Die Berufsoffiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt

Beiträge zur Geschichte des Bundesheeres der 1. Republik von 1934-1938

Andreas Steiger

 

Es war von durchaus militärhistorischer Relevanz, als am 29. August 1934 der Kader, die Militärakademiker und die Offiziersschüler, welche bis jetzt in der Heeresschule Enns ausgebildet worden waren, mit der Bahn in Wr. Neustadt ankamen, um ihre „neue Unterkunft“ - die „Neustädter Burg“ - zu beziehen. Gemäß Erlass des Bundesministeriums für Landesverteidigung (damalige Abkürzung = BMfLV) Zl. 19.000 von 1934 war die Aufstellung der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) in Wr. Neustadt angeordnet worden. Unter dem Jubel der Bevölkerung, begleitet von den Klängen der Regimentsmusik des Infanterieregiments Nr. 1, marschierten die Angehörigen der Militärakademie im Marschblock vom Bahnhof durch die Bahngasse, welche mit Fahnen geschmückt war, um auf dem Antreteplatz der TherMilAk, dem Maria Theresienplatz, Aufstellung zu nehmen.

Von 1757 bis 1918 waren auf diesem Platz 10.966 Leutnante ausgemustert worden. In den Jahren 1934 bis zum März 1938 wurde nun wieder die Offiziersausbildung für Berufsoffiziere in der Babenbergerburg fortgesetzt, welche als Folge des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 an diesem Standort für beendet erschien.

Ab dem 1. September 1934 führte die Akademie bei der Ausmusterung wieder die Bezeichnung „Theresianische Militärakademie“. Anlässlich der Ausmusterung besuchte Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg die Feierlichkeiten. Der Jahrgangserste des Ausmusterungsjahrganges Wachtmeister Erwin Starkl brachte dabei den Dank über die Wiederkehr in einer Ansprache zum Ausdruck, dass „…wieder an altehrwürdiger Stätte junge Offiziere das goldene Portepee empfangen“.

Zusätzlich zu der vorhandenen Bausubstanz an der Militärakademie galt es, umfangreiche bauliche Adaptierungen vorzunehmen. 1935 wurden eine Kraftwagen-, Artillerie-, Fliegerübungs- und eine Geschützhalle errichtet. Im Jahr 1936 wurde das vorhandene Stallgebäude aufgestockt, und die kleine Theresianische Reithalle zu einem Schlafsaalgebäude umgebaut, um die nachfolgenden Jahrgänge dementsprechend unterzubringen. Ebenfalls wurde im Akademiepark eine provisorische Schießstätte eingerichtet. Rund um die Burg wurde der historische Burggraben wiederhergestellt, und in der Burg der Audienzsaal (Saal der „Vier Jahreszeiten“) und der Maria-Theresien-Rittersaal neu eingerichtet.

Am 20. März 1937 fand die „letzte“ Ausmusterung in der 1. Republik mit 147 Militärakademikern des III. Jahrganges und zehn Offiziersschülern statt. Neben Bundespräsident Wilhelm Miklas waren die Bundesminister Odo Neustädter-Stürmer und Edmund Glaise von Horstenau bei dieser Feierlichkeit anwesend.

Obwohl nun 157 Offiziere zur Truppe gelangten, war die geplante Einteilung von zwei Offizieren pro Unterabteilung mit 1. April 1937 jedoch nur bei den motorisierten Verbänden, bei den Waffengattungen Luftschutz, bei der Kavallerie und bei den Pioniertruppen gegeben.

Erst anlässlich der Wiedereröffnung der Militärakademie in Wr. Neustadt im Rahmen eines Staatsaktes in der 2. Republik fand wieder ein Stiftungsfest in der Babenbergerburg statt - am 14. Dezember 1958.