Japan im Ersten Weltkrieg

Harald Pöcher

 

Der japanische Beitrag zum Ersten Weltkrieg führte zu einer Neugestaltung des westpazifisch-ostasiatischen Raumes und schuf damit den Nährboden für die nachfolgenden Erschütterungen der europäischen Kolonialpolitik im Pazifik sowie des süd- und ostasiatischen Raumes. Zum besseren Verständnis der weiteren Ausführungen muss auf die japanischen außenpolitischen Interessen vor dem Ersten Weltkrieg beziehungsweise auf die innenpolitischen Verhältnisse eingegangen werden. Das Kaiserreich Japan war einer der Aufsteiger des beginnenden 20. Jahrhunderts. Überschießender Nationalismus und die schier unbegrenzte Macht des Militärs im geheimen Staatsrat und im Militärsenat ließen das Land zu einem totalitär imperialistisch regierten Land werden, das in der zügellosen Erweiterung seines Herrschaftsgebietes die größte Herausforderung sah. Japan war neben den USA zwar einer der echten Gewinner des Ersten Weltkrieges, konnte aus diesem Gewinn allerdings keinen nachhaltigen Erfolg erzielen. Spätestens nach der missglückten Teilnahme an der Sibirischen Intervention hätte ein Umdenken erfolgen müssen, doch setzte Japan seine zügellose und aggressive Expansionspolitik am ostasiatischen Festland unbeeindruckt fort, welche mit dem Überschreiten der „Marco Polo Brücke“ 1937 schließlich in den Untergang führte und nach mehr als acht Jahren Entbehrung durch den totalen Krieg am Festland Asiens und im Pazifik das Ende des Militarismus erzwang.

Im November 1918 schwiegen in Europa die Waffen und die Siegermächte konnten an die Neuordnung der Welt gehen. Man bestimmte geeignete Paläste in Paris und dessen Vororte als Tagungsstätte für Friedensverhandlungen. Für Japan von Bedeutung waren die territorialen Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles, wodurch das von China gepachtete Kiautschou an Japan kam. Bis 1922 blieb Kiautschou unter japanischer Verwaltung, bevor es auf Drängen der USA an China zurückgegeben wurde. Ferner veranlasste der Völkerbund, die Inselgruppen der nördlichen Marianen, Marshallinseln und der Karolinen unter japanisches Südseemandat zu stellen, das ein so genanntes „C-Mandat“ war, wodurch die Inselgebiete nach japanischem Recht regiert werden durften. Allerdings war es nicht erlaubt, militärische Anlagen zu errichten.

Die Friedensverhandlungen wurden auch von einer Delegation von Auslandskoreanern und der provisorischen Regierung Koreas in Shanghai genutzt, um für eine Unabhängigkeit von Korea zu werben. Ihnen wurde allerdings von offiziellen Stellen kein Gehör eingeräumt, da Korea als japanische Kolonie galt.

Japaner waren auch bei der Umsetzung der Beschlüsse der Friedenskonferenzen beteiligt, weshalb japanische Offiziere als Delegationsmitglieder bei den Grenzregelungsausschüssen teilnahmen und mit über zukünftige neue Grenzverläufe bestimmten. U.a. war Oberst im Generalstab Yamaguchi Juhachi daher Teil des Regelungsausschusses, welcher die Grenze zwischen Ungarn und Österreich festzulegen hatte.