Von Versailles über Paris nach Moskau

Strategische Optionen und Perspektiven des Deutschen Reiches im Spiegel nationaler Machtpolitik (Teil 1)

Eberhard Birk/Gerhard P. Groß

Die strategisch-politische Analyse der Rahmenbedingungen des internationalen Systems sowie der Gesamtheit der Verflechtungen des dynamischen „Europäischen Konzertes“ zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg1) offenbart beim Blick auf den „dunklen Kontinent“2) im „Zeitalter der Extreme“3) eine scheinbare Paradoxie:

Der Vater der operativen Führungskunst war der Chef des Großen Generalstabes Helmuth von Moltke d.Ä.

Trotz der Niederlage des zentralkontinentalen Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg und dessen politischer und militärischer Beschneidung durch den Versailler Vertrag4) konnte es innerhalb von etwas mehr als 20 Jahren eine machtpolitisch dominante Position zwischen „Eiffelturm“ und „Kreml“ erringen. Diese ging weit über jene hinaus, zu der bereits das 1871 mit großer politischer Symbolik im Spiegelsaal von Versailles ausgerufene deutsche Kaiserreich einen im Ersten Weltkrieg gescheiterten - indes weit weniger ambitiösen - Anlauf unternommen hatte.5) Vor dem Hintergrund der Frage nach (Dis-)Kontinuitäten in der Außenpolitik des Deutschen Reiches ist daher aufzuzeigen, wie es selbst bei unterschiedlichen innen- und außenpolitischen, ideellen und ideologischen Grundausrichtungen unter Ausnutzung divergenter sicherheitspolitischer Ansätze in einem dynamischen Umfeld eine einerseits erhoffte, andererseits befürchtete kontinentale Führungsposition erlangen konnte.

Komplementär dazu ist zu fragen, inwieweit die militärischen Planungen den strategischen Optionen nationaler Machtpolitik folgten - oder aber unter Ausblendung der hierzu notwendigen Verzahnung von politischen, (rüstungs-) wirtschaftlichen und militärischen Gesichtspunkten auf substrategisch-operativer Ebene eine dysfunktionale Dynamik entfalteten. Letzteres konnte dann drohen, wenn die Akzeptanz neuer strategischer Rahmenbedingungen mental genauso verweigert wurde wie eine lediglich dienende Funktion des militärischen Instruments, strategische „Raum“-Fragen auf den operativen Faktor „Gelände“ reduziert, kriegsgeschichtliche „lessons learned“-Konzepte auf positive Erfahrungen verkürzt und die Überlegenheit eigenen operativen Führungsverhaltens als Grundkonstante „gesetzt“ wurden.

Kaiserreich und Strategie

Das Europa vor 1914 sah das Deutsche Reich in der Mitte des Kontinents als eine (halb-)hegemoniale Macht, die als kraftvoller Nationalstaat mit der Reichsgründung die internationalen Beziehungen genauso revolutionierte wie die Französische Revolution. Wo über Jahrhunderte in Form des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und des Deutschen Bundes zuvor ein machtpolitisches Vakuum existiert hatte, entwickelte sich - aus der Perspektive seiner Nachbarstaaten - seit 1871 ein vor Kraft und Selbstbewusstsein strotzender militärischer, wirtschaftlicher und bevölkerungsstarker Monolith. Dieses Deutsche Reich war jeder anderen Macht in Europa überlegen - kein anderer europäischer Kontinentalstaat war für sich alleine eine ernst zu nehmende machtpolitische Herausforderung. Diesem strategischen Vorteil stand ein doppeltes Manko gegenüber: Der deutsche Nationalstaat wurde inmitten der drei Großmächte Frankreich, Russland und Österreich-Ungarn „eingekreist geboren“6) und war alleine zu schwach, um sich einer gemeinsamen Allianz aller anderen Staaten mit Aussicht auf Erfolg zu widersetzen. Als saturiertes „kleindeutsches“ Reich hatte sich der neue Kaiserstaat seiner Größe wegen klug in das europäische Gefüge einzubinden bzw. einzufügen.7)

Nachdem mit der Thronbesteigung Wilhelms II. die Bismarck-Ära der Saturiertheit ad acta gelegt worden war, nahm der „Wille zur Weltgeltung“8) zu. Ab 1896 wurde offiziell „Weltmachtpolitik“9) betrieben. Mit einem in der internationalen Politik als aggressiv wahrgenommenen Auftreten auf der europäischen Bühne, begleitet durch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und im Bewusstsein einer aufstrebenden Macht, der die Zukunft gehören würde, erwuchs das Deutsche Reich durch den forcierten Aufbau seiner Marine,10) aber auch durch das Projekt der Bagdad-Bahn,11) zur sicherheitspolitischen Herausforderung für die arrivierten „alten Mächte“. Vor dem Hintergrund eines Konglomerates von „verspäteter Nation“,12) einer „naiven Selbstbewunderung“,13) einer Konzentration respektive Verengung auf die „militaristische“ Betrachtung politisch-gesellschaftlichen Lebens und der Akzeptanz gewaltsamer Konfliktlösung zeigt der „Griff nach der Weltmacht“14) geradezu exemplarisch die strategische Desorientierung der Gesamtheit des Komplexes Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik des Deutschen Reiches, das als „nervöse Großmacht“15) zu früh zu schnell zu viel wollte. Schon Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges waren durch die Entente Cordiale zwischen Frankreich und Großbritannien (1904) sowie unter Hinzuziehung des russischen Zarenreiches durch die Erweiterung zur „Triple-Entente“ (1907) einerseits und dem deutsch-österreichischen Zweibund andererseits die potenziellen „strategischen“ Fronten verhärtet.

Der preußisch-deutsche Generalstab war als militärischer Ausfluss des Bismarck’schen „cauchemar des coalitions“16) seit der Reichsgründung auf die „Mittellage“17) zwischen dem „Erbfeind“ Frankreich und dem russischen Zarenreich fixiert. Die militärischen Planungen des Chefs des Großen Generalstabes, Alfred Graf von Schlieffen, sahen die Auflösung des drohenden Zweifrontenkrieges in zwei aufeinander folgende Einfrontenkriege vor - zunächst sollte der Sieg gegen Frankreich nach dem 42. Mobilmachungstag errungen werden; anschließend war die Wendung gegen Russland vorgesehen, dem eine längere Mobilmachungsphase „zugestanden“ wurde. Dabei maß Schlieffen den britischen Expeditionskräften einen vernachlässigbaren Gefechtswert zu und blendete die politische Bedeutung der geplanten Verletzung der belgischen Neutralität nahezu aus. Die mit dem modifizierten Schlieffenplan18) versuchte Lösung des „Gordischen Knotens“ vor dem Hintergrund der Julikrise des Jahres 1914 war der politische und militärische Katalysator, der den Ersten Weltkrieg zur „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts werden ließ.19)

Nach dem Scheitern der Umsetzung des unter der militärischen Verantwortung von Generaloberst Moltke d. J. (1. OHL) modifiziert durchgeführten „Schlieffenplans“ an der Marne im September 1914 zu Beginn des Krieges20) und dem Versuch der 2. OHL unter der Führung von Generalleutnant Erich von Falkenhayn 1916 bei Verdun an der Westfront - als Topos der auf Abnutzung angelegten industriellen Kriegführung, Frankreich sich „weißbluten“ zu lassen -,21) versuchte die 3. OHL unter Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General der Infanterie Erich Ludendorff22) sämtliche personellen, technischen und materiellen Ressourcen des Deutschen Reiches im Rahmen des „Hindenburg-Programms“23) systematisch zu bündeln, um die für eine effiziente Kriegführung dysfunktionale Organisation politischer und militärischer Polykratie mit ihrem Neben- und Gegeneinander zu überwinden. Die schwindenden Ressourcen erforderten darüber hinaus eine neue strategische Grundsatzentscheidung.

Mit dem am 9. Januar 1917 im Großen Hauptquartier im Beisein des Kaisers und Reichskanzlers - indes gegen dessen ausdrücklichen Standpunkt - gefassten Beschluss zur Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Bootkrieges spielte die OHL bewusst „va banque“. Mit dem in Relation zu den Heeresoperationen personal- und material­armen Einsatz der „U-Boote“ sollte - so die Hoffnung - die Unterstützung Großbritanniens und auch Frankreichs aus Übersee unterbrochen und damit perspektivisch der Druck von der Westfront genommen werden. Die Kehrseite der militärstrategischen Logik war die politische Auswirkung dieses Schrittes: Nach dem Kriegseintritt der USA im April 1917 führte das Deutsche Reich - mit absehbarem Ende - einen Krieg gegen nahezu alle Großmächte der Zeit.

Die letzte Chance bestand in einem für alle vollkommen unerwarteten Vorgehen seitens der OHL: Die Entsendung des im Schweizer Exil lebenden russischen Revolutionärs Lenin und dessen Beförderung nach Russland sollte nach einer sozialistisch-kommunistischen Revolution das Zarenreich aus den Reihen der Kriegsgegner entfernen.24) Hier trafen sich die tieferen strategischen Gemeinsamkeiten der OHL und Lenins: Beide benötigten nach ihrer jeweiligen Beurteilung der Lage Frieden an der deutsch-russischen Front - Lenin zur Umsetzung seiner revolutionären Zielsetzungen, die OHL zur Freisetzung Dutzender Divisionen. Im Westen sollte so die zu erwartende personelle und materielle Überlegenheit der USA durch einen deutschen Sieg unterlaufen werden. Die im Osten verbliebenen Truppen stießen in das in die Wirren der Revolution versinkende Russland vor, womit kurzfristig bis Kriegsende ein gigantisches Ost-Imperium des Deutschen Reiches entstand.25) Dieses bildete später noch eine Grundlage für ideologische und militärische Wahrnehmungs- und Handlungsmuster - sowohl der Nationalsozialisten als auch der Generalität in Reichswehr und Wehrmacht.26)

Mit Frühlingsbeginn am 21. März 1918 startete die OHL an der Westfront die letzte „strategische“ Offensive. Anfängliche Erfolge wichen nach dem Wirksamwerden der US-amerikanischen Überlegenheit mehreren verzweifelten operativen Fehlschlägen, bis es am 8. August 1918 zum von Ludendorff so bezeichneten „schwarzen Tag des deutschen Heeres“ kam. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hatte die OHL die Initiative an die Gegenseite verloren. Dem nicht wieder gutzumachenden Verschleiß von Ressourcen auf Seiten der Mittelmächte stand deren Zuwachs auf Seiten der Alliierten gegenüber. Letztlich war das Deutsche Reich mit seinem einzigen machtpolitisch bedeutsamen „strategischen“ Partner Österreich-Ungarn den Alliierten unterlegen. Die nicht zu erschütternde alliierte Seeherrschaft garantierte die (nahezu vollständige) Freiheit des Zugangs zu Rohstoffen, des Transports von Personal und Material: Globale Konflikte werden von Seemächten respektive maritimen Allianzen gewonnen.

Die Signatur der Epoche nach dem Ersten Weltkrieg

Grundsätzlich zog bereits während des Ersten Weltkrieges mit dem im Jahr 1917 wirkungs- und geschichtsmächtigen Aufkommen zweier neuer innerweltlicher Heils- respektive politischer Erlösungslehren mit globalem Anspruch ein Paradigmenwechsel der neuen Sicherheitspolitik auf. Dem den vitalen US-Interessen zugeschnittenen Ansatz „Liberales Friedensmodell“ des US-Präsidenten Wilson mit Demokratie, freier Wirtschaft, liberaler Gesellschaft und Selbstbestimmungsrecht der Völker standen die Idiome Klasse, Sozialismus/Kommunismus, Internationale, Ideologie von Lenin und dessen „Sozialistisches Friedensmodell“ diametral entgegen.27) Den Sowjetführern war durchaus bewusst, dass ihre weltanschauliche Revolution machtpolitische Implikationen hatte - auch sie war in ihrer Bedeutung mit der Französischen Revolution vergleichbar.

Während der globale Ansatz beider ideologisch neuen „Hauptprotagonisten“ des internationalen Geflechts deren immanenter Weltanschauung entsprang, blieben Großbritannien, Frankreich und das Deutsche Reich als Mächte des „alten“ Europas zwischen diesen Polen weiterhin Vertreter der „klassischen“ Gleichgewichtspolitik bzw. des halbhegemonialen Denkens und damit den traditionalen Rezeptions- und Handlungsmustern verhaftet - jeder Staat war potenzieller Verbündeter und potenzieller Gegner respektive Feind zugleich.

Die Komplexität des neuen Lagebildes wuchs zudem dadurch, dass es neben den neuen ideologischen „Frontlinien“ auch quer verlaufende Verwerfungen - jene zwischen tatsächlichen und vermeintlichen Siegern und Verlierern - gab: Großbritannien kämpfte gegen seine beginnende weltpolitische Agonie, die auch Fronten gegen die USA schuf - im britischen Admiralstab wurde eine Konfrontation mit den USA nicht gänzlich ausgeschlossen;28) Frankreichs nominelle Stellung als Siegermacht war den USA geschuldet. Der „Paria“ Sowjetunion hat als Russisches Reich den Krieg verloren, als neues Regime einerseits Hoffnungen und andererseits Befürchtungen hervorgerufen; Deutsch-Österreich hat als verbliebenes Teilrelikt der halb-slawischen Habsburgermonarchie seinen Status als europäische Macht eingebüßt. „Alt-Europa“ saß auf respektive vor einem ordnungspolitischen Scherbenhaufen.

Insbesondere Mittelosteuropa glich machtpolitisch einer „Geröllmasse“ von Finnland, das sich 1917 im Zuge der russischen Oktoberrevolution abspaltete, über die baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien bis zur Adria.29) Im Osten Frankreichs befand sich der gesamte Kontinent in einer Phase permanenter politischer und gesellschaftlicher, außen- und sicherheitspolitischer, militär- und machtstrategischer Revolution: „Vielleicht lag die grundlegende Illusion bereits darin, mit Staaten, die zutiefst instabil waren, eine stabile internationale Ordnung begründen zu wollen.“ 30)

In diese Gesamtgemengelage fügten sich heterogene nationale Zielsetzungen ein. Frankreich strebte, nachdem die Fragmentierung des Deutschen Reiches im Zuge der Verhandlungen in Versailles nicht durchzusetzen war, zunächst nach Verwirklichung der alten, vermeintlich natürlichen Rheingrenze. Parallel dazu wurde nach Ersatz für die verlorene russische Allianzoption gesucht: Folglich standen Bündnisse mit Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien auf der diplomatischen Tagesordnung - Letzteres, da das verbliebene „Deutsch-Österreich“ eine zu große Affinität zum Deutschen Reich aufwies. Ein beabsichtigter Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich wurde von den Alliierten im System der Pariser Vorortverträge verboten.31) Nicht nur aus französischer Sicht wären die Anstrengungen des Ersten Weltkrieges dysfunktional gewesen, wenn ein größeres Deutsches Reich machtpolitisch gestärkt aus diesem Ringen hervorgegangen wäre.

Während auch Frankreich Revisionsmacht des Versailler Vertrages war, weil dieser eben kein das Deutsche Reich wehrlos machender „karthagischer Friede“ war, entfernte sich auch Großbritannien - indes aus anderen Gründen - sukzessive vom Versailler Gedankengut: Im März 1919 wurde in Ungarn die Räterepublik proklamiert, und im Spätsommer 1920 stand die Rote Armee im polnisch-sowjetischen Krieg vor Warschau - der Bolschewismus schien vom Osten nach Mitteleuropa hereinzubrechen und Europa mit dem Bazillus der Revolution zu überziehen. Folglich galt es, das Deutsche Reich im Zuge einer „stillen Allianz“ zu stabilisieren und gegebenenfalls als Bollwerk gegen den Kommunismus/Bolschewismus auf- und auszubauen. In historischer Perspektive schien es aus britischer Sicht sinnvoller, dem Deutschen Reich wie Preußen oft zuvor erneut die Rolle eines „Festlanddegens“ zuzuschieben und sich das Deutsche Reich so zu erhoffen, dass es sowohl sowjetischen als auch französischen Hegemonialbestrebungen standhalten konnte.

Machtpolitische Lage des Deutschen Reiches

Zentrales Anliegen des Deutschen Reiches war, nachdem „Versailles“ nicht verhindert hatte werden können, die (Auf-)Lösung der politischen, territorialen und militärischen „Fesseln von Versailles“ - das „Revisionssyndrom“32) durchzog in Modifikationen die gesamte Außen-, Wirtschafts-, Finanz- und Militärpolitik der Weimarer Republik. Die machtpolitische Lage des Deutschen Reiches entwickelte sich indes - trotz des verlorenen Krieges und der Auflagen des Versailler Vertrages - vor dem Hintergrund der gewandelten Gesamtlage nicht ungünstig: Im Osten war die Bedrohung durch das Russische Reich weggefallen. Damit entfiel das militärstrategische Damoklesschwert der „Mittellage“. Das Deutsche Reich war dem stets latent drohenden Zweifrontenkrieg gegen die beiden nächststärkeren Kontinentalstaaten enthoben. Auch der geschwächte machtpolitische Faktor „Österreich“ war nach dem Ersten Weltkrieg in sich zusammengefallen.

Im unmittelbaren Osten und Südosten des Reiches existierte folglich keine machtpolitisch existenzielle Herausforderung mehr. Vielmehr entstand anstelle der alten Vielvölkerreiche ein Gürtel kleiner und kleinster Staaten aus der Verfallsmasse des Habsburger- und des Zarenreiches. Nicht einer dieser neu entstandenen Staaten war trotz oder wegen des Wilson’schen Gebots der Errichtung von Nationalstaaten aufgrund von Minoritätenproblemen und der Zerschlagung einstmaliger großer Wirtschafts-, Handels- und Zollräume, aber auch ihres generell schwächeren Industrialisierungsniveaus wegen, in der Lage, eine ernsthafte sicherheitspolitische Herausforderung für das im Kern erhalten gebliebene Deutsche Reich darzustellen.

Auch die die Beziehungen zwischen dem Reich und Großbritannien vor dem Ersten Weltkrieg belastenden Faktoren - die Kolonien als strategische Achillesferse und die Marine als „Germania auf dem Meere“ - waren verschwunden: Die ehemaligen Kolonien standen unter Völkerbund-Mandat, die Flotte hatte sich in Scapa Flow selbst versenkt. Damit war das Deutsche Reich aus britischer Perspektive langfristig auf den Status einer für Großbritannien ungefährlichen, genuin kontinentalen Landmacht reduziert.

Die USA als die letztlich den Ersten Weltkrieg entscheidende Macht waren nach der Rückführung ihrer Truppen und dem Verzicht an der Teilnahme des von Präsident Wilson initiierten Völkerbundes auf dem europäischen Kontinent machtpolitisch de facto nicht anwesend - das Deutsche Reich spielte „lediglich“ eine Rolle als wirtschaftlicher Juniorpartner respektive als Reparationszahler, der Großbritannien und Frankreich das Kapital zur Begleichung ihrer Kriegsschulden zuführen sollte.

Dadurch verblieb Frankreich als alleiniger potenzieller Gegner. Dieses war jedoch durch seine absoluten und relativen Kriegsverluste gegenüber dem Deutschen Reich geschwächt. Der Erste Weltkrieg hatte zudem im Nordosten Frankreichs enorme Zerstörungen hinterlassen - und ohne das entschwundene Gegengewicht Russisches Reich hatte Frankreich keinen starken Bündnispartner im Rücken des Deutschen Reiches mehr.

Bereits diese kurze Skizze der neuen strategischen Lage nach dem Ersten Weltkrieg macht den erweiterten Gestaltungsraum deutscher Außenpolitik deutlich, wenn diese unter machtpolitischen Gesichtspunkten analysiert wird. Hierbei sind jedoch zunächst zwei Begrenzungen evident: Erstens war bis zur Mitte der 1920er-Jahre keine hierfür notwendige wirtschaftliche Basis vorhanden, und - zweitens - ist aus politiktheoretischer Perspektive zudem zu konstatieren, dass die (neue) Weimarer Republik mit ihrer demokratischen Verfasstheit - noch dazu unter den militärischen Auflagen des Versailler Vertrages mit seinen vielfältigen Beschränkungen wie der Begrenzung des Heeres auf 100.000 Mann und der Marine auf 15.000 Mann sowie einem Verbot von Luftstreitkräften und der entmilitarisierten Zone 50 Kilometer ostwärts des Rheines - eine Wiederaufnahme einer „klassischen“ Großmachtpolitik wie zur Zeit des Kaiserreiches nicht vornehmen konnte.33)

Optionen der Neuorientierung

Tatsächlich wurde diese indes vom Chef der Heeresleitung, Generaloberst Hans von Seeckt, perspektivisch anvisiert. Sein „Hebel“ war der neu entstandene Staat Polen, über dessen Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund des polnisch-sowjetischen Krieges von 1920, er ausführte: „Der jetzige polnische Staat ist eine Schöpfung der Entente. Er soll den Druck des früheren Russland auf die deutsche Ostfront ersetzen (...) Bricht Polen zusammen, so wankt das gesamte Gebäude des Versailler Vertrages.“34) Für Seeckt war es dabei auch geradezu logisch, obwohl die weltanschaulichen Lineamente dem zu widersprechen schienen, mit der Roten Armee zur Unterlaufung der rüstungskontrollpolitischen Bestimmungen des Versailler „Schanddiktates“ zu kooperieren, wenn es um die Einübung des Zusammenwirkens verbotener Waffensysteme und Teilstreitkräfte ging, die die zu diesem Zweck eingesetzte Interalliierte Kontrollkommission in der Sowjetunion nicht überwachen konnte.35) Letztlich intendierte er damit, wenngleich unter ganz anderen Grundannahmen als später im „Dritten Reich“, seiner Überzeugung von der notwendigen Beseitigung des polnischen Staates - „Poloniam esse delendam“ - das militärische Instrumentarium zu geben. Der Ansatz Seeckts, über einen überzeichneten Machtstaatsgedanken mit der Fixierung auf die militärische Macht die Voraussetzung außenpolitischer Handlungsfreiheit zu generieren, erwies sich indes aufgrund der real nicht vorhandenen militärischen Möglichkeiten als (vorläufig) substanzlos.

Im Gegensatz dazu entwickelte Außenminister Gustav Stresemann (1923-29) durch einen Wechsel der Methode eine ganz andere Perspektive für die Wiedererlangung einer deutschen Großmachtposition im Rahmen „demokratischer“ Außenpolitik: Über eine anzustrebende wirtschaftliche Prosperität wollte er, in größtmöglichem Einklang mit der Politik der Westmächte, die Voraussetzung dafür schaffen, neben einer Politik des Ausgleichs mit Frankreich, über eine sukzessive Revisionspolitik die sich eröffnenden Chancen, die verlorenen Ostgebiete des Reiches wiederzuerlangen, nutzen.

Am Beispiel der Konferenz von Locarno von 1925 lässt sich sein strategischer Ansatz wie in einem Brennglas verdeutlichen. „Locarno“ sollte nach dem in seinen Auswirkungen katastrophalen Krisenjahr 192336) eine neue Phase der internationalen Stabilität und damit die Voraussetzung für die Zahlung von Reparationen schaffen, wofür das Deutsche Reich eine Garantie seiner Westgrenze durch Großbritannien, die Aufnahme in den Völkerbund inklusive eines Sitzes in dessen Sicherheitsrat und damit cum grano salis die Akzeptanz als europäische Großmacht erhielt.37) Damit schien es perspektivisch nur eine Frage der Zeit zu sein, wann das Deutsche Reich in einem friedlichen Umfeld zur vorherrschenden Ordnungsmacht in Europa erwachsen würde, dem durch die verfolgte Außenwirtschaftspolitik im (Süd-)Osten des Kontinents ein weiterer Projektionsraum entstehen konnte, zumal die Sowjetunion für die Staaten in ihrem Westen nichts Adäquates anzubieten hatte.

Im Westen war Frankreichs offensive Außenpolitik mit ihrer anti-deutschen Stoßrichtung durch den Vertrag von Locarno Geschichte. Frankreich konzentrierte sich, nachdem die Rheinlinie Illusion geworden war, auf eine defensive Grundausrichtung seiner Sicherheitspolitik, die sich letztlich auch im Bau der Maginot-Linie niederschlug.38) Damit hat es auch die psychologisch-politische Bedeutung der Sicherheitspakte mit Polen und der Tschechoslowakei unterminiert - eine Armee, die sich in einem Bunkersystem verschanzt, hat sich mental auf die Verteidigung eingestellt; offensive Operationen, wie sie aufgrund französischer Beistandsverpflichtungen bei einem deutsch-polnischen oder deutsch-tschechischen Konflikt notwendig würden, schienen damit kaum mehr eine drohende oder abschreckende Wirkung entfalten zu können. Das günstigste außenpolitische Szenario für das Deutsche Reich seit seiner Gründung wurde nach der vornehmlich aus innenpolitischen Gründen gescheiterten Weimarer Republik39) in der Folgezeit durch das „Dritte Reich“ ausgenutzt.

Operatives Denken von Moltke d. Ä. bis Seeckt

Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 veränderte sich die geostrategische Lage in Europa entscheidend. Während führende europäische Politiker, wie Benjamin Disraeli,40) das Gleichgewicht der Mächte in Europa zerstört sahen, wurde in Deutschland die Mittellage des Kaiserreiches als Bedrohung gewertet - grenzte das Kaiserreich doch als einzige der fünf europäischen Großmächte mit Frankreich im Westen, Österreich-Ungarn im Südosten und Russland im Osten direkt an drei potenzielle Kriegsgegner. Während Bismarck und seine Nachfolger einen eventuellen Zwei- oder gar Mehrfrontenkrieg durch die Schaffung von Bündnissen, so dem Zweibund mit Österreich, zu verhindern suchten, bereitete sich der Große Generalstab in Berlin auf einen Zweifrontenkrieg vor.41) Für die mehrheitlich preußischen Generalstabsoffiziere war die gleichzeitige Kriegführung an mehreren Fronten keine neue Erfahrung: Ihre Vorfahren hatten im Dreißigjährigen Krieg sowie unter Friedrich dem Großen in materieller und personeller Unterlegenheit zugleich gegen mehrere europäische Großmächte gekämpft. Auch sie selbst hatten im Deutschen Krieg von 1866 erfolgreich einen Zweifrontenkrieg geführt. Für einen potenziellen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland sah sich der Generalstab daher trotz materieller und personeller Unterlegenheit gewappnet. Er war davon überzeugt, mit dem aus der Mittellage sich ergebenden Vorteil der inneren Linie, in Verbindung mit dem Aufbau eines qualitativ hochwertigen Heeres sowie einer überlegenen Führungskunst einen Zweifrontenkrieg gegen die potenziellen Gegner Russland und Frankreich, auch angesichts des Raumnachteils und der personellen wie materiellen Ressourcenunterlegenheit, siegreich führen zu können. Als ausschlaggebenden Faktor erachtete der Generalstab die von ihm in den so genannten „Reichseinigungskriegen“ demonstrierte erfolgreiche operative Führungskunst.42)

Deren Vater war der Chef des Großen Generalstabes, Helmuth von Moltke d. Ä. Angesichts der seit Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Massenheere war er neue Wege gegangen und hatte schon länger verstreut existierende Ideen mit den neuen technischen Innovationen seiner Zeit - Telegraf und Eisenbahn - verknüpft. In seinen Überlegungen spielte die Operation die entscheidende Rolle. Sie war für ihn Bewegung, die dank der Aufteilung der eigenen Streitkräfte in selbstständig operierende, jedoch durch den Generalstab geführte Armeen, mit großer Schnelligkeit abzulaufen hatte. Die getrennt vorgehenden Verbände waren in der Schlacht auf der äußeren Linie zusammenzuführen, um die feindliche Streitmacht zu umfassen und zu vernichten. In der Bewegung sah Moltke die Möglichkeit, die gesteigerte Feuerkraft des Massenheeres, die den Verteidiger in der Schlacht begünstigte, zu umgehen. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Bewegungen jedoch überraschend und schnell durchgeführt und gelenkt werden. Für Moltke war das operative Denken ein auf Bewegung basierendes lageangepasstes System der Aushilfen, das einen schnellen Sieg herbeiführen sollte.43)

Obwohl Moltke die Operation noch der Strategie unterordnete und nicht als selbstständige Kategorie zwischen Taktik und Strategie betrachtete und zwischen beiden Begriffen hin und her sprang, wurde der Operationsbegriff ab den 1870er-Jahren in den Sprachgebrauch des Generalstabes aufgenommen. Die De-facto-Aufnahme in den Kanon des Großen Generalstabes erfolgte jedoch erst unter Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen. Unter ihm kristallisierte sich die Lösung des Generalstabes für einen sich aus der Mittellage fast zwangsläufig ergebenden Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland heraus. Ausgehend von der Prämisse, Deutschland könne einen langwierigen Krieg aufgrund seiner materiellen und personellen Ressourcenunterlegenheit nicht gewinnen, ersann Schlieffen eine operative Lösung für ein strategisches Problem. Er plante den gegnerischen Ressourcenaufbau durch einen schnellen Sieg zu unterlaufen. Der große Schweiger, wie ihn seine Generalstabsoffiziere nannten, verdichtete die auf den Gedanken Moltkes d. Ä. fußenden entscheidenden Parameter Bewegung, Angriff, Moral, Wille, Schnelligkeit, Initiative, Schwerpunkt, Umfassung, Überraschung und Vernichtung in einem Taktik, Operation und Militärstrategie übergreifenden einzigen schnellen Akt. Im Sinne der Technologisierungs- und Rationalisierungstendenzen der Zeit versuchte er alles, um Unberechenbares oder Irrationales durch geplante Operationsführung im Vorfeld zu verhindern.

Dazu zwang er das operative Denken in einen monolithischen Block, indem er Denken und Handeln des seit Moltke d. Ä. zur zentralen operativen Planungs- und Führungsinstanz ausgebauten Generalstabes44) ausschließlich auf eine ins gewaltige ausgedehnte Umfassung beschränkte. Mit ihr sollte dem Gegner das Gesetz des Handelns diktiert und auch in Unterlegenheit ein Vernichtungssieg sichergestellt werden. Dabei ignorierte er die Erkenntnis aus dem deutsch-französischen Krieg, dass ein Volkskrieg reguläre Armeen vor größte Probleme stellte, schnelle durch operative Führung erzwungene Schlachtentscheidungen erschwerte, den Krieg auf unbegrenzte Zeit verlängerte und auch eine ausgezeichnete operative Kriegführung keine schnelle Kriegsentscheidung garantierte. Überhaupt durchdachte der Generalstab militärische Probleme selten strategisch-politisch, sondern nur operativ-strategisch. Als Ergebnis des selektiven Auswertungs- und Lernprozesses konzentrierte er sich unter Schlieffen ausschließlich auf mit zahlenmäßiger Unterlegenheit zum Sieg führende Operationen. Das Ergebnis war die als „Testament“ seinem Nachfolger, Generaloberst Helmuth von Moltke d. J., übergebene Denkschrift von 1905.45)

Diese als Schlieffenplan in die Geschichte eingegangene Denkschrift für einen Krieg gegen Frankreich fußte auf den von Schlieffen im Laufe der Jahre entwickelten Prinzipien für einen Zweifrontenkrieg gegen Russland und Frankreich:

1. Verzicht auf eine defensive und reagierende, hin zu einer offensiven, die Initiative ergreifenden Kriegführung.

2. Unter Nutzung der „inneren Linie“ Auflösung des Zweifrontenkrieges in zwei Einfrontenkriege, die nacheinander durchgefochten werden sollten.

3. Schwerpunktbildung mit Offensive im Westen und Verzögerung im Osten.

4. Schnelle Vernichtungsschlacht mit dem starken rechten Flügel nach Umfassung des französischen Fes­tungssystems und erfolgreichem Durchmarsch durch luxemburgisches, niederländisches und belgisches Territorium.

5. Nach dem Sieg unter Ausnutzung der Eisenbahn Transport der siegreichen Verbände an die Ostfront, um dann den zwischenzeitlich nur verzögerten Gegner zu schlagen.46)

Ausgehend von der Überzeugung, Deutschland könne keinen langwierigen Abnutzungskrieg gewinnen, war dies der Operationsplan für einen vermeintlich kurzen Krieg. Die Entwicklung des operativen Denkens war damit bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges weitgehend abgeschlossen. Die zentralen Faktoren Initiative, Bewegung und Umfassung hatten sich über Jahrzehnte in einem Diskurs inner- und außerhalb des Generalstabes herausgebildet und waren zum Allgemeingut, zum vermeintlichen Siegesrezept geworden. Daran änderten auch die von Schlieffens Nachfolger Generaloberst Helmuth von Moltke d. J. am Schlieffenplan vorgenommen Veränderungen, Verstärkung des linken Flügels zum Schutz gegen eine französische Offensive in Elsass-Lothringen47) sowie Verzicht auf den Durchmarsch durch die Niederlande, da er diesen Staat im Kriegsfall als die wirtschaftliche Luftröhre Deutschlands ansah und einen längeren Krieg nicht gänzlich ausschloss,48) nichts.

1914 führten die operativen Planungen des Generalstabes schon nach wenigen Wochen zu einem Fiasko. Die große Umfassung des rechten Flügels scheiterte. Weder eine einfache noch eine doppelte Umfassung, geschweige denn eine Vernichtungsschlacht mit finalem Charakter gelang.49) Auch der immer wieder glorifizierte Sieg bei Tannenberg kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das operative Denken seine Bewährungsprobe nicht bestand. So war das „Cannae des Ostens“ zwar ein operativer Sieg, jedoch zugleich auch eine strategische Niederlage, da die OHL, eine Katastrophe in Ostpreußen befürchtend, Verstärkungen von der West- an die Ostfront verlegte, die im weiteren Kriegsverlauf in Frankreich an der Marne fehlten.50)

Mit der Niederlage im Westen 1914 musste die militärische und politische Führung des Kaiserreichs akzeptieren, dass Schlieffens Lösung für das strategische Dilemma des Kaiserreichs gescheitert war. Es war nicht gelungen, das überlegene Potenzial der gegnerischen Staaten, unter Ausnutzung der inneren Linie und Auflösung des Zwei­frontenkrieges in zwei nacheinander durchzuführende schnelle offensive Operationen mit jeweiliger regionaler Überlegenheit, zu unterlaufen. Der Stellungskrieg an der Westfront rückte zugleich den vor dem Krieg kaum in Erwägung gezogenen frontalen Durchbruch ins Zentrum des operativen Denkens.51)

Der Erste Weltkrieg legte so schon nach wenigen Wochen die entscheidende Schwäche des deutschen operativen Denkens offen. Dem deutschen Heer mangelte es an operativer Beweglichkeit, um die theoretischen Planungen in der Realität umzusetzen. Der Generalstab hatte die Interdependenz zwischen dem Zeitdruck auf der operativ-strategischen Ebene und der zur Durchführung der Operationen notwendigen Beweglichkeit der Truppe unterschätzt und so verkannt, dass die Mobilität der entscheidende Faktor der Operationsführung war. Für eine unter Zeitdruck in großen Räumen geführte schnelle bewegliche Kriegführung muss die Streitmacht, die unter Zeitdruck einen Gegner vernichtend schlagen soll, nicht nur mit gut ausgebildeten und ausgerüsteten, sondern v.a. mit hochgradig mobilen Verbänden ausgestattet sein, um in Unterlegenheit einen Gegner zu schlagen. Genau über diese Verbände verfügte das deutsche Heer jedoch nicht. Die Geschwindigkeit des Angriffs bestimmten der Marschschritt des Infanteristen sowie die Beweglichkeit der Artillerie. Eine Umfassung sich geordnet zurückziehender Verbände war damit fast unmöglich. Eine mit der Vernichtung des angegriffenen Gegners endende offensive Umfassungsschlacht gelang daher den deutschen Verbänden während des Weltkrieges weder an der West- noch an der Ostfront, wo sich die Offensiven in der Tiefe des russischen Raumes verliefen. Zudem waren die Operationsplanungen wegen der Mittellage des Kaiserreiches logistisch und transporttechnisch lediglich auf eine grenznahe Kriegführung ausgelegt.

Der Weltkrieg offenbarte so im Osten eher die strategischen Grenzen und im Westen eher die taktischen des operativen Denkens. Der Krieg legte gnadenlos offen, dass zwischen dem, was nach sorgfältiger und realistischer Berechnung das deutsche Heer leisten konnte, und den an es herangetragenen Forderungen eine große Lücke klaffte. Anspruch und Wirklichkeit in der deutschen militärischen und politischen Führung befanden sich vor und auch gegen Ende des Krieges nicht im Einklang. Daran konnte auch der Appell an den Willen nichts ändern.

Trotz der aufgezeigten Schwächen ist festzuhalten, dass die deutsche Armee im Grenzbereich zwischen Taktik und Operation große Leistungen vollbrachte. So musste bei aller Kritik die Schlacht von Tannenberg erst einmal siegreich beendet werden. Die Offensive in Russland 1915 und der Rumänienfeldzug 1916 sind vor dem Hintergrund der deutschen Kapazitäten Beispiele von gelungener operativer Führung. Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten hat die OHL in bestimmten Bereichen, z.B. der Entwicklung neuer taktischer Verfahren für Verteidigung und Angriff, große Innovationsfähigkeit an den Tag gelegt.52)

Die Niederlage des Jahres 1918 bestätigte den Generalstab in der Überzeugung, Deutschland könne einen langwierigen Abnutzungskrieg nicht gewinnen. Der Versuch, die Ressourcenungleichheiten durch taktisch-operative Innovationen auszugleichen, war gescheitert. Das Eingeständnis dieser Erkenntnis hätte konsequenterweise die Aufgabe einer militärisch gestützten Großmachtpolitik bedeutet. Dies lag aber außerhalb der gedanklichen Grundhaltung der deutschen Militärelite. Für die apolitisch erzogenen und sozialisierten Offiziere lag die Entwicklung eines modernen Strategiebegriffs mit einem der Kriegführung zugrunde liegenden Primat der Politik außerhalb der gedanklichen Vorstellungen. Unbeirrt hielten sie an dem Grundsatz des politikfreien Operierens fest.

Trotz der Niederlage stand für die Generalstabsoffiziere außer Frage, dass sie mit dem deutschen operativen Denken über das richtige Führungskonzept verfügten. Nicht das Konzept galt als fehlerhaft, sondern dessen inkonsequente, mit Führungsfehlern gekoppelte Ausführung wie die Verwässerung des Schlieffenplans. Daher führte die direkt nach Kriegsende einsetzende selektive Auswertung von Kriegserfahrungen zwangsläufig zur Bestätigung der schon vor dem Krieg geltenden Grundsätze über die bewegliche operative Kriegführung und die Bedeutung des Angriffs.

Während sich die Reichswehr auf operativ-strategischem Gebiet einer realistischen Ursachenforschung weitgehend verweigerte, wertete sie dagegen professionell und zielgerichtet die taktischen Kriegserfahrungen aus. Dieses partielle Lernen floss nicht nur in die taktischen, sondern auch in die operativen konzeptionellen Überlegungen der Führung des Reichsheeres ein. Die Kontinuitätslinie, Unterlegenheit durch taktische und operative Beweglichkeit auszugleichen, ist offenkundig.53)

In der Realität durch die Auflagen des Versailler Friedensvertrags ihrem potenziellen Gegner hoffnungslos unterlegen, agierte die Reichswehr unter ihrem Chef Generaloberst Hans von Seeckt gleichzeitig auf einer realistisch-taktischen und utopisch-operativ-strategischen Ebene. Während die taktischen Innovationen mit der Weiterentwicklung des Gefechtes der verbundenen Waffen die Taktik des Heeres über Jahre hinweg prägte, führte die Restauration des operativen Denkens in der Ära Seeckt zu Frustrationen und zu einer Krise des operativen Denkens. Offiziere wie Oberst Joachim von Stülpnagel forderten vor dem Hintergrund der offensichtlichen militärischen Unterlegenheit des Reiches eine realistische Lagebeurteilung. Stülpnagel sprach sich gegen den klassischen Operationskrieg Schlieffen’scher Prägung aus und forderte stattdessen die Einbettung des Volkskrieges mit irregulären Einheiten als gesamtgesellschaftlichen Krieg in die operative Kriegführung.54) Diese Radikalisierung der Kriegführung, die im Zweiten Weltkrieg in vielen Bereichen Realität wurde, stand im Gegensatz zu den von Seeckt tradierten operativen Vorstellungen und dessen Überzeugung, die Armee und nicht das Volk führe den Krieg. Seeckts operative Doktrin, mit einem kleinen beweglichen und hochtechnisierten Berufsheer einen Krieg „blitzartig“ zu beenden, bevor die totalisierenden militärischen und gesamtgesellschaftlichen Potenziale der Feinde zur Entfaltung kommen könnten, war letztlich die Radikalisierung des klassischen Schlieffen’schen operativen Konzeptes hin zu einer nicht mehr zu steigernden Geschwindigkeit der Anfangsoperationen.55) Letztlich waren aber sowohl Stülpnagels als auch Seeckts operative Vorstellungen vor der realen strategischen Lage Deutschlands, wenn auch aus verschiedenen Gründen, nicht umsetzbar.

Den von Reichswehrminister Wilhelm Groener (1928-32) eingeleiteten Prozess, die operativen Planungen mit der deutschen Außenpolitik und der realen strategischen Situation des Reiches abzustimmen, trugen nur Teile der Heeresführung mit. Tief verhaftet im klassischen operativen Denken, entwickelte die Mehrheit der Offiziere nur eingeschränkt ein Verständnis für eine über das Operativ-Militärische hinausgehende Gesamtkriegführung und lehnte die Unterordnung des Militärs und dessen Planungen unter den Primat der Gesamtpolitik ab.

Das operative Denken des Reichsheeres bewegte sich Anfang der 1930er-Jahre, auch wenn der Verteidigung und dem hinhaltenden Kampf mehr Raum als vor 1914 eingeräumt wurde, wieder im klassischen operativ angriffsweise geführten Bewegungskrieg. Überraschung, Schwerpunktbildung, Umfassung, Vernichtung, innere Linie, Kampf in der Unterlegenheit und Feldherrenkunst waren, gekoppelt mit dem Glauben an die schnelle Schlachtentscheidung zum Unterlaufen der gegnerischen Potenziale, die Eckpfeiler dieses Denkens. Der Durchbruch als Voraussetzung für eine gelungene Umfassung, im Kaiserreich noch heftig umstritten, rückte zudem immer stärker ins Zentrum des operativen Interesses. Langsam begann man den Durchbruch in Verbindung mit anschließender operativer Umfassung als eine durchgehende Operation zu begreifen. Die zur Umsetzung dieses operativen Denkens notwendigen Kriegsmittel wie Panzer oder Flugzeuge standen jedoch dem Reichsheer aufgrund der Auflagen des Versailler Vertrages nicht zur Verfügung. Dieser Zustand sollte sich nur wenige Jahre später ändern. (Wird fortgesetzt)

 

ANMERKUNGEN:

 

1) Vgl. statt vieler die Überblicksdarstellungen von Gottfried Niedhardt: Internationale Beziehungen 1917-1947, Paderborn 1989 und Horst Möller: Europa zwischen den Weltkriegen, München 1998 (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 21) sowie Walter L. Bernecker: Europa zwischen den Weltkriegen 1914-1945, Stuttgart 2002 (=Handbuch der Geschichte Europas, 9).

2) Vgl. Mark Mazower: Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Berlin 2000.

3) Vgl. Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme, München 1995.

4) Vgl. Reichsgesetzblatt (Nr. 140) Jahrgang 1919: Gesetz über den Friedensschluß zwischen Deutschland und den alliierten und assoziierten Mächten, S.687ff.

5) Vgl. hierzu grundsätzlich Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, 2. Aufl. Darmstadt 1996.

6) David P. Calleo: The German Problem Reconsidered. Germany and the World order, 1870 to the Present, Cambridge 1978, S.208.

7) Vgl. Klaus Hildebrand: Deutsche Außenpolitik 1871-1918, 2. Aufl. München 1994.

8) Vgl. Klaus Wernecke: Der Wille zur Weltgeltung. Außenpolitik und Öffentlichkeit im Kaiserreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges, Düsseldorf 1970.

9) Der Begriff wurde von Max Weber in seiner Antrittsvorlesung 1895 geprägt, vgl. Max Weber: Gesammelte politische Schriften. Hrsg. von J. Winckelmann, 2. Aufl. Tübingen 1958, S.23.

10) Vgl. Michael Epkenhans: Die wilhelminische Flottenrüstung 1908-1914. Weltmachtstreben, industrieller Fortschritt, soziale Integration, München 1991 (=Beiträge zur Militärgeschichte, 32).

11) Vgl. Gregor Schöllgen: Instrument deutscher Weltmachtpolitik. Die Bagdadbahn im Zeitalter des Imperialismus. In: Jürgen Franzke (Hrsg.): Bagdadbahn und Hedjazbahn. Deutsche Eisenbahngeschichte im Vorderen Orient, Nürnberg 2003, S.108-111 sowie ders., Imperialismus und Gleichgewicht. Deutschland, England und die orientalische Frage 1871-1914, München 1984.

12) Vgl. Helmuth Plessner: Die verspätete Nation. Über die politische Verführbarkeit bürgerlichen Geistes, 5. Aufl. Frankfurt/M. 1994.

13) Friedrich Meinecke: Die deutsche Katastrophe. Betrachtungen und Erinnerungen, 3. Aufl. Wiesbaden 1947, S.25.

14) Vgl. Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18, Düsseldorf 1967.

15) Vgl. Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreiches, Frankfurt/M. 1997 und Joachim Radkau, Das Zeitalter der Nervosität. Deutschland zwischen Bismarck und Hitler, München 1998.

16) Vgl. Otto Fürst von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, Volks-Ausgabe Bd. 2, Stuttgart/Berlin 1909, S.253.

17) Vgl. Gerhard P. Groß: Der „Raum“ als operationsgeschichtliche Kategorie im Zeitalter der Weltkriege. In: Jörg Echternkamp, Wolfgang Schmidt, Thomas Vogel (Hrsg.): Perspektiven der Militärgeschichte. Raum, Gewalt und Repräsentation in historischer Forschung und Bildung, München 2010 (=Beiträge zur Militärgeschichte, 67), S.115-140.

18) Vgl. Hans Ehlert, Michael Epkenhans, Gerhard P. Groß (Hrsg.): Der Schlieffenplan. Analysen und Dokumente, Paderborn 2006 (=Zeitalter der Weltkriege, 2).

19) George F. Kennan: The Decline of Bismarck’s European Order. Franco-Russian Relations, 1875-1890, Princton 1979, S.3.

20) Vgl. zum Ersten Weltkrieg: Gerhard Hirschfeld/Gerd Krumeich (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2003; Michael Salewski: Der Erste Weltkrieg, 2. Aufl. Paderborn 2004, Michael Howard: Kurze Geschichte des Ersten Weltkriegs, München 2004/05, John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, 2. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2003 sowie Roger Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002 und Wolfgang J. Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914-1918, Stuttgart 2004 (=Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, 17).

21) Vgl. Holger Afflerbach: Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich, München 1994.

22) Vgl. hierzu kompakt Manfred Messerschmidt: Das preußische Militärwesen. In: Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der Preußischen Geschichte Bd. III: Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Berlin 2001, S.319-546, hier S.480-490.

23) Vgl. zum Gesamtkomplex konzis Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949, München 2003, S.114-122.

24) Vgl. Werner Hahlweg (Hrsg.): Lenins Rückkehr nach Russland. Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916-1918, Leiden 1957.

25) Vgl. Hildebrandt: Das vergangene Reich, S.363-372.

26) Vgl. etwa Andreas Hillgruber: Das Russland-Bild der führenden deutschen Militärs vor Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion. In: Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Das Russland-Bild im Dritten Reich, Köln u.a. 1994, S.125-140.

27) Vgl. Niedhardt: Internationale Beziehungen, S.11-29.

28) Vgl. Christopher M. Bell: Thinking the Unthinkable: British and American Naval Strategies for an Anglo-American War, 1918-1931. In: The International History Review, Vol. 19, No. 4, November 1997, S.789-808.

29) Vgl. Hildebrand: Das vergangene Reich, S.408.

30) Möller: Europa zwischen den Kriegen, S.18.

31) Vgl. Artikel 88 des Vertrages von Saint-Germain-en-Laye vom 10. September 1919, abgedruckt im Staatsgesetzblatt 303/1920.

32) Vgl. Michael Salewski: Das Weimarer Revisionssyndrom. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B2/1980, S.14-25.

33) Vgl. Peter Krüger: Die Außenpolitik der Republik von Weimar, Darmstadt 1993.

34) Zit. nach Francis L. Carstens: Reichswehr und Politik, 1918-1933, Köln 1964, S.79.

35) Vgl. Manfred Zeidler: Reichswehr und Rote Armee 1920 bis 1933. Wege und Stationen einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit, München 1993 (=Beiträge zur Militärgeschichte, 36).

36) Vgl. Gerd Krumeich/Joachim Schröder (Hrsg.): Der Schatten des Weltkriegs: Die Ruhrbesetzung 1923, Essen 2004 (=Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, 69).

37) Vgl. Gottfried Niedhardt: Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. Aufl. München 2006 (=Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 53), S.23.

38) Vgl. Frédéric Guelton: Das Problem der mechanisierten Kriegführung in Frankreich 1917 bis 1940. In: Gerhard P. Groß (Hrsg.): Führungsdenken in europäischen und nordamerikanischen Streitkräften im 19. und 20. Jahrhundert, Hamburg, Berlin, Bonn 2001 (=Vorträge zur Militärgeschichte, 19), S.191-208, hier S.199.

39) Vgl. generell Andreas Wirsching: Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl. München 2008 (=Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 58).

40) Vgl. William Flavelle Monypenny, George Earle Buckle: The Life of Benjamin Disraeli, Earl of Beaconsfield, Vol. II 1860-1881, 2. Aufl. London 1929, S.473.

41) Zur Raumproblematik vgl. Groß: „Raum“ als operationsgeschichtliche Kategorie. In: Echternkamp (Hrsg.): Perspektiven, S.115-140.

42) Zur Entwicklung des operativen Denkens im deutschen Heer vgl. neuerdings Gerhard P. Groß: Von Moltke bis Heusinger. Die Entwicklung des operativen Denkens im deutschen Heer, Paderborn u.a. 2012 (=Zeitalter der Weltkrieg, 9).

43) „Der Charakter der heutigen Kriegführung ist bezeichnet durch das Streben nach großer und schneller Entscheidung… Alles drängt auf rasche Beendigung des Krieges.“ Moltkes Militärische Werke II, 2, Verordnungen, S.173.

44) Vgl. Arden Bucholz: Moltke, Schlieffen and the Prussian War Planning, New York 1991.

45) Zur neueren Forschungsdiskussion vgl. Ehlert/Epkenhans/Groß: Schlieffenplan. In diesem Band sind erstmalig die neu aufgefundenen Abschriften der Aufmarschanweisungen des Großen Generalstabes von 1893/94 bis 1914/15 abgedruckt.

46) Vgl. dazu Gerhard P. Groß: There was a Schlieffen Plan. In: Ehlert/Epkenhans/Groß: Schlieffenplan, S.117-160 sowie Gerhard Ritter: Der Schlieffenplan. Kritik eines Mythos, München 1956.

47) Zu den französischen Operationsplanungen vgl. Robert A. Doughty: France. In: War Planning 1914, edited by Richard F. Hamilton/Holger H. Herwig, New York 2010, S.143-174; Stefan Schmidt: Frankreichs Plan XVII. Zur Interdependenz von Außenpolitik und militärischer Planung in den letzten Jahren vor dem Ausbruch des großen Krieges. In: Ehlert/Epkenhans/Groß: Schlieffenplan, S.221-256.

48) Vgl. dazu Stig Förster: Der deutsche Generalstab und die Illusion des kurzen Krieges, 1871-1914. Metakritik eines Mythos. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 54 (1995), S.61-95, Annika Mombauer: Helmuth von Moltke and the origins of the First World War, Cambridge 2001 und dies.: Der Moltkeplan. Modifikation des Schlieffenplans bei gleichen Zielen? In: Ehlert/Epkenhans/Groß: Schlieffenplan, S.79-99.

49) Dazu neuerdings Holger H. Herwig: The Marne, 1914. The Opening of World War I and the Battle That Changed the World, New York 2009.

50) Zur Kriegführung an der Ostfront vgl. Gerhard P. Groß: Im Schatten des Westens. Die deutsche Kriegführung an der Ostfront bis Ende 1915. In: Die vergessene Front. Der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung hrsg. von Gerhard P. Groß, Paderborn 2006 (=Zeitalter der Weltkriege, 1),
S.49-64.

51) Zur Entwicklung der deutschen Taktik vgl. Gerhard P. Groß: Das Dogma der Beweglichkeit. Überlegungen zur Genese der deutschen Heerestaktik im Zeitalter der Weltkriege. In: Erster Weltkrieg Zweiter Weltkrieg. Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland, hrsg. im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes von Bruno Thoß und Hans-Erich Volkmann, Paderborn u.a. 2002, S.143-166.

52) Vgl. Groß: Dogma der Beweglichkeit, S.147-153.

53) Vgl. Groß: Dogma der Beweglichkeit, S.153-156.

54) Vgl. dazu Wilhelm Deist: Die Reichswehr und der Krieg der Zukunft. In: MGM 45(1989) 1, S.81-92, Michael Geyer: Aufrüstung oder Sicherheit. Die Reichswehr in der Krise der Machtpolitik 1924-1936, Wiesbaden 1980 (=Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz, 91), S.84-97 sowie neuerdings Gil-li Vardi: Joachim von Stülpnagel’s Military Thought and Planning. In: War and History, 2 (2010), S.193-216.

55) Weiterführend zu Seeckts Konzeption: Robert M. Citino: The Path to Blitzkrieg. Doctrine and Training in the German Army, 1920-1939, Boulder 1999, James S. Corum: The Roots of Blitzkrieg. Hans von Seeckt and German Military Reform, Lawrence 1992 und Matthias Strohn: The German Army and the Defence of the Reich. Military Doctrine and the Conduct of the Defensive Battle 1918-1939, Cambridge u.a. 2011.