Die Friedensspirale: Der lange Marsch zum Ziel?

Klaus Zapotoczky

 

Blitzkriege können oft rasch und für die „Angreifer“ relativ erfolgreich beendet werden, ein lang andauernder Friede entsteht dadurch in der Regel nicht. Krieg wird als die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln, in der Regel mit Gewaltmitteln, bezeichnet. Meist wird durch Kriege kein langdauernder Friede erreicht. Friede ist ein langdauernder Prozess, der sowohl menschen- und umweltfreundliche Haltungen möglichst vieler Menschen, v.a. aber der Verantwortlichen der verschiedenen Bereiche aller Ebenen, als auch Strukturen erfordert, die ein friedliches Miteinander fördern und nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen. Im Folgenden wird zunächst auf die Bedeutung friedensfördernder Strukturen in allen Bereichen hingewiesen, dann auf die Stufenleiter der Eskalation von Konflikten nach Glasl eingegangen und zuletzt Möglichkeiten friedensfördernder Maßnahmen behandelt, die auf den verschiedenen Handlungsebenen unterschiedliche Formen annehmen können, letztlich aber bestimmte Elemente gemeinsam haben.

Auf der Basis der - sehr unterschiedlichen - kulturellen Traditionen der verschiedenen Völker und Regionen sind „Kleintugenden“ zu entwickeln wie Höflichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Fairness usw., die mithelfen, die großen Ziele Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit zu verwirklichen.

Dabei wird immer wieder der Diskurs über Kulturgrenzen hinweg notwendig sein, der nach Ram Mall folgende Hindernisse einer interkulturellen Perspektive vermeiden muss:

1. Jede rigide Inkompatibilität z.B. zwischen östlichem und westlichem Denken.

2. Eine stufentheoretische Entwicklung des (philosophischen) Denkens mit der Kulmination in einer bestimmten Philosophie, Kultur, Religion.

3. Jeglichen Absolutheitsanspruch eines Textes oder einer Interpretation.

4. Jede radikale Übersetzbarkeit oder Unübersetzbarkeit von Texten oder Kulturen.

Zugleich betont Mall, dass Erkenntnisgewinnung und Erkenntnisverwirklichung gleichrangig zu verbinden sind, wie dies im indischen Philosophieren und auch im antiken europäischen Denken eine Selbstverständlichkeit ist. Heute kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass zwar alle (sehr viele) Bescheid wissen, mit den Inhalten auch einverstanden sind, aber trotzdem nichts tun, entsprechend der schrecklichen Maxime: „Alle sind dafür, keiner tut’s“.

Trotz aller Kontakte, guten Absichten und vielfältigen Bemühungen wird es immer wieder zu Un- und Missverständnis, Streitigkeiten und Konflikten kommen. Auf allen Ebenen gesellschaftlichen Zusammenlebens muss es gelernt werden, gepflegt zu streiten, Auseinandersetzungen so zu regeln, dass dies alle Beteiligten als gerecht empfinden können. Dies erfordert tendenziell eine - möglichst breite - gemeinsame Werthaltung, die vielleicht klein begonnen werden muss, wie Hans Küng in seinem Projekt Weltethos vorgeschlagen hat, aber gemeinsam auszubauen ist. Die Friedensspirale hört nie auf.

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