Luftkrieg Neu: Mehr Evolution als Revolution (Teil 1)


Friedrich Korkisch

 

Am 21. und. 22. November 2012, fand unter Leitung von Brigadier Günter Schiefert und der Flieger- und Fliegerabwehrwaffentruppenschule des Bundesheeres, das Symposium Luftstreitkräfte 2012 statt, das diesmal der Luftkriegsoperation gewidmet war. Noch nie zuvor sind über die politischen und militärischen Chancen, Potenziale, Kosten und Probleme des Luftkrieges so viele Bücher, Analysen und Aufsätze verfasst worden wie in den Jahren seit Desert Storm 1991. Immer wieder finden sich in dieser Literatur Vorschläge für Veränderungen bei Führung, Organisation, Taktik oder Waffeneinsatz, aber auch neue Begriffe und Definitionen, wie Third Wave-War, Counterland Operations, Hybrid Air War, oder Effects-Based Operations (EBO), über die Probleme mit Close Air Support (CAS) und wie man in einer Air Campaign mehr Wirkung erzielt. Die Bedeutung von Luftmacht wird hervorgehoben und Sätze wie „We control the air, and enable the Army to win“ sind dafür typisch. Nicht neu sind Begriffe wie Counterair, Counterland oder Deep Strike, aber neue Begriffe allein ändern an den Grundsätzen des Luftkrieges noch wenig. Allerdings meinen einige Autoren (wie John Warden), neue Begriffe zwingen zu neuem Denken. Die AirLand Battle der 1980er-Jahre legte den Grundstein für eine besonders enge Kooperation zwischen Land und Luftstreitkräften und war Auslöser für rund einhundert Beiträge allein in der Zeitschrift Military Review und es kam zu laufenden Änderungen der Air Force Basic Doctrine, doch was wurde bewirkt? Die AirLand Battle 21 wurde zwar als taktische Variante von „Shock and Awe“ präsentiert, verschwand aber um 2005 wieder aus der Literatur. Neu hingegen ist das Air-Sea-Concept für einen denkbaren Krieg gegen China. Außerdem wurde im Pentagon im August 2011 ein Air Sea Battle Office (ASBO) gegründet. Viele Begründungen und Vorschläge für neue Theorien beziehen sich immer wieder auf historische Beispiele. Jede neue Publikation des Department of Defense erläutert Einsatzgrundsätze und neue Begriffe mit Hinweisen auf den Zweiten Weltkrieg, Korea, Vietnam oder dem Golfkrieg 1991. Dies wohl deshalb, weil solche Verweise die Begründungen komplexer Zusammenhänge vereinfachen. Die Evolution von Turbinenantrieb, Präzisionswaffen, Stealth, Elektronik und Data Link, sowie besserer Passivschutz erforderte fast 70 Jahre, brachte aber eine relativ hohe und historisch noch nie zuvor erreichte Überlebensfähigkeit des Flugzeuges. Es wird sich zeigen, ob Laserwaffen in der Luftverteidigung diesen Vorsprung verändern werden. Denn im Luftkrieg ist nur die mit Nachhaltigkeit durchgeführte Offensive ausschlaggebend, wer sich in der Defensive befindet, verliert. UAVs sind eine weitere technologische Revolution, bieten Optionen nach oben (der Global Hawk hat die Abmessungen eines kleineren Verkehrsflugzeuges) wie auch nach unten (Micro-UAVs). Sie haben die Potenziale von Land-, Luft- und Seestreitkräften erweitert. UAVs eröffneten Möglichkeiten zur Bekämpfung von Zielen am Boden ohne eine Besatzung Gefahren auszusetzen, sind strategische Waffen für die (oft verdeckte) Bekämpfung spezieller „Leadership“-Ziele und taktische für die Bekämpfung feindlicher Insurgenten, Truppen, Waffen und Logistik. Die USA müssen auch damit rechnen, dass eine feindliche Macht Satelliten für Kommunikation, Navigation (GPS) und Aufklärung bekämpfen, UAVs sind daher Alternativen im Rahmen des Mobile Passive Relay- and Multi-Platform Technology-Program auf Basis der MQ-9 und RQ-4/MQ-4.