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Raymond E. Bell Jr.

 

Die United States Military Academy in West Point, Bundesstaat New York, nimmt bereits seit mehr als hundert Jahren Offiziersanwärter aus Gastländern auf. Der erste West-Point-Absolvent aus Übersee war Antonio Barrios aus Guatemala (1889). Ihm folgte 1893 der Schweizer Henry Charles Le Comte. Le Comte diente von 1894-1917 in der Schweizer Armee und trat als Oberst der Pioniere in den Ruhestand. Ihm folgten einige wenige Absolventen aus Costa Rica (1907 und 1910) und der neuen Republik China (zwei im Jahre 1909). In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Anzahl fremdländischer Studenten in West Point beträchtlich an, und als der Eiserne Vorhang fiel, besuchten männliche und weibliche Fähnriche aus früheren kommunistischen Ländern die Akademie.

Die meisten internationalen Fähnriche besuchten die Militärakademie vier Jahre lang und kehrten nach ihrem Studienabschluss in ihr eigenes Land zurück, wo sie in ihre eigene Armee ausmusterten. Auch Offiziersanwärter aus anderen Ländern besuchten die Akademie für kürzere Zeiträume, zumeist ein akademisches Semester. In den letzten Jahren schickten die Regierungen Kanadas, der Bundesrepublik Deutschland und auch anderer NATO-Mitgliedsländer Offiziersanwärter im letzten Jahr zur Ausbildung nach West Point.

Im Herbst 2007 kamen Markus Artmann, Franz Gumpitsch und Karl Testor als erste Offiziersanwärter im letzten Ausbildungsjahr von der Theresianischen Militärakademie zu Wiener Neustadt nach West Point, um hier ein Auslandssemester zu verbringen. Für das Herbstsemester 2010/2011 meldeten sich die Offiziersanwärter im letzten Ausbildungsjahr Alexander Böhm, Andreas Grassmugg, Christopher Vasold und Martin Weissenbacher in West Point. Im Studienjahr davor waren die Offiziersanwärter im letzten Ausbildungsjahr Mario Doppelhofer, Thomas Handlechner, Manuel Janisch und Elia Vasold an der Militärakademie. Im Gegenzug dazu besuchten von August bis Dezember 2010 die West-Point-Fähnriche Christian Bellavia, Seth Johnson, Matthew Joiner und Daniel Kurber die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt.

Der folgende Artikel gibt einen Einblick in die United States Military Academy und beschreibt einige Aspekte der Teilnahme österreichischer Austauschoffiziersanwärter.

 

West Point als Festung und Militärakademie

Die United States Military Academy, auch als West Point bekannt, befindet sich am Standort einer früheren Festung aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, 96 Kilometer nördlich von New York City. Die Festung befand sich direkt oberhalb einer Biegung des schnell fließenden Hudson River, wobei der vorstehende Felsvorsprung dem Ort seinen Namen gab. Eine schwere, auf massiven Holzklötzen befestigte Kette versperrte hier britischen Segelschiffen die Weiterfahrt auf dem Hudson River und ermöglichte es gemeinsam mit den Befestigungsanlagen, die Verbindung zwischen den nordamerikanischen Kolonien und jenen in der Mittelatlantikregion aufrechtzuerhalten. Daher war die Festung, die einer ihrer Kommandeure, Major General Benedict Arnold, an den Feind verraten wollte, der Schlüssel sowohl zur amerikanischen als auch zur britischen Strategie. Sein Plan scheiterte jedoch, und Arnold, einst ein exzellenter General im Dienste der amerikanischen Sache, ging als Archetyp des Verräters in die Geschichte der USA ein.

Nach dem Unabhängigkeitskrieg war West Point eine von lediglich zwei verbleibenden aktiven militärischen Akademien im Land. Sie wurde auch zur Schule für Offiziere und Soldaten des Pionierwesens, bis Präsident Thomas Jefferson hier im März 1802 die United States Military Academy gründete. Der erste Jahrgang bestand aus zwei Offiziersanwärtern, die v.a. im Befestigungs- und Militärwesen sowie in anderen technischen Gegenständen unterrichtet wurden.

Während der nächsten Jahre gab es in der Anzahl der Fähnriche und deren Ausbildungsdauer große Schwankungen. Bis zu jenem Zeitpunkt, als Briten und Amerikaner den Krieg von 1812 führten, hatte eine Zahl von Offizieren der United States Army, großteils Pioniere, bereits West Point durchlaufen. Einer dieser Absolventen, Sylvanus Thayer, Ausmusterungsjahr 1808, gilt als Vater der Militärakademie. Unter seiner Leitung, von 1817-1833, wurde an der Akademie eine neue Lehrmethode eingeführt, die bis zum heutigen Tag in vielerlei Hinsicht Anwendung findet. Er soll maßgeblichen Einfluss auf die Gründung anderer technischer Hochschulen in Amerika ausgeübt haben.

In allen nachfolgenden Kriegen, an denen die USA beteiligt waren, zeichneten sich West-Point-Absolventen aus. Zwei von ihnen, nämlich die Generäle Ulysses S. Grant und Dwight D. Eisenhower, wurden Präsidenten der USA. General of the Armies John J. Pershing befehligte im Ersten Weltkrieg alle Truppen der United States Army in Europa. Die Fünf-Sterne-Generäle Omar N. Bradley, Douglas MacArthur, Henry H. Arnold und Eisenhower führten im Zweiten Weltkrieg die Hauptverbände der U.S. Army bzw. Air Force. Heute sind West-Point-Absolventen im Irak und in Afghanistan in wichtigen Führungspositionen tätig.

Die United States Military Academy ist eine vierjährige akademische Einrichtung, die mit dem Bachelor of Science abschließt. Einige amerikanische Publikationen, die Hochschulen und Universitäten hinsichtlich ihrer Ausbildungsqualität beurteilen, betrachten sie als die beste öffentliche geisteswissenschaftliche US-Hochschule. Sie ist unter den besten amerikanischen Hochschulen zu finden und ermöglicht einen Abschluss in technischen Fächern und den Geisteswissenschaften. Beinahe alle Absolventen, die nach ihrer anfänglichen fünfjährigen Dienstverpflichtung in der U.S. Army bleiben, erlangen den Titel eines Master of Science oder Master of Arts, und viele machen auch noch ein Doktorat. Bei jenen Absolventen, die Rhodes-Stipendien für Graduierte für die britische Universität Oxford erhielten, liegt West Point über die Jahre landesweit auf Platz vier. Im Jahr 2010 erhielten zwei Absolventinnen, die ihren Abschluss im Juni machten, jeweils ein Rhodes-Stipendium.

 

Organisation der United States Military Academy

Da West Point sowohl eine militärische Einrichtung ist als auch als Hochschule akademische Titel vergibt, hat es eine einzigartige akademische Fakultätsstruktur. Der Leiter der Akademie, auch als Superintendent oder President bezeichnet, ist ein auf fünf Jahre bestellter Generalleutnant. Ursprünglich ging dieses Amt an das Pionierkorps, doch dies änderte sich mit der Zeit, sodass nun für gewöhnlich ein Offizier der kämpfenden Waffengattungen zum Superintendenten ernannt wird. Derzeit wird diese Position durch Generalleutnant David H. Huntoon Jr. besetzt.

Dem Superintendenten direkt untergeordnet ist eine Anzahl von Offizieren, darunter zwei Brigadiere und mehrere Oberste. Einer der wichtigsten Oberste ist der Army Post Commander, der für die gesamte Verwaltung der Fähnrichausbildungseinrichtungen zuständig ist. West Point ist mehr als nur eine Ansammlung von Kasernenbereichen und Lehrsälen für Fähnriche. Es ist eine ganz eigene Stadt. Neben speziellen Einrichtungen für die Fähnriche wie etwa dem Speisesaal, Lehrsälen, dem Turnsaal, Lernzentren und Kasernenbereichen ist auch fast das gesamte militärische Personal in West Point untergebracht. Es gibt ein Spital, eine Schule für die Kinder von Soldaten und Offizieren, Kapellen und eine Synagoge, Unterkünfte für Fakultätsangehörige und Hilfskräfte, Bibliotheken, Polizei- und Feuerwehrposten, Restaurants, ein Lebensmittelgeschäft, ein Dampfkraftwerk, eine Tankstelle, Kasernenbereiche für Soldaten, ja sogar einen Friedhof.

Neben dem Verwaltungspersonal der Akademie und den Fakultätsangehörigen in West Point besetzt das hier stationierte Militärpersonal ein großes Krankenquartier, eine Luftwaffenstaffel, die Militärakademieband, eine Militärpolizeikompanie, einen Pionierzug und eine Stabskompanie. Zusätzlich zum militärischen Unterstützungspersonal gibt es eine große Anzahl von Zivilisten, die alle nicht-militärischen Funktionen ausüben. Dazu gehört der Betrieb der Feuerwehr, der Geschäfte, der Wäscherei, des Postamts und der Freizeiteinrichtungen wie etwa des Golfplatzes, der Skipiste, des Kinos und der Bowlingbahn.

Musikalische Beiträge für die Fähnrichverbände und spezielle Anlässe wie Sommerkonzerte und Begräbnisse erfolgen durch die West Point Band. Die Band besteht aus Soldatenmusikern der United States Army, die der Akademie auf Dauer zugeteilt sind. Sie sind ausgebildete Musiker, die nach einem Probespiel West Point zugeteilt werden und damit rechnen dürfen, während ihrer gesamten militärischen Laufbahn an der Akademie zu bleiben. In der Band findet sich die gesamte musikalische Bandbreite, vom Sänger bis zum Trommler. Innerhalb der Kapelle gibt es spezielle Formationen wie etwa die Jazz Knights, die bei Tanzveranstaltungen der Fähnriche und bei Konzerten sowohl in West Point als auch den umliegenden Gemeinden spielen.

Die beiden dem Superintendenten unterstellten Brigadiere sind der Academic Dean (Akademische Dekan) und der Commandant of Cadets (Kommandant der Fähnriche). Der Academic Dean wird aufgrund seiner akademischen Referenzen ausgewählt und versieht seinen Dienst bis zum Pensionsantritt. Oft wird er oder sie aus dem Kreis der militärischen Professoren und Institutsleiter der Akademie ausgewählt. Der Commandant of Cadets ist üblicherweise zwei bis drei Jahre im Amt, wird danach meist zum Generalmajor befördert und erhält eine bedeutende militärische Position wie etwa das Kommando über eine Kampfdivision. Die Position des Commandant gilt als ein Schritt in Richtung einer höheren Funktion in der Befehlskette der U.S. Army, während die Ernennung zum Dean oder Superintendenten als Endpunkt einer Laufbahn betrachtet wird.

Der Academic Dean ist der allgemeine Leiter der Tätigkeiten der verschiedenen Institute an der Akademie. Er legt Strategien gemäß der an amerikanischen Universitäten und Hochschulen gängigen Praxis fest und ist für die Administration und Qualität der Lehre für die Fähnriche verantwortlich. Er sorgt dafür, dass sowohl die Lehre für die Fähnriche als auch deren Leistungen den höchsten Standards entsprechen und über das gesamte Spektrum des akademischen Betriebs einheitlich bleiben. Er beaufsichtigt die Institutsleiter der Akademie und legt für alle Institute gültige Richtlinien fest.

Die Institutsleiter sind gleichzeitig Professoren und Oberste, die der Militärakademie ebenfalls auf Dauer zugeteilt sind. Sie sind angesehene Militärwissenschaftler mit höheren akademischen Qualifikationen auf ihrem Fachgebiet. Sie fungieren auch als Administratoren ihrer Institute und haben somit entscheidenden Einfluss auf die Laufbahn ihrer Fakultätsmitglieder. Obwohl sie den größten Teil ihrer Zeit in West Point verbringen, werden diese Professoren oft in US-Regierungsausschüsse der höchsten Ebene berufen. Unlängst waren einige von ihnen maßgeblich an der Einrichtung der akademischen Verfahren an der neuen afghanischen Militärakademie beteiligt.

Der Commandant of Cadets hat die Aufsicht über die militärische Ausbildung und ist gleichzeitig Kommandant des Corps of Cadets (Fähnrichkorps). Er ist auch verantwortlich für die körperliche Fitness der Fähnriche. Dabei wird er vom Director of Military Instruction, dem Leiter der Militärischen Ausbildung, und dem Master of the Sword, der Leiter des Instituts für Körperausbildung ist, unterstützt.

 

Das United States Corps of Cadets und sein Aufbau

Als Kommandant des Corps of Cadets (Fähnrichkorps) ist der Commandant ein Berufsoffizier im Aktivstand, der vier Fähnrichregimenter führt, die zusammen eine Fähnrichbrigade bilden. Sein im Aktivstand befindlicher Stellvertreter in der Armee ist der Brigade Tactical Officer (Taktische Brigadeoffizier), der den Dienstgrad Oberst hat. Jedes Fähnrichregiment verfügt über einen Kader von Armeeoffizieren und -unteroffizieren. Der Regimental Tactical Officer (Taktische Regimentsoffizier) hat einen kleinen Stab von Offizieren und Unteroffizieren, der die Aktivitäten eines Fähnrichregimentsstabs, dessen beider Fähnrichbataillonsstäbe und von acht Fähnrichkompanien beaufsichtigt. Jede Fähnrichkompanie hat einen Company Tactical Officer (Taktischen Kompanieoffizier), gewöhnlich einen Hauptmann oder Major, und einen Stabsunteroffizier, den Company Tactical Non-commissioned Officer (Taktischen Kompanieunteroffizier). Alle auf diesen Positionen eingeteilten Offiziere und Unteroffiziere haben zuvor ein besonderes Maß an dienstlicher Kompetenz bewiesen, waren in Kampfeinsätzen, wurden eigens für diese Positionen ausgewählt und vor Dienstantritt einer speziellen Ausbildung zugeführt.

Die aktiven Berufsoffiziere und -unteroffiziere der Armee „führen“ dabei nicht das Fähnrichkorps im eigentlichen Sinn. Vielmehr stellen sie eine parallele Befehlsstruktur zu jener der Fähnriche dar und dienen v.a. als Mentoren und Ratgeber jener Fähnrichorganisation, der sie zugeteilt sind. Die Aufgabenbereiche des Kommandanten und des Taktischen Brigadeoffiziers überschneiden sich v.a. mit jenen des Cadet First Captain (Ersten Fähnrichhauptmanns) und seines oder ihres Fähnrichbrigadestabs. Der Erste Hauptmann befehligt oder „führt” die Fähnrichbrigade, was bedeutet, dass er oder sie für die Leitung und Administration des Korps verantwortlich ist. Im Brigadestab befinden sich Fähnrichoffiziere, die in diesen Funktionen als stellvertretender Brigadekommandant, Brigadelehroffizier, Brigadenachschuboffizier und dienstführender Brigadeunteroffizier tätig sind. Sie alle führen jene Funktionen aus, die einem Armeebrigadestab obliegen würden.

Jedes Fähnrichregiment verfügt über einen Cadet Commander (Fähnrichkommandanten) und einen Stab, der jenen einer Brigade widerspiegelt. Dementsprechend hat auch ein Fähnrichbataillon einen Kommandanten und einen Stab aus Fähnrichoffizieren und Fähnrichunteroffizieren. Ein Fähnrichbataillon besteht aus vier Fähnrichkompanien, von der jede einzelne von einem Cadet Captain (Fähnrichhauptmann) befehligt wird. Dieser verfügt wiederum über Unterstützungspersonal wie einen Stellvertretenden Kompaniekommandanten (einen Cadet Lieutenant oder Fähnrichleutnant), einen Cadet First Sergeant (Fähnrichsfeldwebel) und einen Cadet Supply Sergeant (Fähnrichnachschubunteroffizier).

Wenn Offiziersanwärter aus anderen Ländern ein Semester in West Point verbringen, werden sie gänzlich in das Kadettenkorps integriert, erhalten jedoch keine Führungs- oder Stabspositionen. Sie nehmen nicht nur an akademischen Veranstaltungen teil, die ihrer Ausbildung an der heimatlichen Militärinstitution entsprechen, sondern auch an allen übrigen Fähnrichaktivitäten, so als wären sie tatsächliche Korpsangehörige. Was die Fähnriche im letzten Ausbildungsjahr anbelangt, ist es nicht ungewöhnlich, bei Paraden in West Point internationale Offiziersanwärter in ihren Landesuniformen und - gleich ihren amerikanischen Kameraden - mit Säbel zu sehen. In einer Herbstparade vor einem American Football-Spiel gegen ein anderes amerikanisches Universitätsteam stach ein österreichischer Offizier im hinteren Teil einer Fähnrichkompanie neben anderen Fähnrichen im letzten Ausbildungsjahr aufgrund seiner andersgearteten Uniform heraus.

 

Die Fähnriche

Die Fähnriche verbringen vier Jahre an der United States Military Academy. Wenn die jungen Männer und Frauen im Sommer erstmals nach West Point kommen, erhalten sie eine militärische Grundausbildung und werden bis zu Beginn des Studienjahres im Herbst als New Cadets bezeichnet. Von da an werden die Fähnriche des ersten Jahres als Plebes bezeichnet und führen den Dienstgrad Cadet Private (Fähnrichrekrut). Nach etwa der Hälfte des ersten Jahres werden die Plebes zu Private First Class (Gefreiten) befördert, was gewisse Privilegien mit sich bringt. Die Offiziersanwärter im zweiten Jahr, die an zivilen Hochschulen den Sophomores entsprechen, werden als Yearlings bezeichnet und führen den Dienstgrad Cadet Corporal (Fähnrichkorporal). Ihre militärische Aufgabe besteht in der Betreuung eines oder zweier Plebes. Fähnriche im dritten Jahr, an zivilen Institutionen Juniors genannt, erhalten, unabhängig von ihrem Geschlecht, den Spitznamen Cow. Diese Bezeichnung hat ihren Ursprung in einer Tradition des 19. Jahrhunderts und wird von allen Fähnrichen widerspruchslos akzeptiert und nicht als Anspielung auf das Geschlecht empfunden. Alle Fähnriche im dritten Jahr sind Sergeants (Wachtmeister) und füllen Fähnrichunteroffizierspositionen aus, wie Gruppenkommandant, stellvertretender Zugskommandant oder Nachschubunteroffizier. Im vierten Jahr werden die Fähnriche Firsties genannt, was für First Classmen steht; sie besetzen Führungspositionen auf Zugsebene und darüber, bis hinauf zum Cadet Brigade Commander (Fähnrichbrigadekommandanten). Sie füllen ebenfalls Schlüsselpositionen in Stäben auf Bataillonsebene und darüber aus. Jeder First Classman hat zumindest den Dienstgrad Cadet Lieutenant (Fähnrichleutnant), während jene in hohen Führungs- und Stabspositionen Cadet Captains (Fähnrichhauptleute) sind. Der höchstrangige Fähnrich ist, wie oben erwähnt, der First Captain, während jene Fähnriche auf niedrigeren Führungs- und Stabsebenen den Fähnrichsrang eines Captain führen, versehen mit einer der Aufgabe zugeordneten Fachbezeichnung, wie etwa Battalion Commander oder Regimental Adjutant.

Internationale Offiziersanwärter, die in West Point ein akademisches Semester verbringen, haben denselben Status wie Cadet Lieutenants und genießen die mit diesem Status verbundenen Privilegien. Sie sind zwar nicht Teil der Kommandostruktur der Fähnriche, erhalten aber gleich ihren amerikanischen Kollegen Gelegenheit zum Erlernen von Führungsfunktionen. Daher nimmt ein österreichischer Offiziersanwärter genauso an militärbezogenen Diskussionen und Seminaren teil wie seine amerikanischen Kameraden und genießt die Vorteile der Zusammenarbeit mit jenen amerikanischen Armeeoffizieren und -unteroffizieren, die als Berater und Mentoren der West-Point-Fähnriche dienen. Internationale Offiziersanwärter werden als vollwertige Studenten angesehen und erhalten wie die amerikanischen Fähnriche akademische Bewertungen.

Obwohl die Fähnriche ihren militärischen Positionen entsprechend unterschiedliche Dienstgrade führen, spielt dies bei der akademischen und körperlichen (sportlichen) Leistung keine Rolle. Sie erhalten, wie auch an einer zivilen Bildungseinrichtung, Noten für ihre akademischen Leistungen. Ebenso werden sie für ihre an den Tag gelegten körperlichen Fähigkeiten benotet. Jene Fähnriche, die an sportlichen Wettbewerben mit anderen Universitäten teilnehmen, bekommen für ihre Teilnahme Gutpunkte, dennoch müssen ausnahmslos alle während des Jahres körperliche Leistungstests ablegen, und jeder Fähnrich nimmt an der anstrengenden und vielseitigen Körperausbildung teil und wird darin auch benotet.

Das Institut für Körperausbildung, an dem sowohl militärische als auch zivile Ausbildner tätig sind, führt ein umfangreiches, verpflichtendes Programm durch. Männliche Plebes erhalten Boxunterricht, während weibliche Fähnriche in den Grundlagen der Kampfkunst (Selbstverteidigung und unbewaffneter Kampf) unterrichtet werden. Sowohl Männer als auch Frauen belegen einen Kurs in Militärischer Bewegung, in dem sie sich vielfältige Bewegungsfertigkeiten aneignen, und einen weiteren in Grundlagen Körperlicher Fitness. Die Yearlings genießen ein weniger intensives physisches Ausbildungsprogramm, das einen Kurs über so genannte Lebenslange Körperliche Aktivitäten wie Golf und Tennis beinhaltet. Fähnriche der zweiten Klasse belegen Überlebensschwimmen, wobei ihnen grundlegende Schwimmtechniken und Kampfschwimmen näher gebracht werden und sie in Kampfsituationen zu Wasser mit Waffen und Ausrüstung überleben lernen. Ein weiterer Kurs beschäftigt sich mit der Verbesserung der Fitness in der Armee, wobei die Fähnriche lernen, Programme zur Beurteilung der körperlichen Leistung in der Einheit umzusetzen. First Class Cadets (Fähnriche der ersten Klasse) belegen einen Kurs für Kampftechniken der Armee, mit dem Schwergewicht auf jenen Strategien und Techniken, feindliche Angriffe zu neutralisieren.

Die Fähnriche werden pro Jahr zwei militärischen Überprüfungen der körperlichen Leistungsfähigkeit, in denen die körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness der Fähnriche ermittelt werden, unterzogen. Diese Tests dienen der Evaluierung der Programme und der Messung des Fortschritts der Fähnriche hinsichtlich ihrer Erlangung eines akzeptablen Niveaus kampfbezogener, körperlicher Leistungsfähigkeit.

Letztlich gibt es ein dreiteiliges wettbewerbsmäßiges Sportprogramm, nämlich das akademieeigene, jenes zwischen den Clubs verschiedener Universitäten und eines, das zwischen Universitäten selbst ausgetragen wird. Der Unterschied zwischen den beiden Letzteren, zwischenuniversitären Programmen besteht in der Finanzierung, Verwaltung und offiziellen Anerkennung auf nationaler Ebene. Sportarten wie Judo oder Rugby gelten beispielsweise als zwischenuniversitäre Clubsportarten, während American Football und Baseball interuniversitäre Hauptsportarten sind, die vom Büro für interuniversitären Sport geführt werden. Die Clubsportarten werden durch das Institut für Körperausbildung administriert und geregelt. Nimmt ein Fähnrich nicht an zwischenuniversitärem Sport teil, muss er oder sie während des Aufenthalts in West Point intern Sport betreiben.

Das Institut für Militärische Lehre ist für die gesamte militärische Ausbildung zuständig. Es besteht aus Berufsoffizieren und -unteroffizieren der Armee im Aktivstand, die sowohl militärische Aktivitäten planen und durchführen als auch militärische Fächer unterrichten. Im Institut ist jede einzelne Waffengattung der U.S. Army durch einen Offizier vertreten, fallweise auch mit Unterstützung durch einen Unteroffizier. Sowohl Offiziere als auch Unteroffiziere verfügen über umfassende militärische Erfahrung bzw. Einsatzerfahrung. Da sie bereits im Irak oder in Afghanistan gedient haben, können diese Lehrer Wissen aus erster Hand über die Rolle ihrer Waffengattung in Kriegsszenarien vermitteln.

Im November 2009 führte das Referat für Militärwissenschaft am Institut für Militärische Lehre im Rahmen der Studien für Strategie und Verteidigung für Fähnriche des Auswahlkurses MS350 Military Communication einen Besuch bei der Zeitung „New York Times“ und dem Radiosender „Fox News“ durch. 17 Fähnriche, darunter auch der österreichische Offiziersanwärter Manuel Janisch, nahmen am zweitägigen Medien-Vertiefungsprogramm teil, in dem sie auch der Diskussion mehrerer Herausgeber darüber beiwohnten, welche Nachrichtenanalysen an einem bestimmten Tag auf der Titelseite der „New York Times“ erscheinen würden. Die Teilnahme des Offizieranwärters Janisch war ein typisches Beispiel dafür, welche Ausbildungserfahrungen internationale Teilnehmer während ihres Aufenthalts in West Point machen können. In diesem Fall erhielt Offizieranwärter Janisch einen speziellen Einblick in die Arbeitsweise amerikanischer Nachrichtenmedien, den er ohne seine Teilnahme an dieser militärisch orientierten, akademischen Übung wohl nicht gewonnen hätte.

 

Wissenschaftlicher Betrieb

Was den allgemeinen akademischen Bereich unter der Leitung des Academic Dean (Akademischen Dekans) anbelangt, rangiert West Point unter den Spitzeninstitutionen der USA. Während die Militärakademie angibt, die landesweit beste Institution im Bereich Führungsausbildung zu sein, steht sie als Hochschule bei der Hervorbringung akademischer Gelehrter mit anderen angesehenen Universitäten wie Harvard, Yale, Princeton und Stanford auf einer Stufe. Ihre besondere Nische besteht nicht nur im Hervorbringen von Absolventen mit erstklassiger Ausbildung, sondern in deren Vorbereitung auf den Dienst - insbesondere in einer Führungsrolle - in den Streitkräften der USA oder dereinst in beinahe jedem anderen Berufsfeld, einschließlich Recht, Medizin, öffentlicher Dienst und Bankwesen.

Alle Institute der Akademie verfügen über militärische und zivile Professoren und Lehrer, wobei das zahlenmäßige Verhältnis der - ständigen wie auch auf Rotationsbasis tätigen - militärischen Lehrer zu ihren zivilen Kollegen drei zu eins ist. Militärische Professoren und Lehrer besitzen zumindest den akademischen Grad Master, den sie an einer angesehenen zivilen Institution erworben haben, die auf das betreffende Fach spezialisiert ist. Ein Offizier zum Beispiel, der eine Fremdsprache unterrichten soll, kann am Sommerprogramm des Middlebury College teilnehmen und dann ein Jahr in der jeweiligen Fremdnation verbringen. In der Vergangenheit nahm die Universität Mainz in Deutschland Offiziere der U.S. Army auf, die West-Point-Fähnriche künftig in Deutsch unterrichten sollten. Viele dieser militärischen Lehrkräfte haben auch ein Doktoratsstudium in ihrem Spezialgebiet begonnen. Zivile Lehrer und Professoren wiederum kommen mit Doktoraten, umfassenden Erfahrungen im wissenschaftlichen Bereich sowie mit Unterrichtspraxis nach West Point. Auch wenn die militärische und die zivile Fakultät ausgiebig publizieren, sind Publikationen für eine ordentliche Professur in West Point nicht notwendigerweise erforderlich.

Die Institute der Akademie können grob in zwei Kategorien, nämlich die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften, eingeteilt werden. Zu den Geisteswissenschaften gehören die Institute für Sozialwissenschaft, Verhaltensforschung und Führungsverhalten, Englisch und Philosophie, Geschichte, Recht und Fremdsprachen. Die Institute für Elektrotechnik und Computerwissenschaften, Mathematik, Zivil- und Bauingenieurswesen, Geographie und Umweltingenieurswesen, Chemie und Biowissenschaften, Systemingenieurswesen und Physik bilden den naturwissenschaftlichen Zweig. Weiters gibt es an diesen Instituten verschiedene Forschungszentren, nämlich jene für Leistungssteigerung, Führungsverhalten, Molekularwissenschaften, Lehrkompetenz, Mathematik, Nuklearwissenschaften und Nukleartechnik, Photonenforschung, Maschinenbau, Informationstechnologie und Zivilingenieurswesen.

Diese Institute funktionieren ganz ähnlich wie entsprechende zivile Institutionen. Sie unterscheiden sich von zivilen Hochschulen in der Zusammensetzung der Fakultäten, den ordentlichen Professuren, den angewandten Methoden, der Bandbreite der angebotenen Kurse und der Klassengröße.

Die Fakultät ist insofern einzigartig, als ausnahmslos jeder Professor und Lehrer den Fähnrichen als Berater, Mentor und Lehrer zur Verfügung steht. Es gibt keine Lehrassistenten, oder den Fall, dass sich ordentliche Professoren von den Studenten zurückziehen, wenn sie Bücher verfassen oder an speziellen Projekten arbeiten. Die Lehrkräfte erteilen Fähnrichen in den Fächern, in denen sie besondere Aufmerksamkeit benötigen oder ihren Horizont erweitern möchten, häufig Einzelunterricht. Die militärischen Lehrer, die meist nur drei Jahre unterrichten und dann in eine rein militärische Umgebung zurückkehren, können sicher sein, vormalige Studenten später als unterstellte Offiziere in der eigenen Organisation wieder anzutreffen. Dagegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Absolvent einer zivilen akademischen Institution seinem früheren Lehrer später in einer beruflichen Situation im Vorgesetzten-/Untergebenenverhältnis wieder begegnet, eher gering.

Für eine ordentliche Professur müssen militärische Lehrkräfte über ein Doktorat verfügen, jedoch ist für die Bewerbung nicht von Bedeutung, ob sie Bücher oder vergleichbare Werke veröffentlicht haben. Eine militärische Lehrkraft, die bereits über drei Jahre Unterrichtstätigkeit verfügt und der für ihren Doktortitel nur mehr die Abschlussarbeit fehlt, darf sich für eine ihren Interessen entsprechende Festanstellung bewerben, vorausgesetzt ihre Lehrtätigkeit in West Point oder einer anderen Dienststelle der Armee war entsprechend.

Auch dafür sind keine nachweislichen Publikationen erforderlich. Das zivile Lehrpersonal besteht aus hochqualifizierten Vortragenden, deren Verträge bei entsprechender Leistung erweitert werden können, wobei es auf die Unterrichtstätigkeit selbst und nicht auf die Anzahl der veröffentlichten Werke ankommt.

Die Lehrmethodik geht auf jene Zeit im frühen 19. Jahrhundert zurück, als Oberst Sylvanus Thayer Superintendent von West Point war. Damals wurden die Fähnriche täglich geprüft, indem sie ihren Kameraden Themen vortragen mussten, die sie am Vortag als Aufgabe aufbekamen. Von den Lehrern wurde nur erwartet, dass sie Fragen stellten und die Vorträge benoteten. Sie hatten höchstens 18 Studenten pro Klasse.

Bis heute beträgt die Obergrenze in den Klassen 18 Fähnriche. Jedoch sind tägliche Vorträge nicht länger an der Tagesordnung. Es gibt oft kurze Tests und unterschiedliche Prüfungsarten, ebenso schriftliche Arbeiten und Laborexperimente. Auch wenn ein Lehrer häufig benotet, bindet er die Studenten eher in entsprechende Diskussionen ein, bringt sie dazu, ihre Meinung darzulegen, oder präsentiert anspruchsvolle Standpunkte. Es gibt einige Lehrveranstaltungen für große Gruppen von Fähnrichen, bei denen angesehene militärische und zivile Persönlichkeiten eingeladen werden, ihre Vorträge vor einer gesamten Klasse zu halten. Das Hauptgewicht im Lehrsaal liegt jedoch auf den Einzelleistungen.

In einem solchen Bildungsumfeld können sich internationale Offiziersanwärter bestens entwickeln. Offiziersanwärter aus Österreich kommen mit guten Englischkenntnissen nach West Point, und ihr fließender Sprachgebrauch ermöglicht es ihnen, gemeinsam mit ihren amerikanischen Kameraden aktiv an den Diskussionen und Übungen im Lehrsaal teilzunehmen. Der österreichische Beitrag ist besonders wertvoll, weil er von Angehörigen der Streitkräfte eines Landes kommt, das eng einem neutralen nationalen Status anhängt. Die amerikanischen Fähnriche bekommen somit einen wichtigen Einblick in ein internationales Umfeld, das heute unklar und voller Herausforderungen ist und in dem sie als künftige Offiziere der U.S. Army besondere Aufmerksamkeit im Umgang mit dem Zivil- und Militärpersonal unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichsten Hintergrundes zeigen werden müssen.

Um den Fähnrichen in West Point eine solide akademische Grundlage für künftige verantwortungsvolle Positionen, etwa innerhalb der internationalen Gemeinschaft, zu vermitteln, muss die Militärakademie eine große Bandbreite an Kursen anbieten. In jenen, von der Fakultät speziell gestalteten und innerhalb der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen angebotenen Kursen werden einzelne Fächer sowohl breit als auch in der Tiefe behandelt. Oft wechselt ein neuer Lehrer, der sich mit einem gewissen Thema beschäftigt, das hinsichtlich der in West Point unterrichteten Fächer besonders relevant ist, von einer zivilen Hochschule für eine dreijährige Lehrtätigkeit nach West Point. Diese Lehrkraft kann dann im betreffenden Fach einen zusätzlichen Kurs als Vertiefung zu den erforderlichen Basiskursen, die alle Fähnriche belegen müssen, anbieten. Ein Beispiel wäre, die Ursachen für den Ersten Weltkrieg im Kontext der modernen Geschichte Europas zu behandeln, insbesondere, wenn der Vortragende sich zuvor im Zuge seiner Diplomarbeit und betreut durch einen angesehenen Experten an einer zivilen Bildungseinrichtung mit diesem Thema eingehend beschäftigt hat.

 

Sport und kulturelle Erfahrungen

Während sich die Fähnriche in wissenschaftlichen Gegenständen auszeichnen, was an der Anzahl der an sie vergebenen Graduiertenstipendien ersichtlich ist, zeigen sie auch im sportlichen Bereich hervorragende Leistungen. Die Größe der Militärakademie mit ihren etwa viertausend Studenten, davon 15% Frauen, gestaltet es schwierig für sie, mit den großen Universitäten, die auf Zigtausende Studenten zurückgreifen können, in so beliebten Sportarten wie American Football zu konkurrieren. Jedoch bringt West Point in verschiedenen Clubsportarten wie Boxen, Orientierungslauf, Triathlon, Pistolenschießen, Mannschaftshandball und Rudern, Teilnehmer für Landesmeisterschaften hervor. So wurde 2009 Ashley Morgan Weltmeisterin im Triathlon der Frauen.

Im Sky Diving erhielten Fähnriche aus West Point landesweite Anerkennung und viele Mitglieder des Sky-Diving-Clubs kommen auf über vierhundert Sprünge. Im Herbst 2007 wurde der österreichische Offiziersanwärter und West-Point-Student Franz Gumpitsch am Exerzierplatz in einem blauen Overall, wie ihn Fallschirmspringer tragen dürften, gesehen. Er beobachtete eine Sky-Diving-Vorführung des Fähnrichfallschirmsprungteams, das den zahlreichen Besuchern einer Fähnrichparade gerade Präzisionslandungen auf ein kleines Ziel vorführte. Er stand offensichtlich mit dem Sky-Diving-Club der Fähnriche in Verbindung, der stolz darauf ist, an nationalen und internationalen Fallschirmsprungwettbewerben teilzunehmen. Da sein Erscheinen bei einer solchen Veranstaltung ungewöhnlich war, fragte man ihn, woher er kam und was er dort machte. Wie sich herausstellte, hatte die österreichische Regierung ihm als angehenden Flieger und versierten Fallschirmspringer den Aufenthalt in West Point ermöglicht. Er war mit den amerikanischen Fähnrichen im Sky-Diving-Club gesprungen. Seine Teilnahme im Club ist nur ein Beispiel für die gute Integration internationaler Offiziersanwärter in das Fähnrichkorps von West Point bei ihrem Aufenthalt an der Akademie.

Einer der Hauptgründe, dass eine Ausgabe des „Forbes“-Magazins im Sommer 2009 West Point als die beste Universität der USA anführte, ist die große Bandbreite an Erfahrungen, die Fähnrichen dort offen stehen, und zwar nicht nur in militärischer, sportlicher und wissenschaftlicher Hinsicht, sondern auch kulturell. Die Fähnriche können in Kirchenchören von West Point oder im berühmten Glee Club singen, der nicht nur an der Militärakademie, sondern auch in zivilen Gemeinschaften auftritt. Die Fähnriche unterrichten auch an der Sonntagsschule. Sie können einer Vielzahl an Clubs beitreten, von militärisch bis zu äußerst intellektuell orientierten. Es gibt über hundert Möglichkeiten, an solchen Aktivitäten teilzunehmen.

 

Was West Point bietet

Was also bietet West Point für die österreichischen Offiziersanwärter? Österreich ist aktiv an den Aktivitäten der UNO beteiligt, und die Vertreter seiner Streitkräfte haben in internationalen Einsätzen bereits gemeinsam mit Amerikanern gedient. Neben der intensiven intellektuellen Erfahrung, die österreichische Offiziersanwärter während eines Studiensemesters an der United States Military Academy machen, ist ein solcher Aufenthalt für ihren Militärdienst in der Welt von heute unweigerlich vorteilhaft. Ein Blick darauf, welchen Nutzen ein Offiziersanwärter aus einem Studiensemester in West Point ziehen kann, ist lehrreich für all jene im Österreichischen Bundesheer, die in Zukunft Gelegenheit haben mögen, mit einem amerikanischen Kameraden ihren Dienst zu versehen. Gleichzeitig bringt der österreichische Offiziersanwärter einer der renommiertesten Bildungsinstitutionen Amerikas die kulturellen Besonderheiten seines Landes näher und trägt so zur erhöhten Motivation künftiger US-Offiziere hinsichtlich der Bewältigung von Situationen in einem internationalen Umfeld bei. Der Umstand, dass zwei der ältesten militärischen Bildungsinstitutionen der Welt durch den Austausch von Studenten eine lebensfähige Partnerschaft eingegangen sind, kann der zukünftigen Zusammenarbeit und dem gegenseitigen Verständnis der Angehörigen beider Streitkräfte nur zuträglich sein.