Wolfgang Pusztai

 

Im zweiten Schritt des Terry-Deibel-Modells erfolgt aufbauend auf dem Strategic Environment die Analyse der „Ends & Means“. Dabei werden zuerst die eigenen nationalen Interessen erarbeitet und priorisiert. Dann werden Opportunities und Threats, die sich aus dem Strategic Environment für diese Interessen ergeben, abgeleitet und analysiert. Nach dem gründlichen Durcharbeiten der einzelnen Schritte des Terry-Deibel-Modells sollte eigentlich eine in sich schlüssige Foreign Affairs Strategy entstanden sein. Fertige Strategien werden meist zumindest in groben Zügen zusammengefasst und veröffentlicht. Eine derartige Veröffentlichung kann aber schon alleine aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht alle Schritte und Inhalte ihrer Erarbeitung beinhalten. Ihre Kommunikation an die nationale und internationale Öffentlichkeit trägt jedoch zur besseren Berechenbarkeit des jeweiligen Akteurs bei und leistet schon allein dadurch einen Beitrag zur Umsetzung der Strategie. Eine gute Strategie erscheint nicht auf einmal in einer fertigen Form. Sie entsteht graduell mit einer anfänglichen Idee, die diskutiert und modifiziert wird und insbesondere laufend an das International Strategic Environment anzupassen ist. Das Ziel/der Lohn der umfangreichen Bemühungen ist eine gute Chance für das Durchsetzen der eigenen Interessen. Eine passive Strategie oder eine Strategie des Nichtstuns führt oft zum Vorwurf, ein „Trittbrettfahrer“ zu sein, was jedoch praktisch kaum Auswirkungen hat und womit die Politik daher gut leben kann. Wichtiger ist hingegen, dass man auch ohne eine entsprechende Strategie der fortschreitenden Globalisierung mit allen ihren positiven und negativen Konsequenzen ausgesetzt ist. Man lässt sich die Möglichkeit entgehen, Ereignisse im Sinn der eigenen Interessen zu beeinflussen, verpasst Gelegenheiten und muss die der Entwicklung von Bedrohungen hinnehmen, obwohl der Staat eigentlich die Verpflichtung hätte, diesen zum Schutz seiner Bürger rechtzeitig zu begegnen. Die Folgen mangelhaften strategischen Denkens zeichnen sich erst später ab - wie die Geschichte zeigt, meist zu spät. Je mehr die Staaten einer Region „gleichgeschaltet“ und verbunden sind, desto mehr kann man sich im Bereich der Foreign Affairs Strategy auf die anderen verlassen. Man muss dann aber zur Kenntnis nehmen, dass die eigenen Interessen, die vielleicht aufgrund von Besonderheiten ergeben, nicht effizient genug verfolgt werden und die eigenen Mittel verschwendet wurden. Die Voraussetzung für das Erarbeiten einer Strategie ist die Fähigkeit zum richtigen und klaren Analysieren. Wenn dies gegeben ist, sollten auch die Interessen eines Landes deutlich hervortreten. Die entscheidende Aufgabe des Strategen, das Setzen von Prioritäten, kann und muss eingehend mit allen relevanten Akteuren eines Staates diskutiert werden. Eigentlich sollte eine Foreign Affairs Strategy zu wichtig sein, um als Spielball der Innenpolitik zu dienen. Im Extremfall kann diese Schwäche sogar gezielte Angriffe von außen „einladen“ (vgl. die Madrider Zugsanschläge von 2004).