NOREIA

Militärwissenschaftliche Methodologie zur Lokalisierung des norischen Stammeszentrums

Reinhard Stradner

 

Noricum bzw. das Regnum Noricum - benannt nach dem Stamm der Noriker - war ein keltisches Königreich, das im Laufe der Zeit enge Handelsbeziehungen mit den Römern entwickelte und schlussendlich als Provinz in das Imperium Romanum eingegliedert wurde. Noricum umfasste im Wesentlichen das Ostalpengebiet südlich der Donau, welches im Osten von Pannonien und im Westen von Raetien begrenzt wird. Ziel des Beitrag ist es, der oftmals schon als „belächelt“ geltenden Frage nach der Lokalisierung der vorrömischen „Hauptstadt“ NOREIA nachzuspüren und dieses - allerdings noch ohne die Nutzung aufwendiger, technischer Ressourcen - unter militärwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu lokalisieren. Dabei sollten erstmals militärtaktische, operationelle und strategische Überlegungen sowie menschliche Logik miteinbezogen werden. Natürlich erforderte die Suche nach einem untergegangenen Siedlungsplatz auch eine gewisse Intuition und Erfahrung, da - wie bereits oftmalig bezeugt - bei dieser Problematik bis dato kaum ein Fortschritt zu erzielen war. Es konnte somit vermutet werden, dass NOREIA höchstwahrscheinlich nur dort zu suchen sein wird, wo auch das damalige Zentrum des Erzabbaus und der Erzverarbeitung gelegen ist, eine Zusammenschau der Quellen samt der Kartographie und die vorher genannten militärtaktischen Komponenten zutreffen. Es wurde versucht, zusätzlich zur militärischen Lagebeurteilung und zur Harmonisierung der wichtigsten Angaben auch der Zeit ein wichtiges Augenmerk zu schenken. Die logischen, gesicherten Erkenntnisse sind als Beurteilungsgrundlagen in die militärwissenschaftlichen Betrachtungen eingeflossen. Die abschließende Beurteilung der Lage sollte das trübe Bild klären. Es wird die Aufgabe von Experten und Wissenschaftern sein, diese auf logisch gesicherter Basis militärwissenschaftlich beurteilten Möglichkeiten und Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen. Vielleicht sind für zukünftige Grabungen ein effizienter Einsatz von „Boden- oder Georadar (Ground Penetrating Radar)“, „Magnetbild- bzw. Geophysikalischer Prospektion“ oder auch „Terrestrial Waveform Laser Scanning“, „Airborne Laser Scanning (ALS)“ oder „Light Detection and Ranging (LiDAR)“ und hochauflösender „Infrarot Satelliten-Archäologie“ eine äußerst willkommene, innovative Unterstützung! Eine ebenso effiziente Leistung durch das Österreichische Bundesheer wäre ein weiterer Quantensprung zivil-militärischer Zusammenarbeit endlich auf wissenschaftlicher Ebene. Durch die Mitarbeit bei archäologischen Grabungen würde gerade auf dem wichtigen Gebiet des aktiven Kulturgüterschutzes ein zukunftsweisender Weg beschritten werden und ein gewaltiger Wissenstransfer stattfinden. Diese militärwissenschaftliche Arbeit zeigte auch auf, dass aufgrund des Schutz- und Sicherheitsbedürfnisses einer Gemeinschaft der „Stammesführer“ oder aber auch „König“ dieses „Volkes“ eigentlich die Verpflichtung bzw. zumindest den Auftrag eines Stammesgremiums hatte, dieses Bedürfnis sicherzustellen. Diese Sicherheit war und ist nur mit militärischen Kräften und Mitteln zu gewährleisten.