„Zieh mich nicht unüberlegt und bring mich nicht ohne Ehre zurück!" Maximilian Freiherr von Wimpffen (1770-1854)

Hubert Michael Mader

 

In Deutsch-Wagram ist der Degen des Generals Maximilian von Wimpffen zu besichtigen, dessen Klinge die eingravierten französischen Worte zieren: „Zieh mich nicht unüberlegt und bring mich nicht ohne Ehre zurück!“ [1]) Dieser Wahlspruch prägte das ganze Leben dieses bedeutenden Offiziers der altösterreichischen Armee und reicht weit über die Napoleonische Zeit bis in unsere Tage herein. Im folgenden Artikel soll eine kurze Biografie Wimpffens wiedergegeben und anschließend die für Österreich bedeutende Schlacht von Aspern am 21./22. Mai 1809 kurz umrissen werden.

 

1. Das Geschlecht der Wimpffen

Der Ursprung des Geschlechtes der Wimpffen oder Wümpffen lässt sich bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts urkundlich zurückführen, als Dagobert von Wümpffen die beiden Neckarstädte „Wimpfen am berge“ und „Wimpfen im tale“ dem Hochstift Worms um 1.300 Mark Silber unter der Bedingung verkaufte, dass sein Bruder Arnold von Wümpffen Bischof von Worms werde (was 1044 tatsächlich eintrat). Die „Wimpffen“ traten demzufolge als schwäbisches Geschlecht in Erscheinung, das zur reichsunmittelbaren Ritterschaft des Kantons Ortenau zählte. Die ersten Adels- und Wappenbriefe dieses Hauses reichen in das Jahr 1375 zurück, der nächste stammt vom 15. August 1555. Am 13. November 1658 in den Freiherrenstand erhoben, wurde dieser mit Diplom vom 19. Oktober 1781 für Franz Ludwig von Wimpffen und seine drei Brüder Stanislaus, Christian und Georg bestätigt. Darüber hinaus erfolgte die Erhebung von Franz Karl Eduard Wimpffen, dem Sohn von Franz Ludwig, am 8. April 1797 in den Reichsgrafenstand.[2])

Die männlichen Mitglieder des Hauses Wimpffen widmeten sich vorwiegend dem Waffendienst, und zwar „mit einem Glanz und Ruhme, wie er in den österreichischen Adelsfamilien wohl immer, nur nicht so häufig vorkommt“. Dies galt nicht nur für jene, die in den österreichischen Heeren kämpften, sondern ebenso auch für die, die in Armeen anderer Staaten dienten. Hingegen erscheint die Kirche für die Wimpffen als „eine wenig begehrenswerte Stätte“, in der nur wenige den Aufstieg zu Ämtern und Ehren suchten. Dagegen zeigten die meisten Mitglieder des Geschlechts ein lebhaftes Interesse für Kunst und Wissenschaft, ein Verlangen, „die Welt zu sehen“. Wobei Letzterem die Wahl des Kriegerstandes sehr entgegenkam. So fanden auch in den Salons des Maximilian von Wimpffen jene, die sich der Literatur und Wissenschaft widmeten, rege Aufnahme.[3])

 

2. Maximilian von Wimpffen (1770-1854)

2.1. Seine Jugend bis zum Türkenkrieg 1789

Maximilian Freiherr von Wimpffen wurde am 19. Februar 1770 zu Münster in Westfalen geboren. Er trat als Sohn des k. k. Feldmarschall-Leutnants Georg Siegmund am 1. Mai 1781 in die Wiener Neustädter Akademie ein, aus der er am 1. November 1786 als Fahnenkadett bei der Clerfait-Infanterie Nr. 9 eingeteilt wurde. Bereits im nächsten Jahr kam er als Fähnrich zur Alvinczy-Infanterie Nr. 19, wo er sich während des Türkenkrieges in den Jahren 1788/1789 mehrmals auszeichnete.[4])

Noch im Verlauf des Feldzuges zum Leutnant befördert, beteiligte er sich am Sturm auf die Festung Belgrad (30. September 1789) an der Spitze von Freiwilligen, die zuerst in die Stadt eindrangen. Ein Steinsplitter verwundete Wimpffen am linken Fuß, setzte ihn aber nicht außer Gefecht. So verwendete ihn Graf Kolowrat, sein Kommandant, noch weiterhin zu mehreren wichtigen wie auch gefahrvollen Aufträgen. An diesem bedeutenden Tag zog der junge Offizier „durch seinen Mut, unermüdete Tätigkeit und praktische Anwendung der erworbenen militärischen Kenntnisse zuerst die Aufmerksamkeit auf sich“. Aufgrund seines ausgezeichneten Dienstes während des Türkenkrieges erfolgte hierauf seine Beförderung zum Oberleutnant im Grenadierbataillon Morzin.[5])

 

2.2. Die Franzosenkriege

Die Revolution in Frankreich und die daraus folgenden Unruhen in Belgien bedeuteten für die Truppen, unter denen sich auch Wimpffen befand, den Befehl, in die österreichischen Niederlande vorzurücken und von dort unter Feldzeugmeister Clerfayt nach Frankreich vorzudringen. Der daraus folgende Feldzug in der Champagne pouilleuse gestaltete sich als überaus beschwerlich; nicht nur wegen der sich bewaffnet erhebenden Franzosen, sondern es fehlte auch an der Versorgung mit wichtigen Gütern, zudem herrschte ein sechswöchiges ununterbrochenes Herbst-Regenwetter.[6]) Nach der Schlacht von Jemappes, an der Wimpffen nur gering beteiligt war, sah sich das österreichische Heer gezwungen, bis fast an den Rhein zurückzuweichen und Winterquartier zu beziehen.[7])

 

2.1.1. Die Schlacht von Neerwinden

Im Feldzug des Jahres 1793 nahm Wimpffen mit einer Kompanie in der Schlacht von Neerwinden das Dorf gleichen Namens ein, eroberte zwei Geschütze und rückte bis an das äußerste Ende des Ortes vor. Hier befand er sich indessen nahe am rechten Flügel der hinter Neerwinden in Schlachtordnung aufgestellten französischen Armee, und im Kampf mit einer weitaus überlegenen französischen Kolonne, ohne Unterstützung sich selbst überlassen, musste er schließlich den Rückzug antreten. Dabei verwundete eine Gewehrkugel Wimpffen am rechten Fuß, und er fiel in Kriegsgefangenschaft. Nun ließ Wimpffen seine Kontakte spielen, die sich ihm aufgrund der weiten Verzweigung seines Geschlechts boten. Er berief sich auf seinen Onkel, den französischen General Felix Wimpffen, und erreichte damit, dass ihn General Dumouriez nach sechs Wochen wieder in Freiheit setzte.[8])

 

2.1.2. Die Schlacht von Loano

Zum Kapitänleutnant befördert, wurde Wimpffen im Jahre 1795 von den Grenadieren weg versetzt und nach Italien überstellt. Bei der Schlacht von Loano oblag ihm die Verteidigung der auf dem äußersten linken Flügel am Meer gelegenen Stadt.[9]) Obgleich diese Aufgabe einen wichtigen Stützpunkt der Armee betraf, hatte Wimpffen nur ungenügende Mittel zur Verfügung. Er konnte aber alle vom Feind gegen die Stadt unternommenen Angriffe zurückschlagen und selbst einige Ausfälle befehlen. Erst als der allgemeine Rückzug der Armee angeordnet wurde, räumte auch Wimpffen die Stadt. Mit Beginn des Jahres 1796 erschien der Flügeladjutant Major Malcamp, der nach Voltri bei Genua zwecks Führung der französischen Korrespondenz beordert war, und bewog Wimpffen, mit ihm in das Hauptquartier zu kommen. Dort wurde er dem Feldzeugmeister Beaulieu zur Dienstleistung zugeteilt, kurz danach zum Hauptmann im Generalquartiermeisterstab ernannt.[10])

 

2.1.3. Die Treffen am Mincio, an der Brenta und bei Arcole

In dem am Mincio 1796 vorgefallenen Treffen verlor Wimpffen ein Pferd und wurde durch zwei Bajonettstiche verwundet. Der kommandierende General jedoch sowie die Kriegskasse wie auch das Hauptquartier in Valeggio konnten durch Wimpffen und eine von ihm eilends zusammengewürfelte Truppe gerettet werden.[11]) Nach der Übernahme des Armeekommandos durch Feldmarschall Wurmser hatte Wimpffen das Glück, dass er sich bei dessen zweitem Versuch, Mantua zu entsetzen, gerade unter dem Kommando von Feldzeugmeister Alvinczy befand und bei den Kämpfen an der Brenta (6. und 12. November 1796) zum Siege beitragen konnte.

In der, um es wörtlich zu zitieren, „für die österreichischen Waffen zwar unglücklichen, aber dennoch, nach den Relationen des Feindes selbst, sehr ruhmvollen Schlacht von Arcole“,[12]) die vom 15.-17. November 1796 stattfand, hielt sich Wimpffen als einziger dirigierender Offizier des Generalquartiermeisterstabes bei der linken Hälfte der Armee auf. Diese hatte sich während der zwei Tage an der Schlacht mit meist glücklichem, aber nicht entscheidendem Erfolg beteiligt.[13])

 

2.1.4. Die schwere Verwundung im Kampf bei Tauffers

Im Folgenden wurde Wimpffen nach Tirol versetzt und mit der Oberleitung der Generalquartiermeisterstabsgeschäfte bei Feldmarschall-Leutnant Bellegarde betraut, der hier ein starkes Armeekorps befehligte. Im Verlauf des Winters 1798 verschanzte er eine Stellung bei Feldkirch mit solcher Festigkeit, dass sie im Frühjahr 1799 einem dreitägigen Angriff der Franzosen unter Marschall Massena standhielt. Im Rahmen einer Bereisung der westlichen Landesgrenze, die Wimpffen mit Bellegarde unternahm, erhielten sie in Mals die Kunde, dass General Laudon,[14]) dem die Verteidigung des Passes bei Tauffers mit einem Korps anvertraut war, überfallen, sein Korps zerstreut und größtenteils in Gefangenschaft geraten war.

Wimpffen brach sogleich auf, um mit in der Eile unterwegs aufgebrachten Truppen Abteilungen anzugreifen, die Laudon in den Rücken gekommen waren. Bei einem dieser Angriffe „wurde er aber durch einen Schuss, der ihm das rechte Achselgelenk gänzlich zerschmetterte, schwer verwundet, so dass er nur mit Mühe bis Botzen gebracht werden konnte, wo er einige Monate zwischen Leben und Tod schwebte.“ [15]) Dem Tod entronnen, erfuhr Wimpffen aufgrund seiner Tapferkeit noch im Laufe des Jahres seine Beförderung zum Major im Generalquartiermeisterstab und erhielt die Tapferkeitsmedaille von den Tiroler Landständen überreicht.[16])

In dem Werk „Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder“ steht über Wimpffen und dessen Meisterung seines schweren Handicaps zu lesen: „Bei Wimpffen drängt es uns, ganz besonders die heroische Selbstüberwindung und Festigkeit zu erwähnen, die er seinen riesigen Schmerzen gegenüber bewiesen. Wir müssen gestehen, dass in der Geschichte unserer, wie fremder Heere, bei der großen Menge tapferer, ja wundervoller Taten, solche Züge von Energie des Geistes und des Körpers immerhin seltener bleiben.“ [17])

Im Frühjahr 1800 begab sich Wimpffen zur Ausheilung seiner Absplitterung nach Baden bei Wien. Feldzeugmeister Alvinczy, der kommandierende General in Ungarn, trug ihm eine leichtere Anstellung bei seinen Truppen an, doch ohne Erfolg. Wimpffen lehnte eine Versetzung schon insofern ab, da diese für ihn einen Rückzug vom unmittelbaren Feindkontakt bedeutet hätte. Vielmehr begab er sich in das Hauptquartier nach Verona und unter das Kommando des Feldzeugmeisters Graf Bellegarde.[18]) Dieser beauftragte ihn mit den Diensten eines Flügeladjutanten. In dieser Funktion trug Wimpffen „’den rechten Arm in der Schlinge (denn das Achselgelenk war zerschmettert und die Splitter hafteten noch zum Teile im Fleische)’, ließ sich aufs Pferd heben und lernte mit der linken Hand schreiben“.[19])

 

2.1.5. Die Schlacht am Mincio

Dem nicht genug, nahm er an der Schlacht am Mincio teil und erhielt an der Seite Bellegardes eine Schussverletzung am linken Arm, die ihn aber nicht außer Gefecht setzen konnte. Wimpffen wurde zum Oberstleutnant befördert und erhielt den Auftrag, sich 1801 zur Übernahme des 3. Bataillons der Ignaz Gyulai-Infanterie nach Semlin zu begeben, von wo er schließlich nach Peterwardein versetzt wurde, wo seine Achselgelenkwunde zuheilte. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass sein Gelenk zerschmettert war, und Wimpffen musste sich damit abfinden, dass er am rechten Arm gelähmt blieb.[20])

 

2.1.6. Die Schlacht von Austerlitz

Bei der Einführung des neuen Militär-Administrationssystems wurde Wimpffen zum Generalkommando-Adjutanten und Militärreferenten Innerösterreichs ernannt. In den Jahren 1803 und 1804 blieb er auf diesem Posten in Graz. In Jahr 1805 wurde Wimpffen zum Oberst befördert, wandte sich aber vergebens an den Hofkriegsrat, um eine Versetzung zur Armee von Erzherzog Karl zu erreichen. Nach den Niederlagen von Ulm und Mariazell erfolgte durch den Kriegsminister Graf Latour die Weisung an ihn, sich sofort zum Hauptquartier von Kaiser Franz in Olmütz zu begeben, wo er das Referat bei einem aus mehreren Generälen zur Oberleitung der Kriegsoperationen zusammengesetzten Komitee übernahm, im Weiteren, um zwei Positionen bei Olmütz zu verschanzen.

Schließlich erhielt Wimpffen den Auftrag, die Geschäfte des Generalstabes[21]) beim russischen Heer unter Kutusow[22]) zu übernehmen. Sein Vorgänger, General Weyrotter, ignorierte indessen die neue Kompetenzverteilung, und Wimpffen war sich bewusst, dass dieser sowohl das Vertrauen von Zar Alexander als auch von Kaiser Franz besaß. Wimpffen trug den Gegebenheiten Rechnung und stellte sich unter das Kommando des Feldmarschalls Fürst Liechtenstein, der das gesonderte österreichische Korps befehligte.[23])

Wimpffen setzte nun alles daran, die Schlacht gegen Napoleon Bonaparte zu verschieben, bis die erwarteten Verstärkungen eingetroffen wären. Er bewog den Fürsten Liechtenstein, dem Kaiser eine Denkschrift zu überreichen, in der er darstellte, wie gefährlich es sei, eine Schlacht zu riskieren, ehe die erwarteten russischen Verstärkungen eingetroffen und die Verbindung mit der aus Italien bei Ödenburg angelangten Armee des Erzherzogs Karl hergestellt wäre. Aber Wimpffen stieß auf taube Ohren, genauso wie seine Versuche vergebens waren, Weyrotter persönlich vom jetzigen denkbar ungünstigen Termin für eine Schlacht zu überzeugen. Doch damit nicht genug: Jenem operativen Fehler folgte ein schwerer taktischer, wobei Wimpffen diesen zwar erkannte, sich jedoch abermals gegen die Führung der alliierten Kräfte nicht durchsetzen konnte. Beauftragt mit der Führung der Hauptkolonne, stellte er einen Voraustrupp, der das Gelände auskundschaften sollte. Dieser zeigte ihm an, dass ein Korps von 30.000 bis 40.000 französischen Soldaten gegen den Fuß der Anhöhen von Pratzen vorrückte, um diese zu besetzen. Wimpffen erkannte diesen als den wichtigsten Punkt des ganzen Schlachtfeldes und forderte sofort Kutusow auf, diese Höhe noch vor dem Gegner zu gewinnen. Doch auch diesmal verhallte sein Rat ungehört, und später, während der Schlacht, gab es blutige und verlustreiche Kämpfe um den Besitz jener Anhöhe, die für die Österreicher letzten Endes vergeblich blieben. Wimpffen beteiligte sich an diesen Gefechten mit vollem Einsatz, dabei wurde ihm ein Pferd unter dem Leib getötet, und er selbst erlitt Schussverletzungen in die rechte Hand sowie in das Gelenk der rechten Fußes. Außer Gefecht gesetzt, musste er das Schlachtfeld verlassen.[24])

Die Schlacht von Austerlitz selbst entwickelte sich zu einer vernichtenden Niederlage für die russisch-österreichischen Truppen. Es fällt in den Bereich der Spekulationen, was geschehen wäre, hätte man Wimpffens Ratschläge berücksichtigt. Im April 1806 erkannte ihm das Kapitel des Militär-Maria-Theresien-Ordens für seine Leistungen in dieser Schlacht einstimmig das Ritterkreuz zu.

 

2.1.7. Die Marchfeldschlachten von 1809

Die Schlachten bei Aspern und Wagram wurden bereits von der Literatur detailliert wiedergegeben.[25]) Im Rahmen dieses Artikels ist weder Platz noch Raum, auf jene Ereignisse mehr als nur sehr oberflächlich einzugehen.

Wimpffen wurde zunächst auf seinen früheren Posten in Graz zurückversetzt, aber noch im Jahr 1806 erfolgte seine Berufung zum Generaladjutanten des Generalissimus Erzherzog Karl, ferner zur Übernahme der Geschäfte bei der General-Militärdirektion in Wien. Im Oktober 1807 hatten französische Truppen Portugal besetzt, 1808 folgte Spanien. Napoleon wollte die Spanier mit einer „modernen Monarchie“ unter seinem Bruder Joseph „beglücken“. Am 2. Mai 1808 folgte in Madrid durch die Truppen des Generals Murat ein Gemetzel unter der Zivilbevölkerung. Eine allgemeine Erhebung war die Folge, wobei die ständigen Massaker der Franzosen brutale Gegenaktionen der Spanier hervorriefen. Napoleon musste nach andauernden Niederlagen seiner Besatzungsmacht mit 150.000 Mann die Pyrenäen überschreiten und persönlich in die Kämpfe eingreifen. Eine endgültige „Befriedung“ des Landes verhinderte jedoch das Rüsten Österreichs, und der Korse kehrte im Jänner 1809 nach Paris zurück. Dazu hielt der berühmte preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz in seiner Schrift „Der russische Feldzug 1812“ fest: „Der österreichische Feldzug von 1809 hat Spanien gerettet, weil er ihn daran gehindert hatte, die Engländer aus Portugal zu vertreiben. Seitdem war er dort in einem Verteidigungskrieg verfallen, der ihn ungeheure Kräfte kostete, ihn gewissermaßen an einem Arm lähmte. ... [26])

Bei Ausbruch des Krieges von 1809 erledigte Wimpffen zunächst die Generaladjutantengeschäfte bei der Hauptarmee. Schwere Fehler der Führung des Generalstabes hatten die Niederlage bei Regensburg und Landshut zur Folge, wobei Wimpffen, der sich (wiederum) bei dem Gefecht von Hausen und in der Schlacht vor Regensburg vergebens für einen glücklicheren Erfolg einsetzte, zwei Pferde unter dem Leib getötet wurden.

Nach der Schlacht vor Regensburg, während des Rückzugsmarsches der Armee über Budweis, wurde Wimpffen durch ein Handbillet des Kaisers zum Chef des Generalstabes[27]) ernannt. Wenig später erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor.[28]) Währenddessen rückte Napoleon stetig vor und zog in Wien als Sieger ein.

Erzherzog Karl bestand auf eine klare Kompetenztrennung bei der militärischen Führung. Es lag am Kommandierenden, einen Entschluss zu fassen, sich während der Schlacht am Übersichtspunkt aufzuhalten und den Kampf zu leiten. Der Chef des Generalstabes arbeitete den Entschluss allgemein verständlich aus, begab sich jeweils an Punkte, wo es der Kampf erforderte, und sollte alles daransetzen, die Durchführung der Weisungen des Kommandierenden zu erleichtern.[29]) Dabei sollte er dasjenige selbst erledigen, was kein anderer (Unterstellter) für ihn erledigen konnte. Mit anderen Worten, seine Aufgabe bestand auch darin, die Kunst des Delegierens von Aufgaben zu beherrschen und richtig anzuwenden. Der Chef des Generalstabes müsse hingegen Grundsätze aufstellen und dürfe die Übersicht über das Ganze nicht verlieren.[30])

Auf Wimpffen trifft daher voll zu, was über die Funktion eines Generalstabschefs einst mit ausschmückenden Worten geschrieben wurde: „Bekanntlich beruht es in der eigentümlichen Stellung der obersten Offiziere des Generalstabes, dass das, was sie im großen zu der Entscheidung beitragen, in dem Schlachtgemälde, zu dem sie meist die kräftigsten Farbtöne geben, von dem ganzen zu unzertrennbar aufgenommen wird, um sich - gleich dem Anteile der Führer kleinerer Heerteile - für die vereinzelte Darstellung zu eignen. Doch zur reichsten Entschädigung gehen die Namen solcher Männer in dem Gefolge der unsterblichen Feldherren, deren Absichten sie fördern, auch auf die spätere Nachwelt über.“ [31]) Bei Wimpffen zeigte sich dies v.a. während der Kämpfe von Aspern, aber auch in der Schlacht von Wagram, an deren Niederlage sich die von ihm konzipierte Aufstellung der Armee wohl schuldlos zeigte.

Es war ursprünglich ein bevorzugter Plan von Erzherzog Karl, im Angesicht von Wien einen Übergang über die Donau vorzunehmen und Napoleon eine Entscheidungsschlacht am rechten Donauufer zu liefern. Wimpffen legte nun dem Erzherzog die Grundsätze für das weitere Vorgehen vor, riet von einem Donauübergang der Österreicher entschieden ab und vertraute auf eine Schlacht am nördlichen Donauufer. Wimpffen begründete dies folgendermaßen: „Wenn die Franzosen die Schlacht verlieren, so ist die Erbitterung des Landvolkes, auf deren Wirkung jedoch erst nach einem glücklichen Erfolg zu rechnen ist, die französische Armee gewiss ganz aufgerieben. Er setzt hiebei alles, wir nur einen Teil aufs Spiel; gingen wir jetzt über die Donau, so wäre der Fall umgekehrt, der Kaiser von Österreich könnte gar nicht mehr unterhandeln und die ganze Monarchie wäre erobert. Fabius rettete Rom, Daun Österreich, nicht durch Eile, sondern durch Zaudern. Diese Beispiele müssen wir nachahmen und den Krieg nach unserem Muster führen, das ganz für unsere dermalige Lage und die Verfassung unserer Armee passt. Unsere Hilfsmittel sind groß, wir sind nahe bei ihnen, der Feind entfernt von den seinigen.

Wir schützen durch die Behauptung des linken Donauufers den bei weitem größeren Teil der Monarchie; bei einem Tausch des Ufers würden wir unendlich verlieren. Unsere Armee kann sich aus ihren Depots beträchtlich und mehr verstärken; Napoleon erwartet nur noch 12.000 Sachsen unter Bernadotte; die italienischen drei Divisionen werden dem EH Johann auf ihrem Zuge in die Hände fallen.

Wir benötigen die Ressourcen des linken Donauufers für unsere Armee, das rechte könnte sie uns nicht liefern. Unsere Kavallerie ist geschwächt, die Pferde entkräftet, die Artillerie und das Fuhrwesen äußerst schlecht bespannt und das letzte ohne Obsicht, ein Drittteil unserer Infanterie ist unexerziert, die Mannschaft durch immerwährende Märsche erschöpft, viele Generale und Stabs-Offiziere mangeln, Ordnung und Disziplin ist zerrüttet; benutzen wir schnell diese Schäferstunde, um alles mit äußerster Tätigkeit herzustellen, lauern wir auf die schnelle Benutzung der angezeigten Augenblicke, bereiten wir hiezu alle Anstalten insgeheim [32])

Aufgrund einer fälschlichen Meldung von General d. Kavallerie Hiller meinte Wimpffen, die Franzosen befänden sich nach ihrer Donauüberschreitung auf dem Weitermarsch nach Hirschstetten. Er bewog Erzherzog Karl, den von ihm erstellten Entwurf „Disposition zum Angriff auf die zwischen Groß-Aspern und Eßling übergesetzten und gegen Hirschstätten in Marsch befindlichen Teile der feindlichen Armee“ nun in die Tat umzusetzen. Dessen Hauptabsicht war es, den Gegner über die ersten Donauarme zurückzuwerfen, die Donaubrücken zu zerstören und das Ufer der Lobau mit Artillerie zu besetzen.[33])

Auf die einzelnen Etappen in der Schlacht bei Aspern und Eßling soll im Weiteren, wie angedeutet, verzichtet werden. Es sei nur erwähnt, dass für den Korsen das Halten seiner Stellungen am Nordufer der Donau an den Besitz der beiden Dörfer Aspern und Eßling gebunden war. Die österreichischen Truppen wiederum verstärkten die Bemühungen, diese Stützpunkte einzunehmen. Bei den blutigen Kämpfen um Aspern wurden Angriffe der französischen Kürassiere von österreichischer Infanterie abgewehrt, die es zuwege brachte, „erst auf 15 Schritt ihre Gewehrsalven abzugeben und die weiteren Durchbruchsversuche mit dem Bajonett abzuwehren“. Dies aber bedeutete ein militärhistorisches Novum, „als seitdem feststand, dass sich auch der wuchtigste, mit Todesmut ausgeführte Reiterangriff an unerschütterter und abwehrbereiter Infanterie brechen musste“.[34]) Anders ausgedrückt: Sowohl die Infanterie als auch die Artillerie waren jene entscheidenden Waffengattungen, durch die Kämpfe entschieden wurden. Auch am nächsten Tag entstanden besonders blutige Kämpfe um den Besitz der beiden Dörfer. Die Generäle Hiller wie auch Massena blieben sich in den Kämpfen um Aspern an gegenseitiger Verbissenheit nichts schuldig. Der Ort verwandelte sich dabei in ein Ruinenfeld.

Hiller berichtete später von der entscheidenden Rolle der Artillerie in den Kämpfen: „Nur durch die Hilfe meines Artilleriefeuers verschaffte ich mir so viel Zeit, die Garden insolange von dem weiteren Vordringen zurückzuhalten, bis ich die Truppen zum Angriff formiert hatte. Mit Haubitzen ließ ich dann während der Kanonade und dieser Vorbereitung noch vollends Aspern und die umliegenden Scheunen anzünden und in diesem Feuer wurde der allgemeine Angriff auf Aspern zum 6. Mal mit aller Wut angefangen. In einer Stunde war ich wieder, und zwar das 6. Mal, Meister von Aspern.“ [35]) Innerhalb eines Tages wechselte das Dorf neunmal seinen Besitzer.

Im Verlauf der verlustreichen und zersplitterten Kämpfe vom 21./22. Mai machten sich bei Napoleons Soldaten wie auch bei den Österreichern Kampfesmüdigkeit und auch der Mangel an Munition, bemerkbar. Um der Gefahr einer allgemeinen Auflösung entgegenzusteuern, scheuten der Korse wie auch sein Gegenspieler nicht davor zurück, sich selbst den größten Gefahren auszusetzen, da sie den Truppen ein Beispiel geben und ihnen auf diese Weise neuen Halt verleihen wollten. Mit deren Ende hatte Napoleon seine Truppen wieder ans rechte Donauufer zurückgenommen und zugleich die erste Niederlage seines Lebens hinnehmen müssen (auch wenn er sie in verschiedenen Stellungnahmen später zu verharmlosen trachtete).

In seiner „Relation“ über den Erfolg der Schlacht hielt Erzherzog Karl indessen ausdrücklich fest, „dass er in den einsichtsvollen Dispositionen und der rastlosen Verwendung“ seines Chefs des Generalquartiermeisterstabs, Generalmajor von Wimpffen, „die erste Grundlage des Sieges“ sehe. Noch auf dem Schlachtfeld verlieh er Wimpffen das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens.[36])

Über das faktische Ergebnis seines Sieges gibt es die verschiedensten Meinungen. Erzherzog Karl hatte, bekräftigt durch Wimpffen, dem Vorschlag seiner Generäle eine Abfuhr erteilt, nun die Lobau unter starkes Artilleriefeuer zu nehmen und seinerseits die Donau zu überqueren. Vielmehr baute der Erzherzog auf die Hoffnung, Napoleon würde nach seiner Niederlage und dem damit verbundenen Prestigeverlust Verhandlungen aufnehmen. Dies sollte sich allerdings als Trugschluss erweisen.[37]) Ob hier der Kommandierende und sein Chef des Generalquartiermeisterstabs letzten Endes einen fatalen Irrtum in der Beurteilung der Lage begingen, bleibt dahingestellt. Eines sollten wir uns aber vor Augen halten: Die relativ hohen Verluste hatten beide Armeen mit ihren Kräften ans Ende gebracht. Dies sowie der Mangel an Munition verhinderte neben anderen Faktoren, dass Erzherzog Karl seinen Sieg weiter ausnützen und die Franzosen aus Wien verdrängen konnte.[38])

Die Sternstunde der österreichischen Armee bei Aspern wie auch der persönliche Höhenflug Wimpffens fanden zunächst ihr abruptes Ende. Napoleon bot den Österreichern erneut eine (Entscheidungs-)Schlacht bei Deutsch-Wagram (5./6. Juli 1809) an. So kam es nordöstlich von Aspern zu einem abermaligen Kräftemessen, wobei wiederum Wimpffen erneut als Generalquartiermeister fungierte. Es endete mit einer Niederlage der Österreicher, die das Schlachtfeld „zwar besiegt, aber nicht überwunden“ zurückließen.[39]) Es folgten noch am 11. Juli das Gefecht von Znaim und der darauf folgende Waffenstillstand, der am 14. Oktober zum Frieden von Schönbrunn führte, bei dem sich Österreich harten Bedingungen unterwerfen musste.

Es blieb für die Österreicher die schmerzliche Erkenntnis, dass die Habsburgermonarchie allein und auf sich gestellt nicht in der Lage war, dem militärischen Genie Napoleons die Stirn zu bieten. Erzherzog Karl - dessen Warnungen, der Krieg von 1809 komme noch zu früh, vergebens waren - legte (auf Drängen des Kaisers) das Amt als Generalissimus nieder. Nachdem er zurückgetreten war, folgte ihm auch Wimpffen und trat von seiner Funktion als Generalquartiermeister zurück.[40])

Die nach der Armeereform Erzherzog Karls in Massen statt in Linien (das heißt wesentlich dichter formierte) österreichische Infanterie erwies sich in der Schlacht auf freiem Felde als nahezu gleichwertig. Das aber bedeutet, dass die Schlacht von Deutsch-Wagram, wenn man so will, einen Wendepunkt in der europäischen Kriegführung schlechthin brachte. „Alle weiteren Schlachten Napoleons (1812-15) werden im Wesentlichen nur mehr durch massiven Einsatz von Material, nicht aber durch soldatische Tugenden, geniale Taktik oder Strategie entschieden werden.“ [41]) Mit anderen Worten: Die Massenkriege des 20. Jahrhunderts warfen damit ihre Schatten voraus.

 

2.1.8. Die Zeit bis 1815

Wimpffen wurde nun als Brigadier nach Böhmen und Polen versetzt, ehe er endlich nach Siebenbürgen kam, wo er die Jahre 1810-1812 verweilte. In diese Phase fiel auch der Versuch Zar Alexanders, ihn durch den damaligen Generaladjutanten de Witt nach Russland zu holen, wo er unter den günstigsten Bedingungen als Generalleutnant an der Seite des Kriegsministers[42]) fortan fungieren sollte. Aber Wimpffen lehnte dieses Anerbieten ab.[43])

Zum Feldmarschall-Leutnant befördert, nahm Wimpffen mit einer Division an der Völkerschlacht von Leipzig teil, übersetzte 1814 mit der Armee den Rhein und nahm an mehreren Gefechten auf französischem Boden teil. Am 2. April 1814 nahm er im Tal der Isère ohne Auftrag die verschanzte Stellung eines feindlichen Korps ein.[44]) Im Jahr 1815 leistete er der Krone einen sehr wichtigen Dienst, da mit der im Dezember erfolgten Besetzung von Landau später Bayern für Salzburg und das Innviertel[45]) entschädigt werden konnte.[46])

Wimpffen konnte als mehrfach dekorierter Offizier auf die Zeit der Franzosenkriege zurückblicken. Neben dem Militär-Maria-Theresien-Orden als höchster (alt-)österreichischer Tapferkeitsauszeichnung erhielt er den kaiserlich-russischen St. Annen-Orden 1. Klasse verliehen, weiters das Großkreuz des großherzoglichen hessischen Ludwigs-Ordens. Schließlich erhielt Wimpffen auch das Kommandeurkreuz des Konstantin-St. Georgs-Ordens.[47])

 

2.2. Die Jahre bis zu seinem Lebensende

In den Jahren 1816-1819 weilte er als Militärkommandant von Österreichisch-Schlesien in Troppau, 1820 übernahm er das Generalkommando in Venetien. Gleich darauf brach die Revolution in Piemont aus. Wimpffen entsandte - aus Eigenem, ohne irgendeinen Befehl erhalten zu haben - in Eilmärschen zwölf Bataillone nach Mailand, weil der dortige Feldmarschall-Leutnant Bubna im Begriffe war, bei Annäherung des revolutionären piemontesischen Heeres aus Mangel an Truppen seine Verbände zurückzunehmen. Dabei riskierte es Wimpffen, dass er Venetien nahezu gänzlich von eigenen Truppen entblößte. Nun sah sich Bubna imstande, von Mailand gegen Novara vorzurücken und das überraschte piemontesische Heer seinerseits zum Rückzug zu zwingen. Für diesen Erfolg erbat sich Bubna vom Kaiser eine Auszeichnung Wimpffens, dem die Würde eines geheimen Rates verliehen wurde.[48])

Im Jahr 1824 erfolgte die Berufung Wimpffens als Chef des Generalquartiermeisterstabes nach Wien, 1830 wurde er zum Feldzeugmeister und kommandierenden General in Österreich ernannt. Nach 14-jähriger Leitung dieser Stelle ersuchte Wimpffen um die Versetzung in den Ruhestand, da er sich gesundheitlich nicht mehr in der Lage fühlte, seine Position hundertprozentig zu erfüllen. Dies wurde ihm gewährt, und in Anerkennung einer fast 60-jährigen ausgezeichneten Dienstzeit sowie 20 mitgemachter Feldzüge wurde er 1844 zum Feldmarschall und Kapitän der ersten Arcieren-Leibgarde erhoben. Darüber hinaus, würdigte Kaiser Franz Joseph die hohen Verdienste des tapferen Soldaten durch Verleihung des Goldenen Vlieses am 5. Dezember 1852.[49]) Diese Ordensverleihung hob ihn zugleich von seinem Geschlecht hervor, da diese Ehre der Hof nur souveränen Mitgliedern bzw. Mitgliedern der ersten und ältesten Adelsfamilien des Reiches zusprach.

 

2.3. Wimpffen und Pargfrieder

Wimpffen bewohnte mehr als 30 Jahre hindurch in Wien ein und dasselbe Haus des Besitzers Gottfried Josef Pargfrieder, eines Industriellen und Unternehmers, der den berühmten „Heldenberg“ bei Wetzdorf[50]) entstehen ließ. Dadurch entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden. Eines Tages ersuchte dieser seinen langjährigen Mieter um die Gunst, testamentarisch zu bestimmen, dass er nach seinem Tod in der Gruft auf dem Heldenberg bestattet werde. Wimpffen sagte zu, und so ruhen die Leichname Wimpffens, Radetzkys (+1858) und Pargfrieders (+1863) in einer Gruft.[51])

Dazu müssen wir festhalten, dass Wimpffen als General repräsentieren und in seinem Haus verschiedene Persönlichkeiten empfangen musste (oder durfte), was wiederum mit großen finanziellen Aufwendungen verbunden war. Dies spielte eine Rolle dabei, dass er zur Regelung verschiedener finanzieller Engpässe diese Testamentsbestimmung zugunsten Pargfrieders unterschrieb.[52]) Pargfrieder hatte sich stets an militärischen Fragen sehr interessiert gezeigt und bewunderte die Generäle Radetzky und Wimpffen. Auf diese Weise bahnten sich zwischen den drei Männern Verbindungen an, die wohl gleichermaßen von freundschaftlichen wie geschäftlichen Aspekten geleitet wurden.[53])

Noch ein Weiteres: Pargfrieder betätigte sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als führendes Mitglied des Geheimbundes der Rosenkreuzer.[54]) Zwischen Rosenkreuzern und Freimaurern kam es immer wieder zu Verschmelzungen bzw. traten einzelne als Mitglieder beider Vereinigungen in Erscheinung.[55]) Es wird vermutet, dass Wimpffen wie auch Radetzky gleichfalls zum Kreis der Rosenkreuzer-Bewegung gezählt haben. Wobei das fast schon Kuriose an dem Ganzen ist, dass die Rosenkreuzer ebenso wie Freimaurer von Staats wegen verboten waren.[56])

 

2.4. Wimpffens Beziehungen zur Militärakademie in Wiener Neustadt

Wimpffens Initiative ist es auch zu verdanken, dass dem bedeutenden Oberdirektor und eigentlichen Reformator der Wiener Neustädter Militärakademie, Franz Joseph Graf Kinsky, im Park der Anstalt ein Denkmal errichtet wurde. Schon im Jahr 1808 hatte er seine „Erziehungsgenossen“ aufgerufen, ihren Beitrag zum Gelingen des Denkmalprojekts beizusteuern. Doch erst am 4. Oktober 1830 (also 22 Jahre später!) wurde das Denkmal enthüllt, dessen hohes Brustbild aus Kanonenmetall auf einem marmornen Fußgestell ruht.[57])

Die Wiener Neustädter Militärakademie feierte später die Ernennung Wimpffens zum Feldmarschall, er war der Erste aus ihren Reihen, der die höchste militärische Würde erreichte. Die Akademie-Direktion rief ihren Zöglingen ins Gedächtnis, „dass diese allerhöchste Beförderung, welche die Armee mit einem allgemeinen Gefühle der wärmsten Teilnahme erfüllte, ein ganz besonders freudiges und erhebendes Ereignis für die Akademie sei, da Wimpffen ein Zögling derselben ist und durch seine seltenen Eigenschaften und umfassendsten militärischen Kenntnisse das vollkommene Vorbild eines Kriegers und Generals gibt“.[58])

 

2.5. Wimpffen als Mensch

Einer seiner Biographen charakterisiert Wimpffen in wörtlicher Wiedergabe wie folgt: „Mit allen Kenntnissen der höheren Taktik und Strategie verband er viel Dispositionsfähigkeit und ein scharfes, richtiges coup d’oeil, daher auch alle von ihm eingeleiteten Gefechte und Schlachten, insbesondere jene von Aspern, einen ruhmvollen Erfolg hatten. Er wurde zu wiederholten Malen zum Chef des Generalquartiermeisterstabes ernannt und immer an der Spitze solcher Anstellungen verwendet, welche die größte Tätigkeit, besonderen Nachdruck und gründliche Kenntnisse in Anspruch nahmen. Von jeder Eitelkeit weit entfernt, glaubte er sich stets durch das eigene Bewusstsein hinreichend belohnt, ohne je nach Orden oder Beförderung zu haschen. Mit einem lebhaften Temperamente verband er Strenge im Dienst, unerschütterliche Gerechtigkeitsliebe, das lebhafteste Wohlwollen für seine Untergebenen, ein besonderes Zartgefühl und viel Gemütlichkeit. Sehr uneigennützig und wohltätig im Verhältnis seiner Mittel, sammelte er kein Vermögen. Von jedem Stolz oder Hochmut befreit, genoss er einen Grad achtungsvoller Ergebenheit und freiwilliger Unterwerfung, welcher die genaueste Befolgung aller Anordnungen vollkommen sicherte, und alle, die unter ihm bei den beiden Generalkommanden, denen er längere Zeit vorstand, dienten, erschöpften sich in nicht hervorgerufenen Äußerungen von Zufriedenheit. Obgleich von Wunden und Kriegsfatiguen herrührende anhaltende Leiden ihm die letzten Jahre seines Daseins verbitterten, verließ ihn die Lieblingsgewohnheit einer ausgebreiteten Gastfreundschaft nicht. Allein hierin bestand auch sein einziges Vergnügen, indem der so herabgekommene Gesundheitszustand ihn an dem Genusse jeder sonstigen Unterhaltung gänzlich hinderte. Er blieb daher auf die größte Zurückgezogenheit beschränkt. Erinnerungen an die zahlreichen großen welterschütternden Ereignisse einer längst vergangenen, so viel bewegten Zeit beschäftigten seinen Geist, angenehme auserlesene Lektüre und Besuche von Freunden erheiterten ihn, und überschritt mit Mut und Ergebung den Übergang, der zur Unsterblichkeit führt.“ [59])

Diese blumige Charakteristik des 19. Jahrhunderts trifft sicherlich einige der wesentlichen Eigenschaften Wimpffens, wenngleich in ausgesprochen stilisierter Art und Weise. Wimpffen kommt wohl dem Idealbild des Offiziers im 19. Jahrhundert ziemlich nahe. Eine eiserne Treue zum österreichischen Kaiser und zur Habsburgermonarchie als das „große“ Vaterland beseelte ihn, von der er auch nicht abrückte, als ihm der russische Zar ein verlockendes Angebot für einen Wechsel in seine Dienste anbot. Wimpffen besaß reiche Kenntnisse in taktischen wie operativen Fragen. Mit diesen Eigenschaften erfüllte er vorzüglich die Funktion eines Offiziers des Generalquartiermeisterstabes bzw. als dessen Chef.

Wimpffen trat als hoher Offizier der „zweiten Reihe“ in Erscheinung, das heißt, es war ihm nicht bestimmt, als Feldherr im Sinne eines Erzherzogs Karl oder später eines Radetzkys glorreich in Erscheinung zu treten. Viele seiner Beiträge zur Entscheidung von Schlachten geschahen jenseits des öffentlichen Interesses. Auch sind vom ihm kaum schriftlich festgehaltene Erfahrungen - die er als langjähriger Offizier im Generalstab und wiederholt als dessen Chef in reichem Ausmaß hatte - vorhanden. Nur einmal ließ er, freilich anonym, seine Zurückhaltung fallen und trat mit der Flugschrift: „Warum benützten die Oesterreicher den Sieg von Aspern zu keiner offensiven Operation auf das rechte Donauufer?“ [60]) in Erscheinung. Darin begründet er die defensive Haltung, die das österreichische Heer nach der Schlacht von Aspern gezeigt hatte.[61])

Wimpffen war die militärische Tugend persönlicher Tapferkeit in mehr als außerordentlichem Maße eigen. Schon als Leutnant zeigte er eine ausnehmende Bravour in der Schlacht, die ihn zeit seines Lebens nicht verlassen sollte. Nach seiner schweren Verletzung warf sich Wimpffen erst recht in den Kampf und trotzte verbissen den Schmerzen der alten wie auch neuen Verwundungen. Vielleicht war es dieser Heldenmut, der heute Wimpffen als einen signifikanten Vertreter des Offiziersstandes schlechthin erscheinen lässt. Seine unerschütterliche Tapferkeit zeigte sich beispielsweise während der Schlacht von Austerlitz: Ungeachtet aller offensichtlichen Ignoranz der Vorgesetzten bewies sich Wimpffen als ausgesprochen mutiger Soldat.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Tapferkeit, Loyalität, Entschlossenheit und Autorität sind jene entscheidenden Merkmale, die einen guten Offizier ausmachten und wohl stets ausmachen werden. Wimpffens Tapferkeit steht außer Zweifel, ebenso seine Loyalität gegenüber seinem Kriegsherrn. Im Sinne eines Offiziers der neuen Stunde zeigte sich Wimpffen entschlossen, seinem Scharfblick zu folgen. Dabei war er durchaus bereit, das Leben seiner Truppen wie auch sein eigenes aufs Spiel zu setzen. Die vielen Beispiele für Bravour haben indessen mit Draufgängertum und Hasardspiel nichts gemein. Dies zeigt sein Verhalten bei Austerlitz oder Aspern.

Zusammengefasst lässt sich sagen: „Maximilian Freiherr von Wimpffen war ein glänzender Soldat, mutig und äußerst tapfer im Gefecht, gewandt in der Stabsarbeit und dem Adjutantendienst, von Untergebenen wie auch Vorgesetzten stets hoch geachtet.“ [62])

 

ANMERKUNGEN:



[1]) Hubert Gundolf: Um Österreich!/Schlachten unter Habsburgs Krone, Graz-Stuttgart: Leopold Stocker Verlag, 1995, S.219.

[2]) Vgl. Johann Svoboda: Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener Neustadt und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage, Bd. 1, Wien: k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1894, S.184f.

[3]) Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 56, Wien: k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1888, S.237.

[4]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.252.

Vgl. hier und im Folgenden auch: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 43, Leipzig: Verlag von Duncker & Humblot, 1898, S.327ff.

[5]) Wurzbach, 56/1888, S.252f.

[6]) Vgl. Jaromir Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder/Nach authentischen Quellen bearbeitet, Wien: k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1857, S.871.

[7]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.253.

[8]) Vgl. Hirtenfeld, 1857, S.871f.

[9]) Wimpffen diente damals unter dem österreichischen Oberbefehlshaber Feldzeugmeister Graf von Wallis. - Vgl. Jeans-Florian Ebert: Die Österreichischen Generäle 1792-1815/Feldmarschall Freiherr von Wimpffen, unter URL: http://www.napoleon-online.de/AU_Generale/html/wimpffen.html [23.7.2008].

[10]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.253ff.

[11]) Vgl. Hirtenfeld, 1857, S.872.

[12]) Wurzbach, 56/1888, S.254.

[13]) Vgl. Hirtenfeld, 1857, S.872f.

[14]) Ein Neffe des berühmten Feldmarschalls.

[15]) Hirtenfeld, 1857, S.873.

[16]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.255. - Vgl. Jeans-Florian Ebert: Die Österreichischen Generäle 1792-1815/Feldmarschall Freiherr von Wimpffen, unter URL: http://www.napoleon-online.de/AU_Generale/html/wimpffen.html [23.7.2008].

[17]) Hirtenfeld, 1857, S.873.

[18]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.255.

[19]) Hirtenfeld, 1857, S.874.

[20]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.255.

[21]) Ider damaligen Bezeichnung: Chef des Generalquartiermeister-Stabes.

[22]) Michael Laurionowitsch Golenitschew Kustusow (1745-1813), General der Infanterie und russischer Oberbefehlshaber.

[23]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.255f.

[24]) Vgl. Svoboda, 1894, S.183.

[25]) Vgl. z.B. Maximilian von Hoen: Krieg 1809, Bd. 4, Wien: L. W. Seidel & Sohn, 1910; Manfried Rauchensteiner: Die Schlacht von Aspern am 21. und 22. Mai 1809, Wien: Bundesverlag, 19864 (= Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 11); Plischnack, 2009, S.94ff.

[26]) Vgl. Alfred Plischnack: Gott erhalte!/Wendepunkt 1809; Österreichs Sieg über Napoleon; Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815, Wien: Verlagsbuchhandlung Stöhr, 2009, S.63ff.

[27]) In der damaligen Bezeichnung: Chef des Generalquartiermeisterstabes.

[28]) Wurzbach, 56/1888, S.256.

[29]) Vgl. Oskar Regele: Generalstabschefs aus vier Jahrhunderten/Das Amt des Chefs des Generalstabes in der Donaumonarchie; Seine Träger und Organe von 1529 bis 1918, Wien-München: Verlag Herold, 1966, S.89.

[30]) Vgl. Regele, 1966, S.89.

[31]) Hirtenfeld, 1857, S.875.

[32]) Feldakten 1809 - Hauptarmee 13/28, zit. nach: Plischnack, 2009, S.94.

[33]) Vgl. Plischnack, 2009, S.96f.

[34]) Ebenda, S.11.

[35]) Zit. nach: Ebenda, S.17.

[36]) Wurzbach, 56/1888, S.257.

[37]) Vgl. Rauchensteiner, 1986, S.21f.

[38]) Vgl. Gundolf, 1995, S.214.

[39]) Vgl. Plischnack, 2009, S.125ff.

[40]) Vgl. Hirtenberg, 1857, S.877f.

[41]) Plischnack, 1999, S.115.

[42]) Barclay de Tolly, Anm.

[43]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.257.

[44]) Wurzbach, 56/1888, S.257.

[45]) Im späteren Rieder Vertrag, Anm.

[46]) Vgl. Hirtenfeld, 1857, S.876. 4.- Vgl. J. Nosinich: Feldmarschall-Lieutenant Barn Wimpffen im Feldzuge von 1815. In: ÖMZ, Bd. 4, Wien: k. k. Hof- und Staatsdruckerei; 1863, S.103-122.

[47]) Vgl. Svoboda, 1894, S.184. Der Konstantin-St. Georgs-Orden ist ein katholischer Ritterorden, dessen Träger sich den „ritterlichen Dienst“ an der Römisch-Katholischen Kirche zur Verbreitung des Glaubens, die Verteidigung der Kirche und die Unterstützung des Heiligen Stuhls zur Aufgabe gemacht hatten. „Schon früh in seiner Geschichte hatte er vom Heiligen Stuhl die Bestätigung als religiöser Militärorden erhalten.“ - http://www.Ordenskreuz.com/stGeorg.html [9.5.2009]

[48]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.257f.

[49]) Wurzbach, 56/1888, S.258.

[50]) Siehe dazu meine Veröffentlichung: Die Helden vom Heldenberg, Graz: Vehling, 2008.

[51]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.259.

[52]) Vgl. Otto Stradal: Der andere Radetzky/Tatsachen und Gedanken um ein Phänomen, Wien: Österreichischer Bundesverlag, Wien 1981, S.50.

[53]) Vgl. Stradal, 1981, S.60f.

[54]) Dies ergaben anlässlich der Gruftöffnung (1979) von Professor W. Zeller-Zellenberg festgestellte Hinweise und Inschriften, die eine Mitgliedschaft bei den Rosenkreuzern als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Rosenkreuzer stellten eine geheime Bruderschaft dar, die in das 17. Jahrhundert zurückreicht (der Lehre folgend, noch weitaus älter) und vom reformierten Protestantismus etliche Impulse ableitete. Sie wollten eine Gesamtreform aller religiösen, kulturellen und politischen Verhältnisse. Später widmeten sich die Rosenkreuzer-Logen auch der Auseinandersetzung mit astronomischen, astrologischen und alchimistischen Fragen.

[55]) Vgl. Stradal, 1981, S.101ff.

[56]) Vgl. Daniela Hagenbüchl: Der Heldenberg/Führer durch die Gedenkstätte in Kleinwetzdorf, Niederösterreich, Großwetzdorf: o. J., S.15; Stefan Heym: Pargfrider, München: Bertelsmann, 20002, S.71ff.

[57]) Vgl. Wurzbach, 56/1888, S.259.

[58]) Hirtenfeld, 1857, S.877.

[59]) Zit. nach: Wurzbach, 56/1888, S.258f.

[60]) Erschienen in Leipzig, 1810.

[61]) Vgl. dazu: Allgemeine Literatur-Zeitung, 30.05.1810.

[62]) Jeans-Florian Ebert: Die Österreichischen Generäle 1792-1815/Feldmarschall Freiherr von Wimpffen, unter URL: http://www.napoleon-online.de/AU_Generale/html/wimpffen.html [23.7.2008].