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Nikolaus Scholik

 

Die Beurteilung der strategischen Entwicklungen von Großmächten ist heute von besonderer Komplexität geprägt und verlangt ein permanentes „Nachjustieren“, will und muss man technologischen Fortschritt, die aktuelle politische Situation und die jeweiligen und gesamten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen korrekt berücksichtigen. Im maritimen Bereich, der sich definitiv zum Schlüssel für eine Position in der globalen Mächteordnung gewandelt hat, stehen die beiden derzeitigen Supermächte USA und China - in allerdings verschiedener Rangordnung - vor bedeutenden Entscheidungen. Dazu kommt, dass sich der strategische Schauplatz, allgemeiner Ansicht nach nun der pazifische Raum, durch die politischen Entwicklungen in Nah-Mittelost und parallel im Bereich Nordwest-Pazifik (Nord und Süd), nicht mehr vom östlichen Indischen Ozean trennen lässt. Damit entsteht ein neuer Großraum, der geopolitisch, geostrategisch zusammenwächst; dies ist insbesondere bei allen maritim-strategischen Überlegungen zu berücksichtigen.

Die Darlegung der realen maritimen Instrumente sowie die höchst unterschiedlichen maritim-strategischen Ziele als Teile der jeweils nationalen Gesamtstrategie CHINAMERIKAS erlauben uns nun entsprechende Schlüsse für die gesamte oder jeweilige Position der beiden Partner/Kontrahenten.

Die zu erwartenden Bedingungen spielen bei den strategischen Analysen des künftigen sino-amerikanischen Verhältnisses eine wichtige Rolle. Eine interessante Überlegung lautet: Wäre eine indisch-amerikanische Allianz auf maritimer Ebene möglich? Wiewohl die seit Jahren (unter der G. W. Bush-Administration geschlossen) bestehende Zusammenarbeit auf dem Sektor der friedlichen Nutzung der Kernenergie Anlass zu diesbezüglichen Überlegungen gab, hat sich diese Zusammenarbeit bislang nicht in diese Richtung weiterentwickelt. Dennoch würde sie - klar gegen die Ambitionen Chinas im Indischen Ozean gerichtet - das derzeitige Ungleichgewicht zwischen China und den Vereinigten Staaten weiter zu Ungunsten Chinas verändern.

Beide Partner/Kontrahenten haben also ihre strategischen Ausrichtungen im Rahmen ihrer Gesamtstrategien definiert. Maritim gesehen sind die Vereinigten Staaten de-facto unerreichbar, auf mindestens eine Dekade gesehen.

Dennoch bleibt eingedenk aller Möglichkeiten die derzeitige und absehbare Stärke und technologische Überlegenheit der US-Navy ein Faktum. Die Idee CHINAMERIKA ist ein idealistischer Wunsch. Die einzige globale Macht, die über Projektionsfähigkeit verfügt, sind die Vereinigten Staaten. Ebenso Projektionsfähigkeit aufzubauen, liegt in Chinas konsequenter Verfolgung des Ziels, auch eine maritime globale Position zu erreichen. Das reflektiert die Realität.