Franz von Sickingen (1481-1523): Fehde als Beruf

Reinhard Scholzen

 

Die Übergangszeit vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit wird landläufig mit zahlreichen mehr oder weniger markanten Ereignissen und gesellschaftlichen Veränderungen verknüpft. Beispielhaft seien hier die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 und die Eroberung Granadas im gleichen Jahr genannt. Darüber hinaus bildet das Ende des Oströmischen Reiches im Jahr 1495 ebenso eine Zäsur wie die Reformation - mit Luthers angeblichem Thesenanschlag von 1517 - und der Bauernkrieg von 1524-1526. Die gleichzeitig erfolgten Wandlungen im sozialen Gefüge des Deutschen Reiches werden unter dem Gesichtspunkt der Zeitenwende häufig nachrangig behandelt. Hierzu zählen einerseits der Aufschwung der großen deutschen Handelsstädte mit einer in vielen Territorien feststellbaren Landflucht und andererseits der bereits im Hochmittelalter einsetzende Machtzuwachs der Territorialfürsten und der seit dem Spätmittelalter feststellbare Machtverfall des niederen Adels. Im Folgenden wird das Leben Franz von Sickingens - des letzten Ritters - beschrieben, der in dieser krisenhaften Zeit in mancherlei Hinsicht eine Ausnahme bildete. Franz von Sickingen galt als erfolgreicher Heerführer und als Führer der rheinisch-schwäbischen Ritterschaft Mitte des 15. Jahrhunderts, der sich für die Reformation und die Säkularisierung der kirchlichen Güter einsetzte. Anfänglich diente Franz von Sickingen Kaiser Maximilian I., doch als er ab 1515 mit immer mehr Städten Fedhen anzettelte, trotz geltenden Landesfriedens von 1495, wurde er schließlich vom Kaiser geächtet. Um seinen politischen Einfluss noch zu rettet, trat er in den Dienst des Französischen Königs. In dessem Auftrag eroberte er unter anderem die Reichsstadt Metz für Frankreich. Kurz vor Kaiser Maximilians Tod holte dieser Franz von Sickingen, der ihm in französischen Diensten gefährlich war, jedoch in das eigene Lager zurück. Im Jahr 1522 unternahm Sickingen als Führer der rheinisch-schwäbischen Ritterschaft den Versuch, das Kurfürstentum und Erzbistum Trier anzugreifen. Mit dem Angriff auf Trier begann er seinen „Ritterkrieg“. Die Belagerung Triers scheiterte jedoch im September 1522. Beim Gegenangriff Triers musste sich Franz von Sickingen Ende April 1523 unter dem Druck einer starken Streitmacht in seiner Burg Nanstein verschanzen. Nach massivem Beschuss fiel die Burg. Er selbst starb wenig später an einer schweren Verwundung, die er sich während des Beschusses zugezogen hatte.

Schritt für Schritt wurden die harten Bedingungen der Sieger für seine Söhne gelockert, so kam zum Beispiel im Jahr 1533 die im Elsass gelegene Hohkönigsburg in den Besitz der Sickingen. Im Jahr 1542 wurde in Heidelberg ein Schlussstrich gezogen und der Besitz an die Söhne zurückgegeben.

In der Folgezeit nahm die Zahl der Fehden zunächst deutlich ab, stieg dann aber wieder an, weil das Rechtssystem eklatante Mängel aufwies. Daher griff die Strafgerichtsordnung Karls V. - die Carolina - im Jahr 1532 wieder das Mittel der Fehde auf und unterteilte diese wiederum in rechte und unrechte Fehden. Trotz alledem setzte sich der Ewige Landfriede durch. Diese Entwicklung endete schließlich im staatlichen Gewaltmonopol, das das Charakteristikum des Staates bildet.