) Vgl. hierzu den Tagungsband Aniello Gentile (Ed.): La Figura E L’Opera Di Giulio Douhet, Neapel 1988.

19) Alain Vuitel: Doktrin und Technologie: Zwillings- oder Halbschwestern. In: Air Power Revue (Der Schweizer Armee) Nr. 3, Dezember 2004, S.5-15, hier S.12.

20) Vgl. Bernhard Rieger: Technology and the Culture of Modernity in Britain and Germany 1890-1945, Cambridge 2005, Felix Philipp Ingold: Literatur und Aviatik. Europäische Flugdichtung 1909-1927. Mit einem Exkurs über die Flugidee in der modernen Malerei und Architektur, Basel/Stuttgart 1978 sowie grundsätzlich George L. Mosse: Das Bild des Mannes. Zur Konstruktion der modernen Männlichkeit, Frankfurt/M. 1997.

21) Vgl. Azar Gat: Futurism, Proto-Fascist Italian Culture and the Sources of Douhetism. In: War & Society 15 (1997), S.31-49.

22) Filippo Tommaso Marinetti: Das Manifest des Futurismus, Pkt. 9. In: Le Figaro, Paris, 20. Februar 1909.

23) Markus Pöhlmann: Von Versailles nach Armageddon: Totalisierungserfahrung und Kriegserwartung in deutschen Militärzeitschriften. In: Förster (Hrsg.): Schwelle zum totalen Krieg, S.323-391, hier S.367.

24) Ernst Jünger in der Einleitung zu ders. (Hrsg.): Luftfahrt ist Not!, Leipzig, Nürnberg 1929, S.11f.

25) Vgl. H.G. Wells: The War in the Air, London/New York 1908 und R.P. Hearne: Aerial Warfare, London/New York 1909.

26) Tami Davis Biddle: Air Power Theory: An analytical narrative from the first World War to the Present. In: J. Boone Bartholomees Jr. (Ed.): Theory of War and Strategy (Vol. I) U.S. Army War College Guide to National Security Issues 2008, S.263-294, hier S.268.

27) Douhet, S.66f.

28) Douhet, S.15.

29) Vgl. Roger Chickering/Stig Förster (Eds.): Great War, Total War: Combat and Mobilization on the Western Front. 1914-1918, Cambridge University Press 2006.

30) Douhet, S.16.

31) Douhet, S.67.

32) Douhet, S.17.

33) Vgl. hierzu grundlegend Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt/M. 1967.

34) Douhet, S.17.

35) Douhet, S.25.

36) Douhet, S.26.

37) Künzi: Herrschaft der Gedanken, S.82 unter Bezugnahme auf Douhet, Strategia aerea. Il principo fondamentale. In: Rassegna dell’Esercito Italiano REI 4 (1923), S.43-57.

38) Tami Davis Biddle: Air Power Theory, S.268.

39) Douhet, S.44.

40) Douhet, S.69.

41) Douhet, S.17.

42) Douhet, S.14.

43) Douhet, S.17.

44) Douhet, S.45.

45) Douhet, S.43.

46) Douhet, S.82.

47) Douhet, S.80.

48) Douhet, S.76.

49) Douhet, S.74.

50) Douhet, S.71.

51) Douhet, S.44.

52) Douhet, S.45.

53) Douhet, S.24.

54) Douhet, S.51.

55) Vgl. Douhet, S.49f.

56) Haager Abkommen betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges (IV. Haager Abkommen) vom 18.10.1907; aus RGBl. 1910, S.107.

57) Vgl. Douhet, S.67.

58) Vgl. William A. Mitchell: Winged Defence - The Development and Possibilities of Modern Air Power, Economic and Military (1925), Hugh Trenchard: Air Power (1946), Alexander P. Severesky: Victory through Air Power (1942). Mitchell wurde indes unterstellt, wesentliche Thesen Douhets gekannt und paraphrasiert zu haben, vgl. Raymond R. Flugel: United States Air Power Doctrine: A Study of the Influence of William Mitchell and Giulio Douhet at the Air Corps Tactical School 1921-1935, University of Oklahoma 1966. Von Khripin ist kein geschlossenes Werk überliefert, vgl. jedoch Kenneth R. Whiting: Soviet Aviation and Air Power under Stalin. 1928-1941. In: Robin Higham (Ed.): Soviet Aviation and Air Power. A Historical View, Boulder, Col., London 1978, S.47-67, hier S.51 und S.63 sowie Olaf Groehler: Geschichte des Luftkrieges 1910-1980, Berlin (Ost) 1981, S.130-133 und S.167.

59) Vgl. hierzu die die Diskussionen in militärischen Periodika der Zwischenkriegszeit auswertenden Beiträge aus französischer, britischer, belgischer und deutscher Perspektive in Förster (Hrsg.): Schwelle zum totalen Krieg.

60) Vgl. Lucio Ceva/Andrea Curami: Luftstreitkräfte und Luftfahrtindustrie in Italien, 1936-1943. In: Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich, im Auftrag des MGFA hrsg. v. Horst Boog: Herford 1993 (=Vorträge zur Militärgeschichte Bd. 12), S.113-136, hier S.113f.

61) Douhet: „La Guerre de l’Air“. Les Ailes, Paris 1932.

62) Douhet: The Command of the Air, New York 1942.

63) Vgl. Meilinger: Douhet, S.32 und Robin Higham: The Military Intellectuals in Britain 1918-1939, New Brunswick, N.J. 1966, S.257-259.

64) So die unzutreffende Position von Liddell B. Hart: Geschichte des Zweiten Weltkrieges Bd. 2, Düsseldorf, Wien 1972, S.808.

65) Vgl. Meilinger: Douhet, S.33; Warner, Douhet, Mitchell, Seversky, S.489 und Brigadier General Tulasne: The Air Doctrine of General Douhet. In: Royal Air Force Quarterly 4 (April 1933), S.164-167 oder L.E.O. Charlton: Air Warfare. In: Royal Air Force Quarterly 7 (April 1936), S.152-168.

66) Vgl. Ernst Willi Hansen: „Moderner Krieg“ im Schatten von Versailles. Die „Wehrgedanken des Auslandes“ und die Reichswehr. In: MGFA (Hrsg.), Politischer Wandel, organisierte Gewalt und nationale Sicherheit. Beiträge zur neueren Geschichte Deutschlands und Frankreichs, München 1995 (=Beiträge zur Militärgeschichte Bd. 50), S.193-210.

67) Zit. nach Klaus A. Maier: Totaler Krieg und operativer Luftkrieg. In: MGFA (Hrsg.), Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent (=Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg Bd. 2), Stuttgart 1979, S.43-69, hier S.43f.

68) Völker: Die deutsche Luftwaffe 1933-1939, S.29; vgl. zudem Bernhard Heimann/Joachim Schunke: Eine geheime Denkschrift zur Luftkriegskonzeption Hitler-Deutschlands vom Mai 1933. In: Zeitschrift für Militärgeschichte (3. Jahrgang) 1/1964, S.72-86, Wissen und Wehr. Monatsschrift der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften, Elftes Heft, November 1935, S.800 sowie Bernard Brodie: Strategy in the Missile Age, 2. Aufl. Princton 1960, S.75.

69) Vgl. Horst Boog: Die deutsche Luftwaffenführung 1935-1945. Führungsprobleme, Spitzengliederung, Generalstabsausbildung, Stuttgart 1982 (=Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte Bd. 21), S.124f. und S.164-172.

70) Boog: Deutsche Luftwaffenführung, S.165.

71) Völker: Die deutsche Luftwaffe 1933-1939, S.71.

72) Zit. nach Maier: Totaler Krieg, S.45. Der Vortrag Wevers bei der Eröffnung der Luftkriegsakademie und Lufttechnischen Akademie in Berlin-Gatow am 1. November 1935 ist abgedruckt in Boog, Deutsche Luftwaffenführung, S.631-635.

73) Boog: Deutsche Luftwaffenführung, S.542f.

74) Boog: Deutsche Luftwaffenführung, S.152.

75) David MacIsaac: Voices from the Central Blue: Theorists of Air Power. In: Peter Paret (Ed.): Makers of Modern Strategy from Machiavelli to the Nuclear Age, Princton 1986, S.624-647, hier S.637.

76) Williamson Murray: Der Luftkrieg von 1914 bis 1945, Berlin 2000, S.131.

77) Phillip S. Meilinger: The Historiography of Airpower: Theory and Doctrine. In: The Journal of Military History 64 (April 2000), S.467-502, hier S.472.

78) Vgl. Wallach: Kriegstheorien, S.338f., der hier Bezug nimmt auf Brodie: Strategy in the Missile Age, S.88-90 sowie Meilinger: Douhet, S.21f.

79) J.F.C. Fuller: Die entartete Kunst Krieg zu führen 1789-1961, Köln 1964, S.264.

80) Vgl. Wallach: Kriegstheorien, S.333.

81) Vgl. Giulia Brogini Künzi: Italien und der Abessinienkrieg 1935/36. Kolonialkrieg oder Totaler Krieg?, Paderborn 2006 und Aram Mattioli: Entgrenzte Gewalt. Der italienische Giftgaseinsatz in Abessinien 1935-1936. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 51/2003, S.311-337 sowie ders., Experimentierfeld der Gewalt. Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935-1941, Zürich 2005.

82) Vgl. Das Deutsche Reich in der Defensive. Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien 1943 bis 1944/45, i.A. des MGFA hrsg. v Horst Boog, Gerhard Krebs, Detlef Vogel, Stuttgart 2001 (=Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg Bd. 7) sowie Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich, im Auftrag des MGFA hrsg. v. Horst Boog: Herford 1993 (=Vorträge zur Militärgeschichte Bd. 12).

83) Meilinger: Douhet, S.24.

84) Vgl. grundsätzlich Georg Schmucker: Radartechnik in Großbritannien und Deutschland von 1918-1945. In: Technik und Kultur, Band 10, Düsseldorf 1992, S.379-398 sowie Ian Kershaw: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41, 2. Aufl. München 2008, S.25-76 und Klaus A. Maier: Die Luftschlacht um England. In: MGFA (Hrsg.), Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, S.375-408.

85) Vgl. Bruce E. Bechtol: Paradigmenwandel des Kalten Krieges: Der Koreakrieg 1950-1953. In: Bernd Greiner/Christian Th. Müller/Dierk Walter (Hrsg.): Heiße Kriege im Kalten Krieg. Hamburg, 2006, S.141-166; Conrad Crane, American Airpower Strategy in Korea 1950-1953, University Press of Kansas 2000; Bruce Cumings, Der Vernichtungsfeldzug der US AIR FORCE. Napalm über Nordkorea. In: Le Monde diplomatique Nr. 7536 vom 10.12.2004 sowie Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam, Hamburg 2007.

86) Vgl. Michael Salewski (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute, München 1995.

87) Vgl. Bernard Brodie (Ed.): The absolute Weapon. Atomic Power and World Order, Harcourt 1946.

88) Vgl. Heuser: Den Krieg denken, die in Kap. V., S.337-416 „Luftmacht- und Nuklearstrategie“ für die Zeit nach 1945 - als nicht getrennt zu denkend - in einem Kapitel zusammen abhandelt.

89) Vgl. John F. Jones: Giulio Douhet Vindicated: Desert Storm 1991. In: Naval War College Review 45 (Autumn 1992), S.97-101 und Air Vice-Marshall R. A. Mason: The Air War in the Gulf. In: Survival 33 (3), May/June 1991, S.211-229, hier S.225: „The Gulf war marked the apotheosis of twentieth century air power“.

90) Vgl. Phillip S. Meilinger: Giulio Douhet and Modern War. In: Comparative Strategy 12 (July-September 1993), S.321-338 sowie Vuitel: Doktrin und Technologie, S.11 und Silvanus T. Gilbert: What will Douhet think of next?: An Analysis of the Impact of Stealth Technology on the Evolution of Strategic Bombing Doctrine, Maxwell AFB, AL 1993.

91) Zit. nach Brodie: Strategy, S.71.

92) Meilinger: Douhet, S.34.

93) Brodie: Strategy, S.73.

94) Douhet, S.70.